Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-04-01 · Heft 4 (1.4.1893) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 4 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969800--3824-2973379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

82 Mit seinem Trinitätsglauben konnte sich der Heiden Vielgötterei eher befreunden; das Politische und das Soziale schloß es aus seinen Lehren aus. Mit seinen Sätzen: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!" und: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!" sprach es diese Trennung des Sozialen und Politischen von seiner Heilsstiftung aus. Aber nicht so das Judentum. Hierzu kam, daß die Bekehrungen zum Judentum, die stattgesnnden, nicht von der erforderlichen Gesetzestreue begleitet'waren. Viele wollten nur als jüdische Gottesfürchtige, Gottesverehrer gelten, d. h. den jüdischen Gottesglauben allein für sich als verpflichtend anerkennen und so unter sich eine neue jüdische Glaubensgemeinschaft innnerhalb des Judentums sein. Diese „Gottesfürchtige»," oder „Gottesverehrer", von denen Josephus/) und die Apostelgeschichte^) sprechen, nahmen die jüdische Gottesverehrung an, besuchten die Synagogen und beschränkten sich in der Beobachtung des Gesetzes auf gewisse Hauptpunkte. Zu diesen Hauptgesetzen gehörten auch die bereits zitirten Stellen dessJosephus, Juvenal u. a. m?) Das hat eine Enttäuschung bei den Volks- und Gesetzeslehrern hervorgerufen, sie erscheinen ihnen als eine neue Sekte, die sich ein neues, ihnen bequemes Judentum zusamnienstellte und welches die Einheit des jüdischen Volkes und die Aufrechterhaltung des jüdischen Glaubens zu beeinträchtigen drohte. Hatten doch die Juden kaum durch das Ausscheiden des Christentums und vas Erlöschen vieler anderer Sekten die Einheit ' wieder genommen. Es machte sich daher eine Reaktion gegen das Proselytenwesen geltend. Scho» in den früheren Jahrhunderten waren die bedeutenden Volks-k und Gesetzeslehrer Saniai und später Elieser u. a. m. dem Proselytenwesen abhold; sie wiesen sämmtliche Proselyten zurück, die aus irgend einer weltlichen Absicht in's Judentum aufgenommen sein wollten. Aber ihre Gegenäußerungen kamen nicht zur Geltung, sie wurden von den Lehren und Angaben Hillels I. und von dessen Jüngern nach ihm verdrängt. Erst im 3. Jahrhundert ermannte man sich, um die Aufnahme des Proselyten zu erschweren und zu beschränken. Man musterte das ganze Proselyteinvesen, gewahrte darunter mehrere Klassen von Proselyten, die streng von einander geschieden wurden, und beschloß, nur die Klasse derselben aufzunehmen, welche ans wirklichem Herzensdrange das Judentum aufsuchte und seine sämmtliche» Lehren und Gesetze als für sich bindend anerkannte. Die bezeichnet«« Proselytenklassen waren: 1) Die Proselyten aus Furcht, gleich den heidnischen Colonisten in Samaria, die aus Furcht vor den sich ansammelnden Löwen (2 K. 17. 24.) den israelitischen Gottesglauben annahmen und so spottweise „Löwenproselyten" hießen; 2) Proselyten wegen Träume, die von Träumen geäugstigt das Judentum aufsuchten; 3) .Die Proselyten wegen der königlichen Tafel, als z. B. die in den Tagen' Davids und Salomos; 4) Die Proselyten Mordechais;Z 5) Proselyten als Diener des Königs Salomo,; 6) Proselyten wegen einer Frau; 7) Proselytinnen wegen eines Mannes, u. a. m.^) Ferner die im Pentateuch vorkommenden: 8) Proselyten am Thore, oder Einsassproselyten 9) Proselyten aus Liebe zur Religion, und 10) Proselyten der Gerechtigkeit, welche sich zum Judentum mit seinem ganzen Gesetz bekennen. Die gesetzliche Norm über dieselben stellte R. Nehemia lim 3. Jahrh) auf: „Die Löwenproselyten, die Traumproselyten u. a. m. sind keine Proselyten, wenn sie nicht nach deNiBestimmungen von jetzt ms Judentum eintreten."“) Sein Zeitgenosse, >) Joseph. Antt. XIV. 7. 2. 2) Apostelgeschichte 10. 2.-22; 13. 10. 26. ->) Bergt. Josephus contra Apioncm II. 39. und Tertullian ad natinones I. 13. Juvenal, Sat. XIV. 96—106. 4) Bergt. Ester 8. ") Jebamoth 8. 24. ®) Daselbst.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.