Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-02-01 · Heft 2 (1.2.1893) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 2 (1.2.1893)
Date
1893-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969795-2969798--3770-2973323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 Schein zu einer Anklage Bieten, die das Opfer der Bosheit in namenloses Elend stürzt. „Ich bin krank am Hasse" sagt der Anstifter und der bezahlte Helfershelfer meint: „Nicht ehrlich Herr, aber so verdeckt, daß nichts Unehrliches an mir erscheine» soll." So gehen sie frisch an's Werk und schmieden Ränke und brüten Tücke und legen ihrem Opfer ein feingesponnenes Netz, in dem es sich sicher verstricken muß. — Der Geistliche vor dem die Verleumdete im Brautschleier steht, und der statt Liebesschwüre, statt des „Ja" ihres Bräutigams nur von falscher Treue und der Glut ihrer üppigen Sündhaftigkeit hört, nur Anklage, Verwirrung, Hohn und Lieblosigkeit wahrnimmt, durchschaut das Gaukelwerk, ist von ihrer Unschuld fest überzeugt und rät zu dem Mittel, das schließlich jede Wunde heilt. Die Zeit heilt auch die Krankheit, die sie gebiert. „Sprengt die Sage aus, sie sei tobt, haltet sie eine Zeit lang verborgen. Die ruhige Besinnung wandelt Schmähung in Mitleid. Sie findet wieder Mitgefühl, Entschuldigung, denn so geht es stets, was Einer hat, das schätzet er nie nach Wert, weil er's genießt, doch schwindet es hinweg dann schätzet er den Wert dann findet er die Tugend." So unschuldig verleumdet wird die Bath-Zion, die Tochter Zions. Der Bruder, der Sohn desselben Vaters, verleumdet, verlästert aus Lust und Gefallen am Bösen, Rohen und Niedrigen, aus Neid und Bosheit, aus Fanatismus und Eiugemiutz ihre Sitten, ihre Tugend, ihren Wandel. Die schelmischste Büberei ist willkommen, wenn sie dazu beiträgt, sie herabzusetzen, zu erniedrigen. Jntriguen werden fein gesponnen, um ihren Charakter, ihre Ehre auf das schimpflichste anzugreifen. Einige greifen die Lehre an, Andere die Rasse. In einem führenden conservativen Blatte, in der „Kreuzzeitung" wurde an die Regierung das heuchlerische Ansinnen gestellt, die israelitische Sittenlehre auf ihre Würdigkeit und Lauterkeit untersuchen zu lassen. Man stellt sich so, als wüßte man nicht, daß das alte Testament, auf welchem das neue Testament fußt, die Hauptquelle der israelitischen Neligionslehre und aller späteren talmudischen Bestimniungeii sei. Mau redet sich nein, der Lesenvelt — ein, — denn so einfältig sind die Artikelschreiber nicht, nur die Leser sollen zu solcher Einfalt wieder erzogen werden, - eine gegen die Christen gerichtete Geheimlehre, die alles das, was das alte Testament als heilig und unverletzlich hinstellt, in Bezug auf Andersgläubige anfhebt, werde der Jugend eingeinipft. Als ob der Talmud nicht Blatt für Blatt das Fundament, die Bausteine, das Gefüge und die Krönung seines Gebäudes der Bibel entnommen Hütte! Obgleich die Ansichten der Casuisten eine gwisse autoritative Kraft besitzen, so würde doch auf dem weiten Meere des Talmud, keine Ansicht, kein Ausspruch auch der größten Autorität verbindlichen Wert beanspruchen können, wenn sie nicht durch biblische Unterlagen gestützt wären. Es ist daher beispielsiveise eine widersinnige Behauptung, der Talmud erlaube Blutgenuß oder Wucher, Betrug oder Mord; da er sich dann ja im direkten Widerspruch mit klaren und unziveifelhaften Verboten der heiligen Schrift befände. Die Sittenlehre des Talmud kann nur die Blüte und Frucht einer Wurzel sein, die in dem Boden der biblischen Sittenlehre zu suchen ist Jede abweichende, der Grundquelle entgegengesetzte Ansicht eines Casuisten ist n i ch t v e r b i n d l i ch e Einzelansicht, die nur aus altertumsforschende», eonservirenden Rücksichten der später» genauen Registrirung und Aufbewahrung für wert gehalten wurde. Welche Sittenlehre aber heute in den israelitischen Religionsschulen Deutschlands der Jugend eingeprägt wird, darüber braucht doch wahrlich kein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.