Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Daß aber auch mitunter die Erlösung unerwartet schnell eintritt, dafür liefert die Geschichte der jüdischen Vergangenheit zahlreiche Beispiele. Doch keines ist so überzeugend, für die unschuldig Leidenden so ermntigend, wie das Beispiel, welches das Pesachfest alljährlich in den Vordergrund unseres Denkens und Empfindens rückt. Lange hatten die geknechteten Söhne Israels vergeblich nach Befreiung aus unwürdigen Banden geschmachtet, ihr Horizont umdüsterte sich mehr und mehr, und schließlich kam die Erlösuugsstuude so plötzlich, so überraschend, daß ihnen nicht die Zeit blieb, den Teig säuren zu lassen, aus dem sie ihr Brot bereiten wollten. Auch wir wollen in Geduld ausharren, bis unsere Prüfungszeit zu Ende geht, und die niilde Frühlingsluft des Friedens uns sanft umweht. Aber aufleheu wollen wir den Allmächtigen, den Hort Israels, daß er in seiner Gnade die Erlösungsstunde baldigst herbeiführe, damit wir alle, Jung und Alt, Hoch und Niedrig, die in zuversichtlichem Vertrauen das Wort des Sängers sich zn eigen gemacht: „Ich sterbe nicht, nein, ich lebe und erzähle die Thaten Gottes," dankerfüllt, geläutert und veredelt, mit ihm sprechen dürfen: „Wohl hat der Herr mich gezüchtigt, doch km Tode hat er mich nicht hingegeben." Mein Leben will ich weihen dem Preise seines Namens, der Verherrlichung seines Waltens. Amen! Adolphe Iranck.' geb. in Liocourt (Departement de la Meurthe) am 9. Oktober 1809, gestorben in Paris am 11. April 1893. Ein Gedenkblatt von Dr. M. Grünwald, Oberrabbiner von Bulgarien. Motto-. Die Gerechten bedürfen keines äußeren Denkzeichens, ihre Werke und ihre Thaten sind es, die ihnen ein ewiges dankbares Andenken auch bei der Nachwelt sichern. (Midrasch). Gefällt ist wiederum eine mächtige Eiche aus dem Walde Israels, geschlossen für inlmer der Mund, der Wahrheit, Recht und Frieden, die drei Säulen, auf denen das Menschentum beruht, hat verkündet, gebrochen das Auge das kein Unrecht sehen konnte, erstarrt das Herz, das warm für jeden Menschen schlug und alle Menschen in Liebe umfaßte. Professor Adolphe Franck ist der Name dieses Mannes, der, obwohl nicht Theologe von Fach, die Wissenschaft des Jndeutum's hat gefördert, durch sein Wort und durch seine Schrift, und nicht zum geringsten auch durch sein persönliches Leben, denn gute Menschen wirken nicht nur durch das, was sie leisten, sondern auch durch das, was sie sind. 1) Außer persönlichen Mitteilungen, die wir während unseres Pariser Aufenthaltes (1873— 75) von Prof. Franck erhalten Habens benützen wir folgende Quellen für unsere biographische Skizze: 1) Dictionnaire international des ecrivains du jour publie pa A. de Gubernatis (Florence 1888—1890) sub voce Adolphe Franck 2) Journal des Debats am 12. April 1893 3) Ch. I). Lippes bibliographisches Lexicon und 4) den größten Teil der von Prof. Franck veröffentlichten und von ihm redigirten Werke. Prof. Franck's am 4. December 1879 in Paris gehaltenen Bortrag: Du fondament du Droit politique (über die Grundlage des politischen Rechtes haben wir in A. Stern's „Zeit" (1880 Nr. 2 bis 7) ins Deutsche übertragen, veröffentlicht. Das seit dem 29. März 1893 wöchentlich 2 mal erscheinende Blatt Da vraie parole das wahre Wort) enthält gleichfalls Notizen zu einer Biographie Prof. Franck's sowie dessen Aufsatz L’idee de Dien dans ses rapport avec la Science (Der Gottesgedanke in seinen Beziehungen zur Wissenschaft) u. s. in Nr. 5.