Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Geboren wurde Adolphe Franck in dem kleinen Städtchen Liocourt im Departement de la Meurthe. Sei» Vater war ein geachteter Kaufmann, der nicht nur zu rechnen und zu spare» verstand, sondern dessen heißestes Bemühen es war, seinen Kinder eine gute Erziehung und tüchtigen Unterricht angedeihen zu lassen. Beide Eltern, Vater und Mutter, erkannten bald die Geistesrichtung ihres Kindes Adolphe, der nicht nur in kindlicher Einfalt die altehrwürdigen Satzungen der Religion übte, sondern bald durch seine frühreifen Fragen und Antworten es erkennen ließ, daß er wohl dazu berufen sei, nicht mit der Elle hinter dem Pulte zu stehen. Und da nach jüdischer Anschanung Wissen Macht ist, da ein mittelalterliches Wort jüdischer Weisen lautet: Hast Wissen Du erworben Was fehlt Dir dann noch! Bist ohne Wissen Du, Findest Du nirgend Ruh! so wurde das lernbegierige Kind, nachdem es die ersten Elemente des Wissens von den treuen Eltern erhalten hatte, ins Gymnasium nach Nancy geschickt und vollendete seine Studie» in Toulouse. Im Jahre 1832 hatte Franck seine Studien, oder — da er sein lebenlang studirt hat — eigentlich seine Prüfungen beendet und erhielt bei dieser Gelegenheit den ersten Preis ans der Philosophie. Seine erste Anstellung als Professor der Moralphilosophie erhielt er am College von Douai, kam aber bald nach Nancy und von da nach Versailles. Aber schon iin 1.1840 erhielt er einen Rufals Professor ans Lycee Charlemagne in Paris, und Paris tvar der eigentliche Boden, wo er seine reichen Fähigkeiten entwickeln und zeitigen konnte. Und in der That erhielt er noch in diesem Jahre die venia doeendi an der nach ihrem Gründer benannten Universität Sorbonne, die ursprünglich nur für katholische Lehrkräfte bestimmt war. Er war der erste Jude, der diese Erlaubnis erhielt, von ihr aber keinen Gebrauch machte, weil er in Folge einer Kehlkopfkrankheit gezwungen war, die Lehrtätigkeit aufzugeben und statt desselben die Feder zu handhaben. Doch diese unfreiwillige Muße ließ ihn das Ausland aufsnchen und im milden Klima des sonnigen Italiens fand er nicht nur seine Gesundheit wieder, sondern wurden so manche im Keime schlummernden Arbeiten zur Reife gebracht und sein epochemachendes Werk: Systeme de la Kabbala ou la Philosophie religieuse des llebreux (System der Kabbala oder die religiöse Philosophie der Hebräer) erschien während dieser Zeit — im Jahre 1843. Und der daiiials im jugendlichen Alter von 22 Jahren stehende Dr. Adolf Jellinek^) begriff sofort die Wichtigkeit dieses Buches und übertrug dasselbe schon im darauffolgenden Jahre (1844) ins Deutsche und versah dasselbe mit ergänzenden und berichtigenden Bemerkungen. Professor Franck sollte bald die süße Frucht seiner Kabbalistischen Studien ernten, denn im I. 1844 wurde er in Folge dieses Aufsehen erregenden Buches von der Aeademie der moralisch-politischen Wissenschaften an Stelle des berühmten Autors Edwards erwählt, eine Auszeichnung, der sich Prof. Franck würdig erwies. Auch hier war er der erste Jude, dem eine solche Ehre in unserem Jahrhundert zu Teil wurde. Wohl hatte Franck schon im I. 1838 seine Schrift: Esquisse d’une histoire de la logique preuede d’une analyse de 1’Organon d’Aristote 2) Dr. Jellinek zeichnete diese Übersetzung mit beut Pseudonym „@cfliiie!''.($üv ihn wurde jedoch diese Übersetzung die Anregung zu weiteren grundlegenden Forschungen, die ein helles Licht auf die Geschichte des Sohar werfen.