Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 — Die Iudenpkünderung in Franken v. I. 169S. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. (Fortsetzung.) Und wie in Burgellern so rotteten sich an ca. 36 Ortschaften des Fürstbistums Bamberg zusammen „Bauern, Bauerssöhne. Dienstknechte, Buben, Weiber, Töchter und Mägde", die Männer mir Beilen bewaffnet und die Weiber mit Säcken versehen, um allerlei Plunder einzupacken und mitzunehme»; Alles wurde mitgenommen und nichts verschmäht, bis auf das Schächtmesser und die Gebetbücher, bis auf die Treffe vom Gebetmantel, bis auf die Armenbiich>en in den Synagogen, sogar „ein gelber Borhang von denen Zehen gebotteu" wurde in Stadelhofen (bei Scheßlitz) mitgeraubt. Ein jüdischer Zeitgenosse klagt in einer handschriftlichen Notiz1): „Am Sonntag vor dem Sabbat „Bechukothai" des Jahres 5459 (— 17. Mai 1699) rotteten sich im ganzen Lande Bamberg in ca. 36 Ortschaften die Bauern zusammen, uin uns das Unsrige wegzunehmen, kein Ort und kein Jude ist verschont geblieben. Auch die Synagogen sind verwüstet und die Thorarollen sind zerschnitten worden, auch mir ist eine Thorarolle in vier Stücke zerschnitten worden. G. s. D. .ist kein einziges Menschenleben angerührt worden." Nun, wenn auch bei dieser würdigen Sonntagsfeier des christlichen Pöbels und anscheinend überhaupt im ganzen Verlaufe der Bewegung kein Verlust an Menschenleben zu beklagen war, so sind doch Menschenleben oft genug bedroht worden. Ans öffentlicher Landstraße wurde der Jude Krauskopf aus Hallstadt von Bewaffneten angefallen und „bis auf das Henibt" ausgezogen, während Einer die Frau des Löw Michael in Mistelfeld auf offener Gaffe „wie ein Bär" angefallen, zu Boden geworfen, herumgeschleift und so lange gepeinigt, bis sie ihre in den untersten Unterkleidern verborgenen Schätze heransgab. Sogar die in der Erde verborgenen und vergrabenen Schütze wurden herausgewühlt, wobei allerdings die Juden nicht überall die Dinge ohne Gegenwehr geschehen ließen, da von einem der Plünderer berichtet wird, er sei „sehr übel und hart gehieben und beschädiget worden, daß er wohl schwerlich ohne Lähmung davon kommen dörffte". Auch in der Stadt Bamberg selbst scheint der Pöbel einige Orgien gefeiert zu haben, doch darüber fehlt bisher die nähere Kunde?) Zur Erinnerung an diese hier geschilderten Heimsuchungen setzte der damalige Landesrabbiner von Bamberg M e n d e l R o t h s ch i l d einen Fasttag ein, der alljährlich am 29. Nisan durch Liturgie und Spendeugaben gefeiert werden sollte und noch jetzt in Bamberg als sogen. „Zwetschgen-Taanith" bekannt ist und gottesdienstlich gefeiert wird. Den Ritus für die Feier dieses „unbekannten Fasttags" beschreibt auf Grund einer handschriftlichen Notiz Kodak (Jeschurnn, Jahrg. VI., Heft I., S. 31), dem das Datum und die nähern Umstände noch vollständig unbekannt waren?) Zur Begründung der sonderbaren Bezeichnung des Tages ') Aus dem Titelblatt eines Heidenheim 1546 gedruckten Buches im Besitze des Herrn Lehrer Nordhauser in Altenkunstadt. Die Notiz, deren Inhalt bis ins Einzelne mit den Archivsacten übereinstimmt, verdanke ich der Güte des Herrn Rabbiner Dr. Cohn in Burgkunstadt. s) Schudt (Jüd. Merkwürdigkeiten l S 395): „Die Juden haben sehr neulich abermahls von einem zusammen gelausfenen Gesinde in der Stadt Bamberg und der benachbahrten Landschafft ausstehen müssen." ") Erst G. Wolf (Monats)chrift 18. S. 379) bezieht den Fasttag auf die Judenplünderung des Jahres 1699. Zunz (Ritus S. 127) kennt den Fasttag nicht und ist danach