Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1893)
- Date
- 1893-05-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 Testament. Wo sie aber im weiteren Verlauf mit den Worten: „Ihr habt gehört — ich aber sage Euch," neue Lehren aufstellen, die alten als unzureichend darstellen will, da schießt sie entweder über's Ziel hinaus, oder giebt — durch Entstellung der alten nur eine scheinbar neue Lehre. Ein Hinausschießen übers Ziel, das 'Zuvielbeweisen zeigt sich in dem Gegensatz „Ange um Auge. Zahn um Zahn" der alten, mit der neuen Lehre „So dir Jemand einen Streich auf der rechten Backe giebt, dem biete die linke dar, so dir jemand den Rock nehmen will, dem laß auch den Mantel, so dich Jemand Eine Meile nötigt, geh mit ihm zwei " Eben so übertrieben ist die Verurteilung der Scheidung, die Bezeichnung der Heirath einer Geschiedenen als Ehebruch, das Verbot des Eides. — Alles Dinge, die nie und nirgends zur thatsächlichen Ausführung kamen. Jener Gegensatz von Zahn um Zahn und von der rechten und linken Backe hat zu allen Zeiten dazu herhallen müssen, um das Judentum als rachsüchtig, seine Lehre als Vergeltungstheorie, das Christentum dagegen als milde, als liebevoll, seine Lehre als die der Liebe, der Versöhnung und Verzeihung darzustellen. Aus der Geschichte freilich, der Staatenwie der Kirchengeschichte hat man das zu belegen nicht vermocht. (Schluß folgt.) Me Iudenpkünderung in Franken v. I. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. (Schluß.) Die Drohung, welche im Kreispatent vom 16. Mai und im Ausschreiben der bischöflichen Regierung vom 24. Mai ausgesprochen war, daß nötigen Falles „von gesummten Kreises wegen" militärisch eingeschritten werden würde, war kein leeres Wort. Dem ernsten Worte, als es keinen Erfolg hatte, folgte alsbald die ernste That. Mitte Mai hatten die Ausschreitungen ihren Anfang genommen, die erst Mitte Juni d. I. 1699 ihr Ende erreichten; aber schon Anfang Juni vereinigte sich eine Militärabteilung aus Nürnberg mit einer Militärabteilung aus -Bamberg zu einer S t r a f e x e c u t i o n unter Leitung und Commando des Oberstlieutenants Hans Georg von La uff er, der als bischöflicher Commiffarius die Untersuchungen leitete und das Strafgericht verhängte. Es war der rechte Mann am rechten Orte, ein Mann, ausgezeichnet ebensowohl durch von Humor gewürzte Bildung als durch unermüdliche Energie, der, wo es nötig schien, auch den Büttel des Corporals nicht schonte. Wie im Fluge eilte er mit seiner Strafexpedition von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf, nahm überall in öffentlicher Gemeindeversammlung die schärfsten Inquisitionen vor, zwang die Plünderer zur Herausgabe und Wiedererstattung der geraubten Beute an die jüdischen Eigentümer, legte in die Häuser der Schuldigen Einqnartirung und ließ die Rädelsführer und Schuldigen „erster Classe", wie er sich in feinem ausführlichen Berichte an den Fürstbischof ausdrückt, in Ketten gefesselt nach Schloß Giech oder nach Forchheim abführen und daselbst interniren. Während seiner Anwesenheit in Stadelhofen am 17. Juni kamen zwei Abgesandte aus dem benachbarten Königsfeld, um ihn zu fragen, mit welchem Rechte er ihre Commune mit Einquartirung belegt und einige derselben gefänglich einge-