Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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32 nicht unnütz getötet werden." Solche Sätze des vielgelästerten Talmud müssen die Antisemiten für überschwängliche Gefühlsschwärmerei Hallen, und doch verlästern sie ihn fort und fort, als hart, lieblos und feindselig. Allen Ernstes ventilirt eine antisemitische Zeitung, die sich trotz ihres ausgeprägt parteiischen Charakters, nicht genirt am Kopfe das Epitheton „Zeitung für unparteiische Politik" zil tragen, die in Berlin erscheinende „Tägliche Rundschau", die Frage der Rückbildung des Vaterlandes über den Wust der Humanitätsgedanken des Jahrhunderts hinweg zum antiken, ausschließenden nationalen Gedanken. Die chinesische Mauer scheint das Ideal des Redakteurs Dr. Friedrich Lange zu sein. „Ein Schnitt am Judentum muß gemacht werden" ruft er mit viel Behagen und wenig Gefühl aus. Das Kapital der Juden hat's ihm angethan; er ist ein Socialdemokrat blos in Bezug auf das jüdische Kapital. Er schlägt Lärm und ruft Zeter und Mordio über die Berliner Juden. Seine famose Gleichung lautet: Jude-Geld, Geld-Macht, ergo muß den Juden die Macht entzogen werden. Der Socialdemokrat voni reinsten Wasser, der nicht heuchelt und die Kunst der Tartüffe auf politischen: Gebiete übt, zieht wenigstens ehrlich gegen alles Kapital ins Feld; des ehrlichen Socialdemokraten Gleichung lautet: der Feind ist das Kapital, Kapital gleich Macht, folglich muß diese Macht gebrochen werden Aber die Augen verdrehen und einfältigen Lesern einreden wollen, -1/2 Million Juden repräsentirten den Reichtum aller 49 Millionen Bewohner des Reiches, inclusive des immensen Grundbesitzes und aller industriellen Besitztümer — das ist Flunkerei. Mit dem Stichwort Nationalbewußtsein, nationaler Gedanke, wird überhaupt wie in den „Grenzboten" so auch in der „Täglichen Rundschau", zwei an der Spitze des Antisemitismus marschierenden Blättern mit vornehmer wissenschaftlicher Tünche viel geflunkert. Gewiß kann der nationale Gedanke, vernünftig gefaßt, für patriotische und ideale Bestrebungen, Grundlage und Rückgrat geben. Doch mit Ausweisung und Abschließung, mit Bestialität und Jnhnmanitüt ist noch nie ein edles Werk vollbracht worden. Als Rom stolz geworden und der Römer mit Verachtung auf jeden Ausländer blickend ronnuius sinn rief, da begann der Verfall. — (Schluß folgt.) Der alte Wurschtin und sein Enkel. von Leopold von Sacher-Masoch. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Sag mir, Nathanle," fragte Bnrschtin an dem Tage, wo sie zur Synagoge gingen, seinen Enkel, „wie hast du das eigentlich gemacht mit dem Massik?" „Sehr einfach, Großvater," erwiderte der Kleine, „ich habe ihm einen großen Igel in die Stube gesetzt in der dritten Nacht, und nachdem er das Geld herausgegeben hatte, habe ich den Igel wieder niitgenommen." Eine rein persönliche Differenz hatte Nathanle mit Salomon Nathansohn, einem reichen Manne, der zu gleicher Zeit Hypochonder war. Nathansohn erwischte ihn einmal, als er sich in seinem Garte» ein paar schöne Aepfel holte und spritzte ihn mit seiner Gartenspritze tiichtig an. Das konnte Nathanle nicht so ruhig hinnehmen. An einem heißen Soinmernachmittag schlief Salomon Nathanjohn in seinem Garten in der Laube, die an dem lebenden Zaune stand. Da lugten Plötzlich zwei Köpfe über den Zaun herüber, der alte Bnrschtin und