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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Wohl sehe ich viele von Ihnen, m. H.. die Nase rümpfen, sehe ein sardonisches Lächeln um Ihre Mundwinkel sich bilden; ist es, doch niänniglich bekannt, daß in sämmtlichen civilisierten Länder der Erde unsere Glaubensgenossen es sind, die Gründer, Inhaber und Mitarbeiter humoristischer Blätter sind." uud^es sollte der humoristische Zug uns nicht angeboren sein? Und dennoch m. H., ist es kein geringerer als der jüngst^verstorbeue geistvolle Gelehrte und glänzende Stilist Ernest Renan, der in seiner Histoire des langues semitiques (p. 9. 11. der 1. Ausg.) den Ausspruch gethan: Les peuples semitiques manquent presque completement de curiosite et de la faculte de rire (den semitischen Völkern fehlt fast ganz die Neugierde und die Fähigkeit zu lachen). Was die Neugierde betrifft, so sieht man wohl, daß Renan zur Zeit der Abfassung seines Werkes, das seinen Ruhm begründet, niit Juden nicht verkehrt hat; denn Mangel an Neugierde konnte man uns wohl niemals mit Recht zum Vorwurfe machen; wie ja überhaupt die Neugierde, wohl angewendet, die Grundlage der Wißbegierde und dadurch des Wissens, das im Judentum stets als die erste und größte Macht ward betrachtet, bildet. In den manigfaltigsten Variationen finden wir im jüdischen Schrifttum den Satz: „Wissen ist Macht" ausgedrückt. Und was die Fähigkeit zu lachen betrifft, so verweise ich, nm nicht in die Ferne zu streifen, da das Gute doch so nahe liegt, abermals auf Purim und würde gerne Herrn Ernest Renan, der nunmehr in der Welt der Wahrheit ist, in den vierziger Jahren unseres Jahrhundertes während des Purims in die Prager Judenstadt geschickt haben und er hätte sicherlich die Ueberzeugung gewonnen, daß seine aus Büchern und seiner Umgebung geschöpfte Ansicht eine irrige war. Etwas milder, aber dennoch den wirkliche» Humor den Juden absprechend äußert sich Renan in seiner Arbeit: „Ueber die litkerarischen Leistungen der Juden in Frankreich im 14. Jahrhundert z. sagt er: „Geistesspiele, nur bestimmt die lange Weile eines welteutfremdeten Lebens zu bannen, werden notwendigerweise immer etwas von dem welken und bleichen Charakter der Pflanzen an sich haben, welche ohne Licht sich entfalteten. . . Nicht als ob in diesen ruhigen Räumen die Heiterkeit fehlte. Das jüdische Leben gönnt einer Art sanfter Befriedigung; die Wortspiele, die Calembonrs, die Scherze, — manchmal sogar unbeholfen — welche die jüdischen Schriften des Mittelalters schmücken, beweisen, daß diese unglücklichen, welche von all' den Orten, wo Menschen sich vereinige», ausgeschlossen waren noch lächeln konnten." Hier merkt nian schon jüdischen Einfluß u. z ganz direct, den des in Ungarn geborenen und gegenwärtig in Oxford an der Bodlejona wirkenden Bibliotekars Adolf Neubauer, der bekanntlich an Nenan's letztgenauuter Arbeit einen wesentlichen Anteil hatte Doch Renan nahm es niit seinen Aeußerungen nicht so genau, wenn er nur Effekte erzielen und seinen Geist glänzen lassen konnte. Doch auch ein anderer Forscher u. z. der berühmte Litterarhistoriker Thonias Carlyle that den Ausspruch „The Hebrew has no sense of humour (der Hebräer hat keinen Sinn für Humor)." Carlyle hat mm, wie wir bald zeigen werden, trotzdem er bibelfest und ein gründlicher Kenner der deutschen Litteraturwar, die Bibel nicht richtig erfaßt und Herder's „Geist der cbräischen Poesie" nur oberflächlich durchblättert, denn auch er hätte sonst zu einem ganz anderen, ja sagen wir es geradezu heraus, zum entgegengesetzten Resultate gelangen müssen. 3) Siehe die in Wien erscheinende Wochenschrift: ..Die Neuzeit" vom 3. März 1893 p. 83, und unser „Gedenkblatt,, über Ernest Renan, veröffentlicht in Tr. A. Brüll's Populär wissenschaftlichen Menatsblätler 1892 (Novemberheft).

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