Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 109

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969801--3852-2973408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

109 Da mm aber zwei Männer, wie der Franzose Renan und der Engländer Carlyle, als geistvolle und gelehrte Männer berühmt, als Vertreter der romanischen und germanischen Welt gelten könnten, den Humor und die Fähigkeit dazu der jüdischen Rasse absprechen, ist es eine Ehrenpflicht des jüdischen Gelehrten diesen Gegenstand näher zu untersuchen, was bisher, einzelne schüchterne Versuche abgesehen, soweit unser Wissen reicht, auch in nur teilweiser Vollständigkeit nicht geschehen. Und doch ist dies unbedingt notwendig. Denn der Talmud sagt — und wir glauben schon ans der Schule des Humors zu schwatzen — : „Wenn Einer dir sagt daß du Eselsohren hast, so kümmere Dich nicht darum (denn Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede), wenn jedoch zwei Personen es dir sagen, dann versieh deine» Rücken mit einem Sattel." Obwohl es nun allerdings nach talmudischer Anschauung keine so große Schande ist Esel oder Eselin genannt zu werden, 4) hat doch des Patriarchen Jacob Sohn Jssachar dieses Attribut als Epitheton ornans, führte doch der Fürst von Sichern diesen Namen als Familiennamen und ist selbst die Eselin durch Bileam nicht nur zu einem redebefähigten, sondern auch zu einem zurechtweisenden und dein Seher Bileam durch Scharfblick überragenden Weien geworden, und ist es auch Sache des Hunioristen, wie wir früher gezeigt haben, sich selbst nicht zu schonen, so wollen wir dennoch diesen Mangel, das Leben im heiteren Lichte zu sehen, nicht ans uns ruhen lassen, weil wir in der That weit davon entfernt imnier Trübsal zu blasen, herzlich gerne dem Humor Einlaß gewähren und die Elastizität und Spannkraft unseres Geistes, die Hoffnungsfreudigkeit und Glaubensseligkeit unserer Religion ganz entschieden dagegen sprechen. In der Bibel schon finden wir fünfzehnmal den Stamm Zachak lachen und siebenundsünszigmal den Stamm s a ch a k in der gleichen Bedeutung (lachen). Wenn man nun bedenkt, daß die Bibel, allerdings nicht starres Gesetz, trotzdem aber hauptsächlich der Belehrung gewidmet ist. so ist diese trockene Ziffer 57 -f- 15 - 72, beredt genug. Und in der That sehen wir, daß des ersten Patriarchen heißersehnter, inniggeliebter Sohn den Namen Jizchak- „er wird lachen" erhält; dessen Mutter Sarah bricht, nachdem sie von ihrem Galten die Nachricht, daß sie eines Knaben genesen werde, erhält, in die Worte aus: „Ein Lachen hat mir Gott bereitet"Allwöchentlich am Sabbat und an den Feiertagen wird vor Verrichtung des Dankgebetes für den Genuß vou Speise und Trank der 126. Psalm rezitiert und der 2. Vers dieses Psalms beginnt mit den Worten: „Dann wird unser Mund mit Lachen sich füllen und unsere Zunge voll Jubel sein". Ist Jothams Fabel (im 9. Kap. des Buches der Richter), wo die Bäume selbst die Bürde der Würde des Herrschers stolz von sich schütteln, nicht voll seines, köstlichen Huniors? Oder die Szene im 2. Buche der Könige (Kap.18) ist sie nicht voll Humor, wenn Elijahn, der große Eiferer und Prophet, den falschen Götzen des Baal zuruft: „Rufet lauter, er ist ja ein Gott, vielleicht unterhält er sich oder geht er spazieren, vielleicht ist er auf Reisen und muß geweckt werden." Oder wie, vermögen wir des Propheten Jesaia Schilderung bei der Verfertigung der Götzenbilder anders zu lesen, als, daß das Gemüth still befriedigt über den Humor, der über diesen Worten weht, in die heiterste Laune versetzt wird? Gönnen wir einmal diesem aus königlichem Geblüte stammende», 4) Man vgl den hochinteressanten Bortrag des berühmten Wiener Gelehrten Dr. Adolf Jellinek „Ochs und Esel im hebräischen Schrifttum," abgedruckt in Albert Sternes Zeitschrift Hamechaker (Zeitschrift für jüdische Theologie und Geschichte in populär-wissenschaftlicher Forni) HI. Jahrgang. Budapest. 1880 p. 51 ff. um p. 68—71.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.