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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-04-01 · Heft 4 (1.4.1893) · p. Seite 89

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 4 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 89 (sequence 17)
Language
German
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89 und litterarische Vergangenheit der Juden erwecken. Es ward eben verhängnisvoll, jene Vergangenheit zu ignorieren, beschämend, in dem um sie entbrannten Kampfe der elementarsten Informierung zu entraten. Die studentische Jugend, soweit sie sich beteiligt fühlte, um das nenerhobene Banner jüdischer Wissenschaft zu sammeln, und ihr durch Pflege derselben geistige Waffen an die Hand zu geben — das war die leitende Idee der Gründung des „akadem. Vereins." — Aber in dieser ihrer apologetischen Färbung blieb sie es nur während der ersten Semester. Die Studentenzeit gehört der stillen Vorbereitung auf Leben und Beruf; der Student hat also das schöne Vorrecht, überall zu prüfen und zu wägen, und sich seine Stellungnahme vorzubehalten. Mehr oder weniger bewußt gestaltete sich daher der Verein bald zu einer Stätte parteiloser, uninteressierter Geschichtsforschung um, die jede Rücksichtnahme auf die Streitfragen der Gegenwart ausschloß. Hier ward die Vergangenheit der Juden von ihren ersten Anfängen bis zur Schwelle der neuesten Zeit Gegenstand von nahezu 200 Vorträgen, beziehungsweise Diskussionen. Es konnte nicht fehlen, daß sich Mitgliedern und Güsten des so stark frequentierten Vereins das Dunkel immer mehr aufhellte, daß historische Wendepunkte und hervorragende Persönlichkeiten in deutliche Beleuchtung rückten, und daß der Wißbegierige nach und nach auch ein zusammenhängendes Bild jüdischer Geschichts- und Culturentwicklung in sich aufnahm. Eine kleine Bibliothek, und vor allem die Hilfebereitschaft bewährter Forscher kamen hierbei dem Verein vorzüglich zu Statten. Mit Dank nennnt er die Namen Dr. Joel Müller, Dr. A. Rosenzweig, Dr. Gust. Karpeles, Prof. Dr. Martin Philippson, sowie die verstorbenen Dr. I. H. Ritter, (Ehrenmitglied) und Dr. I. Egers. Ein besonderes Blatt in seinen Annalen gebührt aber dem erst jüngst verstorbenen Dr. David Cassel, als ältestem und eifrigsten Ehrenmitgliede des Vereins, der sein reiches Wissen gerne und oft in dessen Dienst gestellt. Fern also vom Getriebe des Parteikampfes trat der akademische Verein nur mit einigen Druckschriften an die Oeffentlichkeit. Wir erwähnen Dr. D. Cassels „Armenverwaltung im alten Israel" (Seperatabzug aus deni III. Semesterbericht 1887); I. H. Ritters „Mendelssohn und Lessing." 1886; A. Rosenzweig „Jerusalem und Caesarea." Auch sein lOjähriges Bestehen glaubte den Verein nicht würdiger als durch Ausgabe einer Festschrift feiern zu können, auf die wir die Leser dieser Blätter besonders aufmerksam machen.*) Sie enthält Dr. D. Cassels nachgelassene Studie „Sebnlon und Jsachar" und „Einiges über Samuel Usques Tröstungen Israels" von Dir. Jul. Steinschneider, und ist mit einen« Portrait D. Cassels geschmückt. Die beigegebene Chronik giebt das getreueste Bild des inneren Lebens und Wirkens des Vereins, und gereicht demselben zum dauernden Ehrenzeugnis. Aus den Personal-Nachrichten entnimmt man, daß eine große Anzahl „Alter Herren", die sich auch zu einem besonderen Verbände konstituirt haben, mit akademischen Würden geschmückt ist, und sich zum Teil in angesehenen Lebensstellungen befindet. Ihre stattliche Reihe repräsentirt die Tradition des Vereins, auf die der junge Nachtvuchs mit Stolz blickt, und der sich würdig anzuschließen er bestrebt ist. Hierin aber liegt die beste Gewähr für seine Zukunft. Durchdrungen von der Liebe zu seiner Wissenschaft, die auf dem Boden studentischen Frohsinns und brüderlicher Geselligkeit nur um so schöner erblüht, wird der Verein feine Pforten stets allen Fakultäten und Bekenntnissen offen halten, und *) Verlag des Bibliographische» Instituts-Berlin. 8

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