Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1893)
- Date
- 1893-05-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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» 100 führung. Es erschien nur eine Probenummer (3. Oktober 1860.) Die Gemeinde in Frankfurt a. M. richtete nach dem Abgänge Steiu's ihr Augenmerk auf Meisel. Er lehnte aber die ihm augebotene Stelle ab. Durch einen Bericht über die sittlich-religiösen Zustände der Israeliten in Pest, zu dem er vom Statthalter Grafen Palffy veranlaßt und beauftragt wurde, zog er sich vielen Verdruß zu. Man behauptet er hätte die ungarischen Juden in den grellsten Farben geschildert und in der gefährdesten Weise besprochen. Schlagwörter wie Denunziation, Hierarchie wurden laut. Auch die Orthodoxen, die trotzdem, oder vielleicht gerade weil er ab und zu in ihrer Synagoge eine Deraschah hielt ihm nicht hold waren, wollten ihm etwas am Zeuge flicken. Sie griffen ihn am Magen an, und sprengten aus, daß er zur Tafel Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef zugezogen, auch daselbst gegessen hätte, währenddem er im Verein mit Herrn Rabbiner Hirsch — gegenwärtig in Hainburg — bloß wie sich heransstellte, Obst und Wein genossen, die dargereichten Speisen aber nur aus Höflichkeit auf den Teller gelegt habe, ohne sie zu berühren. Am 2. Juni 1866 hielt Herr Dr. Kohn im Tempel zu Budapest den ersten ungarischen Kanzelvortrag und wurde bald darauf einstimmig zum Prediger neben Meisel gewählt. Am 27. November hielt Meisel den, verstorbenen Prager Oberrabbiner Rappoport eine Gedächtnisrede. Am 30. November hielt er seine letzte Rede. Friede war sein letztes Wort. Kaum hat er die Kanzel verlassen, da wurde er von einem Schlagansall betroffen, er stammelte nur noch das Wort Kodausch „heilig". In der Vollkraft des Mannesalters, auf der Höhe seines Wirkens, in der Ausübung seines heiligen Berufes, nach einer Predigt beschloß er, der gefeierte Kanzelredner, zum Frieden mahnend ein an Kämpfen und Erfolgen reiches Leben. Am 2. December wurde Meisels entseelte Hülle zu Grabe getragen. Die Trauerfeier dauerte von 9 bis 2 Uhr. Es sprachen die Herren Dr. Kohn, Dr. Jellinek, M. Hirsch, Steinhardt, Dr. Trenenfels, Obercantor M. Friedmann und Herr Kovacs. Ein Jahr nach seinem Scheiden setzte ihm die Gemeinde ein würdiges Denkmal bei welcher Gelegenheit Herr Dr. Kohn eine Gedächtnisrede hielt. Unverwüstlich bleibt das Denkmal, das er sich selbst gesetzt durch seine Thaten und durch seine Werke. Deutsch und Jüdisch von Rechtsanwalt E NI i l Lehman n. «Fortsetzung.) So wenig die jüdischen Schriftsätze christlichen Theologen und Christen überhaupt, ja den Inden in ihrer Mehrzahl oder doch zu einem großen Teile bekannt sind, so wenig auch jüdisches Leben. Es klingt paradox, daß Inden ihr eigenes Leben nicht kennen sollen. Und dennoch ist dem so in dem Sinne, daß viele von ihnen nicht wissen, nicht wissen wolle», daß sie Juden sind, noch weniger warum sie — noch — Inden sind. Jüdisches Leben! Darunter verstehe ich nicht — was Vielen so erscheint — den koscheren Kochtopf und den Jargon, nicht die Sabbaihlampe und all die Festagsgebräuche. Jüdisches Leben ist Leben als Jude, eingedenk des noblesse oblige, des bikrowaj ekadesch, welches die Zugehörigkeit zu dem ältesten Märtyrerstamm der Erde auferlegt, Leben, Denken und Fühlen in Anlehnung, in Überein- #