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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-04-01 · Heft 4 (1.4.1893) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 4 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 Inhalt und Form eines modernen Gottesdienstes gerade im abgelaufenen Jahre so vielfach im Mendelssohn-Vereine verhandelt, daß es wohl genügt heute, darauf hingewiesen zu haben. Meine Herren! Vor einem Jahrhundert schon hat uns Mendelssohn auf den Weg der deutschen Cultur geführt. Wir sollen und wollen auf dem Wege, den er uns gezeigt fortschreiten und das Judentum in Einklang bringen mit unserem modernen Denken und Empfinden. Wir dürfen nicht müde werden den Weg, den wir eingeschlagen, fortzuwandlen, dürfen nicht müde werden gegen Alles Niedrige und Genieine zu Felde zu ziehen, wenn auch die Lüge sich überall breit macht, die Gemeinden in einem beklagenswerthen Rückschritte sich befinden und das Verständnis für die Reformbestrebungen völlig verloren haben. Das Judentum muß wieder den niessianischen Königsmantel anlegen und sein Licht weit hinausstrahlen lassen über die Gefilde der Menschheit. Pflegen wir darum mit mehr Eifer die Ideen unseres Vereins, lassen wir ihn nicht verkümmern, pflegen wir ihn, durch Entfaltung edlen Wirkens und wir werden an unserem Teile das unsere dazu beigetragen haben, die Ziele der Reformbestrebungen innerhalb des Judentums zu fördern. Kleine Weden. Von Dr. Ad. Jellinek. - (Nachdruck verboten.) V. Die Liebe des Patriarchen Jakob. Rede, gehalten am 26. November 1892 (Sabbat Wajoze.) Von der Liebe des Patriarchen Jakob zu Rahel, von der Liebe des Mannes zum Weibe erzählt der heutige Thora-Abschnitt. Entspricht diese Erzählung der Heiligkeit, der Würde und dem tiefen Ernste der Thora? Verdient sie einen wichtigen Platz in einem Buche einzunehmen, das Regel und Richtschnur des Lebens sein soll? Wer das Judentum kennt, wird diese Frage bejahen. Denn dasselbe preist nicht die klösterliche Abgeschiedenheit, die-beschauliche Einsamkeit oder die Ehelosigkeit, sondern will, daß der Mensch mit seinen Nebenmenschen zusammenlebe, in der Familie lebe, glücklich lebe und seines Lebens sich freue. „Die Himmel sind Gottes," ruft der Psalmist aus, „die Erde aber hat er dem Menschen gegeben," daß er auf derselben sich heimisch fühle, und ihren erfrischenden Lebenshauch einathme. „Nicht die Toten," fährt der Psalmist sort, „preisen Gott, und nicht die Bewohner der Grabesstille;" nicht diejenigen verehren Gott, die sich abhärmen und abtöten oder in deren Wohnungen Grabesstille herrscht, sondern die ringen und kämpfen, und aus dem manigfachen Kämpfen als gottgefällige Sieger hervorgehen. Wie lautet das erste Gebot der Thora? Gründet Familien und verbindet euch in Liebe und Treue. Der Liebe des Mannes zu dem Weibe entlehnen die Propheten anschauliche und anmutige Bilder. Tröstend und ermunternd ruft ein Prophet dem Volke zu! Gott wird sich mit euch freuen, wie der Bräutigam mit der Braut sich freut. Wollt ihr die Freude Gottes an Israel kennen lernen, so blicket Braut und Bräutigam in's Auge, in das freudestrahlende Auge. In rührenden Klängen spricht ein anderer Prophet im Namen Gottes zu Israel: „Ich gedenke dir die Huld deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes, als du mir nachzogst in der Wüste." Aber nicht blos einzelne prophetische Bilder sind dem Bilde der Liebe des Mannes zum Weibe entnommen,

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