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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-02-01 · Heft 2 (1.2.1893) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 2 (1.2.1893)
Date
1893-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 Artikelschreiber oder antisemitischer Redner zu fabeln. Er kaufe sich in einer beliebigen Buchhandlung den deutsch geschriebenen Katechismus, welchen die israelitischen Schüler bei ihrem Religionsunterrichte benutzen und schlage nicht Lärm um Nichts und schreie nicht gewissenlos in die Welt hinein, eine Lehre sei verdächtig, weil er sie nicht kennt. Jedes Religionsbuch wird ihn belehren, daß der jüdischen Jugend in den sittlich lautersten Lehren die Pflichten gegen Gott und gegen die Nebenmenschen, der hohe Wert der Tugend und die Schädlichkeit ihrer Feindinnen, der Selbstsucht, Habsucht, Wollust, Ehrgier tief eingeprägt werden. Jedes der zahlreichen Religionsbücher lehrt Zufriedenheit, Mäßigung, Friedensliebe, Enthaltsamkeit, Sittlichkeit, Genügsamkeit, Sanftmut, Reinlichkeit,. Sparsamkeit, Gewissenhaftigkeit. Redlichkeit und Wahrhaftigkeit und warnt vor Unzufriedenheit, Schwelgerei, Rachsucht, Unkeuschheit, Müßiggang, Gewinnsucht, Neid, Geiz, Schadenfreude und Unredlichkeit. Ganz besonders wird die Nächstenliebe hervorgehoben, die auf alle Menschen ohne Unterschied der Religion, der Rasse oder Klasse Anwendung finden muß. Da Gott der Vater aller Menschen und Alle Kinder eines Vaters sind, so müssen sich auch alle Menschen ohne Unterschied brüderlich lieben. Die Nächstenliebe ist uns sowohl Gebot der Vernunft, weil wir Menschenkinder alle von einem Gott erschaffen worden sind — auch, nach der Schrift, von einem Elternpaare abstanimen, — als auch heiliges Gebot der Lehre Mosis, die uns zuruft:Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Diese Lehre nennt einer der größten Talmudlehrer, Rabbi Akiba einen Hauptgrundsatz der Thora. In den von dem Unterzeichneten verfaßten Lehrbüchern für die Unterstufe und die Oberstufe (Gymnasium, höhere Töchterschule) befindet sich in dem Abschnitte von der Nächstenliebe die Anmerkung: Die Menschen sind Brüder, Brüder müssen sich lieben, nicht blos sich d u l d e n. L i e b e zu den Nebenmenschen und nicht blos Duldsamkeit (Toleranz) fordert unsere Religion; denn Duldsamkeit ist nur Unterdrückung des Hasses (negativ), die heilige Schrift spricht aber (positiv) von Liebe zum Nebenmenschen, zum Fremden u. s. w. Die bloße Duldung entspricht nicht dem Ideal der israelitischen Ethik, sie kann höchstens als Uebergangsstufe empfohlen tverden, gewissermaßen als Behelf oder Mittel für lieblose Naturen. Insofern nämlich der Haß, auch der im Herzen verborgene (3 B. M. 19, 17) unerlaubt ist und als Ausfluß der Selbstsucht und heidnischen Abschließung unterdrückt werden muß, ist die Duldsamkeit als Vorstufe zur Menschenverbrüderung zu empfehlen, aber die Religion weist auf Gott hin, der die Liebe ist, der alle Menschen liebt, nicht blos duldet. Unduldsamkeit vollends ist mit Religiosität durchaus unvereinbar, Fanatismus widerstrebt der Menschenliebe dem höchsten Ziel der Religion. — In demselben Geiste und Sinne sind auch die meisten Sätze der t a l m u d i s ch e n Ethik gehalten, und weil auf der biblischen fußend, auch maßgebend: „Thue deinem Nächsten nichts, was du nicht willst, das man dir thue, das ist kurz der Inbegriff der jüdischen Sittenlehre." „Sorge ich nicht für mich, wer wird es sonst, sorge ich nur für mich, was bin ich?" „Beurteile jeden Menschen mit Billigkeit." „Besser in einen glühenden Ofen steigen, als seinen Nächsten öffentlich beschämen." Wer seinen Nebenmenschen öffentlich beschämt, ist anzusehen, als hätte er Blut vergossen." „Die Ehre deines Nächsten sei dir so wert, wie die deinige, das Vermögen deines Nächsten so theuer, wie das deine." „Wer sein Haus niit anderer Beute und Gut baut, der sammelt Steine zu seinem Grabe." „Komme Jedermann, auch dem Feinde mit dem Gruße zuvor." „Wer Gott liebt, liebt auch seine Geschöpfe". „Auch der kleinste Wurm darf

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