Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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als „Zwetschgen - Taanith" wird daselbst auf eine Volkssage verwiesen, welche Wahrheit und Dichtung durcheinander mischt. Die Archivsacten geben völlige Klarheit auch über diesen Punkt. Der oben genannte Josel Levi in Burgellern, gegen welchen als gegen den reichsten Juden des Ortes die Wut des aufgereizten Pöbels am meisten gerichtet war, hatte auf dem Boden seines Hauses ca. 600 Zentner Zwetschgen liegen, auf welche der oben genannte Bürgermeister und seine Raubgenossen ein besonders lüsternes Auge geworfen hatten und die dann auch geplündert und unter die Beuterer verteilt wurden. Ein anderer reicher Jude in Burgellern, der als der „rote Jude" genannt wird, hatte ca. 197 Zentner Zwetschgen, die er in der kritischen Zeit von einem dazu bestellten Fuhrmann verladen ließ, um sie auf dem nahen Schlosse Giech zu bergen, als ein Müllersknecht gelaufen kam mit dem Rufe: es würde nichts mehr ins Schloß gelassen und die Leute wären schon da, um den Juden völlig auszuplündern. Hierauf schüttete der Fuhrmann die Ladung wieder aus und die Spolianten fielen über den Haufen Zwetschgen her. Da nun seit 1654 der Sitz des Landesrabbinats in dem benachbarten Zeckendorf war0, so liegt es ziemlich nahe, daß der Tag der Zwetschgen-Plünderung zum Fasttag bestimmt wurde und daß die Erinnerung des Volkes an dies hervorragende Factum anknüpfte. Wir nehmen nun nach dieser Abschweifung den Faden der geschichtlichen Darstellung wieder auf. Die oben im Zusauimenhange geschilderte Bewegung gegen die Juden nahni einen allgemein bedrohlichen Character an, die Revolte streifte an Revolution. Der Appetit kam mit dem Rauben und Plündern, der Verderber war losgelassen und machte keinen Unterschied mehr, und so kann es uns nicht Wunder nehmen, daß man sich schließlich nicht mehr mit den Juden begnügte, sondern daß z. B. in Adelsdorf die Rädelsführer an der Spitze einer Bande ins Dorf sielen und die Häuser auch der Nichtjuden plünderten und verwüsteten. Der Vogt von Steppach, Herr v. Truchseß, bekam ein anonymes Schreiben des Inhalts: er möge die Juden hinauswerfen und sich selbst von dannen reteriren. Die bedrohten Inden hatten in ihrer Not und Angst Wertsachen und Mobilien in die Häuser befreundeter Christen und in die Schlösser der Adeligen geflüchtet, um sie daselbst zu bergen; aber auch diese boten keine Sicherheit, auch die Christenhänser und die Schlösser des Adels wurden gestürmt und geplündert. Das war Rebellion, da durfte man nicht zusehen und geschehen lassen, da mußte mit Energie Einhalt geboten werden. (Fortsetzung folgt.) Mel Lärm um Wichts von Dr. M. Des sauer Herzogl. Landrabbiner von Sachsen-Meiningen. In einem, „Viel Lärm um Nichts" benannten Stücke Shakespeare's wird die Unschuld von einem Bastard aus keinem andern Grunde verdächtigt und verlästert, als um seine Gier nach Bubenstücken und seinen Rachedurst zu befriedigen. Aus der Luft gegriffene Behauptungen und die schändlichste Mystifikation müssen den (u ergänzen. Mendel Rothschild soll übrigens der Stammvater des Hauses Rothschild sein Vergl. Levysohn: Rafschoth zadikim Rr. 4l). ‘) S. Pottler: Repertorium über die Hochfürstlich Bamberger Verordnungen, S. 47a, Rr. 19.