Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1893)
- Date
- 1893-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Menschen ist es, die ihm verliehenen Gaben zn entwickeln, das göttliche Ebenbild immer mehr herauszuarbeiten, Race und Stamm, die Naturprodukte sind, zu überwinden, in seiner ganzen Machtfülle zu glänzen. Wer daher immer die Rare oder den Stamm im Munde führt, ist nimniermehr ein Bekenner des einzigen Gottes, sondern der Verehrer einer Naceu- oder Stanimesgottheit. Ein einheitliches Ganze ist das Weltall, die zahlreichen Geschöpfe desselben haben viele Stoffe uud Lebeuselemeute gemeinsam mit einander, stehen in einem gewissen verwandtschaftlichen Verhältnisse zn einander. Wir dürfen daher keine Pflanze mutwillig mit Füßen treten, kein Tier übermütig mißbrauchen und quälen. „Wie zahlreich sind deine Werke, Gott," ruft der Psalmist ans, „sie alle hast du mit Weisheit geschaffen." Wir lesen »veiler im ersten Buche der Thora, und finden bald die Erzählung von dem Geschlechts der Stints lut. Es »var verderbt und sittlich verkommen, gewalttätig und zuchtlos, ohne Scheu vor der Wahrheit, welche vom Talmud „das Siegel Gottes" genannt wird. Dieses Geschlecht ging zu Grunde und so lehrt uns unser erstes Buch, daß der Mittelpunkt der wahren Religion, die sittliche Lebensvollenduug ist, ohne »velche der Einzelne, wie die Gesammtheit, Völker und Staaten, untergehen. Nicht Gebete, Opfer und äußere Formen bilden die erhaltende und belebende Sonne des reinen Glaubens, sondern das strahlende Licht des Sittengesetzes. Weißt du, ruft der Prophet aus, was Gott von dir verlangt? Du sollst Gerechtigkeit üben, keinem Wesen ein Unrecht zufügen, Liebe betätigen, jeden Haß und jeden Groll aus deinem Herzen bannen, demütig »vandeln vor deinem Gotte, dich nicht an seine Stelle setzen und dünkelhaft überheben. Die Völkergeschichte bestätigt diese Lehre Rom »var längst sittlich verkommen und dadurch schivach und matt, bevor es eine Beute der Barbaren wurde. Darum muß das Herz eines jeden Oesterreichers tief bekümmert sein, »venn er das verwerfliche Treiben einer Partei in unserer Stadt sieht. Wohl zieht jetzt eine sittenverderbende Pest durch fast ganz Europa, welche besonders die Bekenner des einen Gottes bedroht, allein nirgends erscheint sie so abschreckend, verderbeuschwanger und verheerend wie in der Residenz Oesterreichs. Nichts bleibt von ihr verschont, alle bösen Geister der Lüge, des Hasses, der Verleumdung, der Verfolgung nimmt sie in ihren Dienst und streut die giftigen Keime des Unheils aus. Bald wird man die Lienienwälle unserer Residenz niederreißen; wer aber errichtet hohe und starke Wälle und Dämme gegen die verheerenden Fluthen einer Partei, welche den oesterreichischen Namen und die oesterreichische Hauptstadt schädigt und schändet? Wie »vird die Zukunft unseres teueren Vaterlandes sich gestalten, »velches wird sein Los sein, »venu nicht eine mächtige Hand diese verwilderten Menschen zähmen, zügeln und züchtigen »vird? Wir lesen endlich in unserem Buche die Geschichte der Patriarchen, eine Familiengeschichte, und diese bildet einen wichtigen Bestandteil der Einleitung zum Judeutun» und des Religionsgebäudes des israelitischen Volkes. In der Familie erhebt sich die Vorschule der Fröminigkeit uud Sittlichkeit. Dort lernt der Mensch zuerst die Selbstsucht unterdrücken, Hingebung, Verzichtleistung auf Luft und Vergnügen, Befriedigung und Freudigkeit durch Opfer für Andere. Dort entwickelt sich und erstarkt das heilige Gefühl der Liebe in der Menschenbrust. Dort sieht das Heranwachsende Kind die mütterliche Selbstverleugnung, die väterliche Thätigkeit für die Seinen, die geschlvisterliche Innigkeit, den Wetteifer, Andere zu erfreuen und wann, fragen »vir, erscheint die Familie in ihrem