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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-03-01 · Heft 3 (1.3.1893) · p. Seite 69

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 3 (1.3.1893)
Date
1893-03-01
Page
Seite 69 (sequence 21)
Language
German
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69 Haut- oder anderer Gewebssysteme, wie: Lupus, Lymphdrüsenschwellungen, die verschiedenen durch Verätzung entstehenden Veränderungen der Speiseröhre rc. behandeln die genannten Aerzte bereits seit längerer Zeit mit Jnjectionen von Thiosinamin. Die Heilerfolge versprechen weitere glänzende Resultate. Redner hob hervor, daß das Thiosinamin kein schwer zu gewinnendes Heilmittel wie dys Koch'sche Tuberkulin, sondern eine chemisch genau difinirte, leicht darstellbare Substanz sei, deren Wirkung eine gleichniäßige, das Gesammtbefinden des Patienten nicht trübende sei. — Die „Neuen Tyroler Stimmen" ein episcopales Blatt verurteilen den Antisemitismus und schreibe», daß er große Gefahren für die Kirche in sich berge. — Die Vorlage über die Rezeption der israelitischen Religion in Ungarn ist vom König Franz Josef genehmigt. Sie enthält drei Punkte. In« ersten Paragraph wird die israelitische Religion gesetzlich anerkannt; der zweite bestimmt, daß die Gesetze, welche den Uebertritt regeln, auf die israelitische Religion ausgedehnt werden; durch den dritten wird mit Durchführung des Gesetzes das Ministerium betraut. — Man schreibt uns aus Ungarn. Für die Leser der „Monatsblätter" dürfte es gewiß von nicht geringem Interesse sein, mit welcher Spannung die Judenheit Ungarns der nächsten Zeit entgegensieht. Am 27. Dez. v. Jahres sind es 25 Jahre geworden, daß wir staatsbürgerliche Gleichheit erhielten, unsere Religion aber ist bis nun „geduldet" blos, was wir oft genug schmerzlich empfinden. Ganz besonders war dies der Fall unter der vor einigen Wochen — Gott sei Lob — zurückgetretenen Regierung und soll es nunmehr mit der Ernennung des hochverdienten und biederen Finauzministers Wekerle zum Ministerpräsidenten anders werden. In seinem Programme stehen in vordester Reihe Einführung der obligatorischen Zivilehe und Gleichstellung des Judentumes mit den übrigen Bekennntnissen. In seiner Neujahrsrede hat Wekerle entschieden erklärt sein Portfeuille an das Gelingen dieses Programmes zu binden. Gleichzeitig aber entwickelt die katholische Geistlichkeit eine ungeahnte Thätigkeit und die Kanzel wird und wurde bereits an vielen Orten zur Fanatasirung der Menge benutzt. Großes Aufsehen erregt ein Hirtenbrief des Rojenauer Bischofs Schöpper der es deutlich verrät, daß die Kirche »och immer ein Staat im Staate ist. Bis heute verlautet noch nichts über Gegenbewegnngen von liberaler Seite, wird aber von der Tagespresse dringend gefordert. Die nächsten Wochen werden uns belehren darüber, ob der Liberalisnius bei uns mehr als bloße Spiegelfechterei ist. Tröstlich ist es jedenfalls, daß unsere Gleichberechtigung weniger Widerstand begegnet, wiewohl es sicherlich daran nicht fehlen wird. — Wie uns mitgeteilt wird, ist Herr I. Singer in Paris, der durch feine Schriften zur Judenfrage bekannte Direktor der „Allgi Encyclopädie des Judentums" von dem Cabinetschef des französischen Ministerpräsidenten, Herrn Croizier in Audienz empfangen worden, um ihm seinen Plan bezüglich der Bekämpfung des Antisemitismus in Frankreich vorzulegen. — Man kündigt das Erscheinen eines neue» Antisemitenblattes „La Delivrance" unter Marquis Moros Leitung in Paris an. — Die Antisemiten riefen in Lyon jüngst Unruhen vor der Synagoge hervor, wobei es zu Zusammenstößen kam. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. — Man berichtet uns aus Paris: Die „Revue de deux mondes“ vom 15. December enthält den 4. Artikel über die „Juden und den Antisemitismus," von dem Professor der Nationalökonomie Anatole Leroy Seaulin. Dieser Artikel behandelt „den Geist und das Genie der Juden".

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