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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 105

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 Schuhmacher Adam Höhn aus Kleinreuth bei Fürth, deponirte nun bei einem Notar in Cronach, dem Stammsitz der Familie, im Beisein und in Uebereinstimmung seiner beiden Schwestern am 21. Mai 1740 folgende Aussage: Als am 21. Mai 1699 in Cronach die 5 Judenhäuser von einer Rotte geplündert wurden, da sei auch er als 13 jähriger Knabe mitgelaufen und habe zwei Dutzend Strümpfe aus dem Hause des Juden Hirsch entwendet, die er seinen Eltern eingehändigt, als diese von der Wallfahrt nach Marienweiher x) heimkehrten. Seine Schwester Anna aber habe damals als 10—11 jähriges Mädchen aus dem Hause eines Juden, dessen Namen er jetzt nicht mehr wisse, ein Kästchen mitgenommen und den Eltern zugetragen, darin enthalten waren: ein Knäuel massives Gold, so groß wie ein Hühnerei, eine silberne Kette, die seinem Bruder, dem eben verstorbenenen Herrn Pfarrer, zweimal um den Leib ging, zwei goldene Schlangenringe für den kleinen Finger, drei silberne Ringe, ein silberner Eßlöffel und etwa 10 Rthl. altes Geld, das Alles im Werthe von ca. 500 fl. Dieses Kästchen mit seinem wertvollen Inhalt habe sein verstorbener Vater s. Z. unter der Stiege seines Hauses vergraben. Als mau aber dann so scharfe Inquisition gehalten, da habe sein Vater all die geraubten Judensachen in eine Kotze eingepackt, die er ihm auf den Rücken legte, mit dem Aufträge, sie nach Zeuln zu tragen, wo sein Bruder damals Pfarrer war. Sollte ihn Jemand unterwegs fragen, was er da trüge, so sollte er sagen: „weiße Wäsche an meinen Herrn Bruder." Unterwegs, gesellte sich eine Dirne zu ihm, die ihm den Pack ein Stück Weges tragen half und schließlich den Inhalt desselben untersuchen wollte. Er habe aus Furcht vor seinem Vater heftig zu weinen angefangen und eine des Weges kommende Bekannte von ihm bat die Dirne, sie möchte dem Knaben die Sachen lassen, da er einen bitterbösen Vater habe. Darauf sagte die Dirne: „O das sehend lauter Sachen von denen Cronacher Juden, wann er mir nichts davon schenkt, so will ich ihm angeben." Anfangs läugnete er, doch habe er ihr schließlich ein Paar Strümpfe geschenkt und damit „ginge das Mensch von ihm." Hierauf glücklich augelaugt bei seinem Bruder, dem Pfarrer in Zeuln, habe derselbe ihn freundlich ausgenommen und die gestohlenen Judenwaren sofort ausgepackt und aufgehoben. Kurz darauf habe es sich zugetragen, daß jene Dirne die ihr geschenkten Strümpfe bei einem Juden in Bamberg habe verkaufen wollen. Der Jude aber erkannte sofort, daß die zum Verkauf angebotenen Strümpfe Kaufmannsgut und mithin gestohlen seien. Sie wurde festgenommen und zum Vicedomamt gebracht, wo sie ein umfassendes Geständnis über Herkunft der Strümpfe ublegte. Sofort erging ein Regierungsbefehl nach Cronach, die ganze Familie Höhn in Haft zu nehmen. Seinem Vater wurden 6 Reiter in's Haus gelegt, Mutter, Tochter und Sohn wurden verhaftet. Ja, man habe ihn damals so scharf in's Verhör genommen, daß er von zwei Corporälen 50 Stockschläge bekommen und ihm gedroht wurde, man würde ihn mit glühendem Eisen brennen, wenn er nicht gestehen wollte. Trotzdem habe er aus kindlicher Furcht vor seinem jähzornigen Vater nicht das mindeste eingestanden, bis die Familie gegen von seinem Vater aufgebrachte Caution aus der Haft entlassen wurde. Der Herr Pfarrer aber habe seine Familie stecken lassen und die gestohlenen Sachen bei sich behalten. *) Dorf im Bambergischen mit einem Franziscanerkloster.

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