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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-06-01 · Heft 6 (1.6.1893) · p. Seite 124

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 6 (1.6.1893)
Date
1893-06-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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geben oder umzugestalten. Denn dadurch haben sie ein mächtiges Bollwerk gegen die Hochfluth des Unglaubens errichtet, und es werde die Zeit kommen, da die herrschenden Religionen, durch den Kampf gegen die von ihnen ausgestellten Dogmen in ihren Grundvesten erschüttert, sich dankbar anlehnen würden an die feste Säule der jüdischen Gotteserkenntnis, um durch sie das erschütterte Gebäude der Sittlichkeit stützen zu lassen. Bis jetzt sind solche Stimmen wohl nur vereinzelt erschallt, ihr Ruf war auch noch nicht laut genug, um weithin vernommen zu werden, ja in der allerjüngsten Zeit hat wohl auch die Furcht vor den Häuptern jener Schreckensvartei, die jedes Zeichen des Zugeständnisses an jüdische Anschauungen und Begriffe als schändlichen Verrat brandmarkt, derartige Aussprüche gänzlich unterdrückt. Aber dennoch bleibt der einmal ausgesprochene Gedanke wahr, und früher oder später wird er zahlreiche Anhänger und Verfechter finden. Und wir selbst sollten inzwischen verzagen oder gar unsere gute Sache aufgeben? wir, die Märtyrer der Wahrheit sollten verzweifelt ausrufen: „Nur Trug haben unsere Väter als Erbteil davon getragen, Nichtiges, daran kein Frommen ist?" Wir sollen nur die trübe Gegenwart und die vielleicht noch trüber sich gestaltende nächste Zukunft in's Auge fassen aber nicht einsehen wollen, daß es eine Versündigung an der Menschheit, eine Verkennung und Geringschätzung der Lehre der Geschichte wäre, zu wähnen: Der Bosheit, der Unvernunft, der Heuchelei werde der endliche Sieg zufalleu, die Liebe, die geistige Klarheit, die Aufrichtigkeit werden dauernd in unwürdiger Knechtsgestalt 'einhergehen oder sich ängstlich verbergen müssen? Daun müßten wir überhaupt allen Idealen entsagen, müßten allen Vorkämpfern für Freiheit und Volksrechte den Rat erteilen, ihre undankbare und unlohnende Arbeit aufzuHeben, da ja doch keine Aussicht zur Verwirklichung ihrer Ideen vorhanden, da die von ihnen herbeigesehnte und durch ihre hingebungsvolle, opferwillige Thätigkeit angeblich beschleunigte Zeit nie erscheinen werde. Ja kämpften und litten wir nur für uns, für die kleine Minderheit der zum jüdischen Glaubensverbande gehörenden Brüder und Schwestern, wir könnten vielleicht zaghaft uns dem Kleinmute überlassen, könnten wähnen, daß unsere Sache eine verlorene sei, daß wir in unserer Vereinzelung und Vereinsamung nimniermehr auf Erfolg zu rechnen hätten, obwohl auch dann noch das Selbstgefühl und die Rücksicht auf unsere Vergangenheit uns aufrecht erhalten müßten. Aber zum Glücke ist unser Triumph zugleich ein Triumph der menschlichen Cultur, unsere Unterdrückung ein Sieg der Barberei, der geistigen und sittlichen Unfreiheit, eine Errungenschaft der Finsternis, ein Augenblickserfolg der wahnbethörten ungefügen Masse und der entfesselten rohen Begierde. „Ich sterbe nicht, nein, ich lebe und erzähle die Thaten Gottes" — sei und bleibe darum unser Losungswort. Jene, die heute die Legionen wider uns ins Feld führen, die das schlechteste Mittel nicht verschinähen, um die Volksgunst zu erschleichen und mit deren Hülfe ihren selbstsüchtigen Regungen zu stöhnen, sie wissen es nur zu gut, daß ihre Tage gezählt sind, daß das rollende Rad der Zeit sie selbst, wenn sie nicht rechtzeitig sich zurückziehen, ganz sicher aber ihre Nachfolger und die von ihnen Verleiteten zermalmen wird. Darum ihr fieberhafte Hast, ihr ängstliches Streben, die Volksmenge aus der Betäubung nicht erwachen zu lassen, in welche sie dieselbe künstlich versetzt haben; sie werden in nicht gar ferner Zeit gleich den Sklavenkämpfern im entarteten Rom, die Todeswunde in der Brust, sich vor ihren Götzen verbeugen müssen, uni sterbend sie zu grüßen. Wir

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