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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-05-01 · Heft 5 (1.5.1893) · p. Seite 99

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 5 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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— 99 Vorstand in Stettin gab Meisel die angesuchte Entlassung nicht und darum blieb er in Stettin. Auch das Rabbinat Schwerin an der Warte wurde ihm angetragen ebenso kam Gleiwitz wieder auf ihn zurück, die Reformgemeinde in Berlin wollte ihm das Predigtamt übertragen, und auch wegen Uebernahme des Landesrabbineramtes von Mecklenburg-Strelitz stand man mit ihm in lebhafter Unterhandlung. In Stettin harrten seine neue Kämpfe. Entschieden sprach er sich dagegen aus, daß die jüdische Gemeinde ihre Synagoge einmal in der Woche für eine Stunde der freien christlichen Gemeinde zur Verfügung stelle, was er in einer besonderen Schrift beleuchtete (die jüdische Synagoge und die freie christliche Gemeinde Stettin 1850.) Er führt darin aus, daß er der natürlichen Religionsphilosophie nicht traue und macht die positive Theologie zur Notwendigkeit, er desavouiere diejenige Religion, deren Ursprung lediglich in der Selbstthätigkeit des Geistes beruht und bekennt sich frei zum Supernaturalismus. Meisel, der 1852 als Translator der hebräischen Sprache behördlich angestellt wurde, hatte auch Gelegenheit für die Rechte der Juden einzutreten. (Siehe den Aufsatz: die Emanzipation der Juden. Monita von A- Meisel „Wächter an der Ostsee" 366—372.) Er schreibt: Unsere Ethik ist um kein Jota ärmer als die christliche und bestände die Religion nur aus Moral und Sittenlehren, wir wären nicht weit auseinander, aber auch dann nicht weil wir Christen wären, sondern wie ich beweisen werde, weil das Evangelium seine ethischen Momente nur dem alten Testamente entlehnt hat. Das Dogma aber des Christentums und das ist die Conditio sine qua non die zum Christen macht — es wird kein Jude wagen, es anzutasten, es ist der Christenheit heilig und muß uns ehrwürdig erscheinen — bleibt den Monotheisten unbegreiflich, unannehmbar. Im Jahre 1847 erschien von ihm die Schrift „Prinz und Derwisch oder die Makamen Ibn Chasdais." Er arbeitete auch an dem „Prüfstein, Sittenspiegel des Kalonymos ben Kalonymos" der erst nach seinem Tode 1878 in Budapest erschien. Seine bedeutendste Leistung sind seine „Homilien über die Sprüche der Väter". Meisel bewarb sich um die Predigerstelle in Wien und hielt daselbst am 15. März 1856 eine Probepredigt. Aber die Stelle erhielt Herr Dr. Adolf Jellinek. Auch in Leipzig, wo Meisel gerne gewirkt hätte, wurde gegen ihn agitirt. Am 30. April 1859 hielt er in Budapest eine Probepredigt und wurde zum Oberrabbiner als Nachfolger des am 3. April 1857 verstorbenen Lob Schwab gewählt. Er verließ nicht ohne Wemuth die Stätte seiner langjährigen Wirksamkeit, reiste vor seinem Amtsantritte in Budapest nach seinem Geburtsorte Roth-Jannowitz und besuchte das Grab seines Vaters, nachdem ihm sein Freund H. Bohndörfer, auf sein Bedenken: „Ich bin befangen und weiß selbst nicht zu entscheiden, ob ich als Sohn das Grab meines Vaters besuchen oder als Rabbiner es unterlassen soll" zur Antwort gab: „Sie waren erst Sohn und wurden später erst Rabbiner." Am 11. August langte Meisel in Pest an. Ain 13. August hielt er seine Antrittsrede (die Bedingungen des Bundes- Antrittsrede gehalten im Cultustempel zu Pest. Pest R. Lampel 1859.) Am 6. September weihte er den neuen großen Tempel ein. (Die Himmelstochter und ihre Freier. Rede, gehalten bei der Einweihung des neuen Cultustempels der isr. Gemeinde zu Pest, am 6. September 1859. Pest, M. E. Löwy 1859.) Meisel sprach nach einer wohldurchdachten skizzirten Disposition, schrieb die Reden weder ganz nieder, noch improvisierte er. In Pest hielt er auch zweimal im Jahre halachische Vorträge. Ein von ihm gefaßter Plan eine Wochenschrift unter dem Titel „Carmel" herauszugeben kam nicht zur Aus- S"

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