Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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in unserer Gemeinde: der genau vor 25 Jahren hier^) begrabene Salomon Juda Raphoport, der hier genau vor 9t Jahren^) geborene Zacharias Frankel und der Verehrer und Freund dieser Beiden Saul Jsak Kaempf. Sie heilten die Wunden, bedeckten die Blößen unseres Volkes indem sie Wissenschaft und Glauben, Formenschönheit der Darstellung mit Gedankenfülle verbanden. Sie ließen den arischen Formensinn in die Gotteszelte der Semiten einziehen und vollendeten damit die Sendung zweier Stämme, die zur Liebe und zum Frieden miteinander geschaffen sind. Es war der Stolz des geliebten Todten, den wir betrauern, daß er, der treffliche Kanzelredner und Talmndgelehrte zugleich Universitätsprofessor war, es darf aber auch unser Stolz sein, daß an diesem Sarge neben der ältesten Synagoge unseres Vaterlandes, der Altschule, die älteste Hochschule Mitteleuropas als Leidtragende erschienen ist. Das ist das Bild des edlen Verklärten, wie es in der letzten Stunde der Trennung vor unserem Geist in voller Klarheit und Wahrheit aufsteigt. Wenn wir jedoch, die wir den großen Mann, welchen wir nun beweinen, täglich sahen und hörten, so weit Menschenschwäche au seine große Seele heranlangen konnte, namentlich in den letzten Jahren an ihm das Schwächerwerden seines großen Geistes gemerkt, die Wunden gesehen haben, welche die allmächtige Hand des Alters geschlagen, wenn bei aller Verehrung, die wir Jemand von uns entgegenbrachten, bei aller Anerkennung DeinerGröße, die noch späte Geschlechter an Deinen Werken anstäuilen werden, Dich, geliebter Todter gekränkt haben sollten; wenn wir je mit einem gesprochene» oder geschriebenen Wort, mit einer That, einer Miene Deinem so edlen Gemüte einen Schmerz bereitet haben, so bitten wir Dich im letzten Anblicke Deines Sarges aus tiefstem Herzen um Vergebung. Dein verkärter Geist, der nun unter den Fittigen des Allmächtigen in dessen Seligkeit weilt, vergibt uns gewiß, denn Du weißt es ja, daß die Hvchschätzung und Verehrung Deiner seltenen Gaben nie aus unserem Sinne gewichen ist und unjer letzter Gedanke, unser letztes Gelöbnis in dieser ernsten und weihevollen Stunde es ist, in Deinem Geiste zu wirken, Deinen Spuren zu folgen, Deine Lehren zu beherzigen. Das Denkmal des Frommen ist sein Segen! So wird Dir denn in der hiesigen Gemeinde durch den Segen, den Du während fast eines halben Jahrhunderts durch Wort und That gespendet hast, in unseren Herzen ein Denkmal bestehen und bleiben, dauernder denn Marmor und Erz und dieses Denkmal wird für uns wieder segenspendend sein. Deutsch und Jüdisch von Rechtsainvalt Emil Lehman n. (Fortsetzung.) Wer den Talmud nur von dieser haggadistischen Seite her kennt — und grade dieser Teil ist der bekanntere, denn er ist durch Herder in den deutschen, ja in den Welt-Schriftschatz eingeführt, er ist in jüdischen Kreisen durch Sachs und Veit: Stimmen vom Jordan und Euphrat in edler Form zugänglich ge- 2) Auch am 18. Oktober — 1867. Die Leichenreden hielten die Prediger Horowitz und Jelinek aus Wien, da die damalige Prager snnela sininlicitas keine Leichenrede am Chol ha-tno6d gestattete. 3) Auch am 18. Oktober 1801.