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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-04-01 · Heft 4 (1.4.1893) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 4 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 R Jose ben Jehuda verschärft noch diese Angabe dadurch, daß der Proselyt auch der geringsten Vorschrift der Gesetzeslchrer seine Anerkennung nicht versagen darf?) Unterstützt wurde dieser Ausspruch durch die Äußerungen der anderen Gesetzeslehrer. Wir bringen von denselben die von R. Chelbo: „Schwer sind die Proselyten den Israeliten wie ein Geschwulstaussatz," denn es heißt: „Und es schließt ihnen der Fremde sich an und sie werden dem Hause Jakob angefügt. "(Jesaia 14. l.)ä) Der Prosesyt wird hier als ein krankhafter Aussatz an dem israelitischen Gemeinde körper betrachtet. Noch schärfer spricht sich der Lehrer R Jizchak aus: „Unglück auf Unglück treffe diejenigen, welche Proselyten (ins Judentum) aufnehmen") Weßhalb werden die Proselyten von Leiden heimgesucht? Abba Chaman antwortet darauf im Namen des R. Eleasar: „Weil sie nicht aus Liebe, sondern aus Furcht das Gesetz vollziehen.") So verweigerte R. Chija einer Frau von bescholtenein Rufe die Aufnahme ins Judentum?) Diejenigen Proselyten, die nicht ausgenommen waren und sich dennoch für jüdische Proselyten hielten und nach den Bestimmungen des jüdischen Bekenntnisses zu leben sich gelobten, wurden zum Unterschiede von den anfgenommenen Proselyten „Anschlußproselyten" oder „Nachschleppende" genannt?) Man machte sich über bereit Wankelmut in der Gesetzesbeobachtung lustig. „In der Zukunft", sprach R. Jose, „kommen die Völker und wollen als Proselyten ausgenommen werden. Sie legen Tephillin an Kopf und Hand, tragen Schanfäden an ihren Gewändern, haben Mesusoth an ihren Thürpfosten Aber kaum sehen sie Gog und Magog zum Kampf gegen Israel und seinen Messias heranziehen, lösen sie das Band des Gesetzes und ziehen davon."") Im Gegensatz zu den Aussprüchen der Lehrer des 2. Jahrh. des R. Meir, daß ein Heide, der sich mit der Thora beschäftigt, gleich dem Hohenpriester zu achten sei?) lehrten die Lehrer des dritten Jahrhunderts, als z. B. R. Jochanan: „Ein Heide, der sich mit der Thora beschäftigt verdient den Tod"?); ferner R. Simon ben Lakisch. „Ein Heide, der den Sabbath beobachtet verwirkt sein Leben," denn es heißt: „Tag und Nacht sollen sie nicht aufhören."") Es waren dies Proteste gegen jede Halbheit im Proselytenwesen, die aus Furcht, dieselbe werde zur Bildung neuer Sekten im Judentum führen, hervorgerufen wurden. In diesem Sinne war noch ein anderer Atlsspruch des schon genanten Lehrers R. Jochanan: „Ein Beisaßproselyt, Halbproselyt, der sich nicht in zwölf Monaten der Circumsision unterzieht ist gleich einem Sektirer, „Min," unter den Völkern zu halten".") Endlich war es der Lehrer R. Simon ben Eleasar, der ein für allemal bestimmte: Ein Beisaßproselyt hat im Judentume gegenwärtig, da es keine Jobeljahresfeier giebt, keine Stätte mehr."12) So lehrte man später: „Man nehme keinen Halbproselyten, Beisaßproselyten auf, bis er die Vollziehung aller Gebote in der Thora auf sich genommen."13) Doch gab es auch trotzdem noch immer Lehrer, die wohlwollend für die Proselyten eintraten? So sprach R. Jochanan (im 3. Jahrh.): „Mit der linken Hand stoße den Proselyten von dir, aber mit der rechten Hand nähere ihn dir!"") Ein Anderer, Simon ben Lakisch lehrte, daß (mit Bezug auf Hiob 21. 32.) der Proselyt werthvoller vor Gott ist, als das vor Sinai versammelte Israel, denn l) Tosephta Demai 2. 5; Sifra zu 3. M. 19. 34. * 2) Jebamoth 8. 47b. und Nidda S. 13b. 3) Daselbst S. l()9b. 4) Daselbst S. 47. 5 *) Menachoth S. 44a. ü) Aboda sara. S. 3b. und 24a 7) Daselbst. Wer denkt dabei nicht an Barkochba. dem sich viele Heiden anschlossen und sich zu dem jüdischen Glauben bekannten? Unleugbar ist dies eine Anspielung auf die Treulosigkeit derselben. 8) Sanhedrin S. 58. ö) Daselbst. 10) Daselbst. ") Aboda Sara S. 65a. 12) Eraeliin S. 29a. ia) Jerusalmi Jebamoth S. 8 d. ") Midrasch rabba 2. M. Absch. 13.

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