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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 » zogen habe. Die Antwort auf diese Frage wurde mit einer nicht mißzuverstehenden Deutlichkeit gegeben: „Als Beauftragter des Churfürsten habe mich die Wahrheit zu gestehen, nicht enthalten können, diesem losen Vogel und gesande», auf seine vermessene goschen Ein dichte Maulschellen anzuhenken, mit dem Beisatz, sich darmit seiner weege zu trollen" und diese Antwort seinen Auftraggebern mitzubringen. An einem andern Orte hatte ein Angeschuldigter geleugnet und war des Falscheides überführt worden. Von ihm berichtet v. Lauster als Vorsitzender der Untersuchnngscommission: „damit nun die vorhergegangene temerität, undt Gottesbeleidigung im schwehren nicht ungestraffet dahin gehen möge, Alß habe Ihme, nach dem sprichworth: „qui non habet in aere, luat in cute“ zum valete ettlich und zwantzig Brügel, deren Er sich lieber bedancket hette, geben lassen." Wieder an einem andern Orte ließ der schneidige Führer der Strafexpedition die überführten Plünderer sich gegenseitig ..das wambs ausklopfen, bis die Spoly herbeigeschafft." Einen verstockten Läugner ließ er „dem leiblichen exerciiio eines Corporals mit einem guthen stock untergeben, bis ihme der rücken in etwas durch diese wohlwnrckent stockjalben aufgeweichet worden" und er eingestanden, daß er das geraubte Geld i» feinem Keller vergraben. Auch über die M o t i v e der Judenplünderung verdauten wir dem Berichte des bischöfliche» Commissarius einen schätzenswerten Beitrag. Man wird sich ti iimein, daß in Burgeller» Iosel Levi das am meisten leidende Opfer der 4'olke-wui und das Hauptobject des Angriffs gewesen. Nun stellt ihm der Com- » issarias in seinem Proivkolle über die stattgehabten Uiitersuchiingeii in Burgellern am l9. Juni das folgende Ehrenzeugnis aus: „Bei dem bishero angehaltenen Cxamine habe nickt ermangelt, angelegentlich zu expiscire», ob vielleicht ein und anderer einige Kravamina geg>n Josel Inden eiiiznwende» h^tle, und dadurch zu der onsguibten verfolg- und Plünderung nmb so ehender Veranlassung nehmen können. So habe aber dnrckgeheniß die antwort erhallen, daß Ihnen keine Beschwerde wieder de» Josel J»de» im geringsten nicht wissent seyen," da sie Alle nur ei» Opfer der Verführung wären. Es war also nichts iveiter als gemeine Habsucht und Räuberei und kein tiefer liegendes Motiv religiöser oder socialer Natur, das zur Entladnng gespannter Volksleidenschaste» hätte führen müssen, und sehr treffend ist die Bemerkung, mit welcher sich ein der Bedrohung Angeschuldigtei vor der Uuteriuchungscoinniission verteidigt: „dergleichen Gedanken seyen ihme von Gott nicht, sondern von dein bösen Geist eingeblasen worden." — Die Untersuchungen des Oberstlieutenants von Lauser und damit die traurigen Ereignisse der Judenplündernng wurden beendet am 29.'Juni 1699. Die Ereignisse d. I. 1699 hatten noch ein kleines Nachspiel in einem Prozeß, der im Jahre 1740 bei der fürstlichen Regierung in Bamberg anhängig gemacht wurdet und der uns noch eine willkommene Ergänzung bietet zur Geschichte der Judenplünderung. Im Jahre 1740 starb nämlich in Graitz (bei Burgkunstadt) der dortige Pfarrer Joh. Heinrich Höhn mit Hinterlassung eines Vermögens von ca 20000 fl., die er einer Schwester und deren Kinder vermachte, während die Halbgeschwister mit wenig oder nichts bedacht wurden. Der bei der Erbschaft leer ausgegangene Halbbruder des Verstorbenen, der *) lieber dieses Nachspiel ist ein kurzer Bericht veröffentlicht von H. Epstein (Monatsschrift v. I. 1*80 S. 501), wo das Datum „21. Mai 17t,0" als Tag der Judenplünderung in Cronach dem Archivsact irrtümlich statt 1«*99 nachgeschrieben ist, da es sich daselbst um einen Gedächtnisfehler des Deponenten handelt.

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