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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-01-01 · Heft 1 (1.1.1893) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 1 (1.1.1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 der Herkunft des angeblichen kaiserlichen Patents zu fragen und dem sich fortpflanzenden Aufruhr hindernd eiitgegenzutreten. Es war eine gar zu lockende Musik, wenn die Benterer unter Rufen und Schreien in's Dorf hineinstürmten mit der Nachricht, sie hätten schon mehrere Dörfer ausgeplündert und herrliche Beute gemacht, daß sie nicht wüßten, was sie mit den schönsten Sachen anfangen sollten, und wenn Mancher sich rühmte, soviel erbeutet zu haben, daß er zeitlebens „in aller Bergnügenheit" leben könnte. Wurde doch die importirte Lüge auch von der Autorität mancher Schulmeister, Schultheißen und Bürgermeister gestützt, welche die Gelegenheit benutzten zum Aushetzen und Aufwühlen der Dummen, die sich der Tragweite ihres Thuns und Beginnens nicht recht bewußt waren. In Burgeller» stand der Bürgermeister Andreas Fiernlein an der Spitze der Agitation nnd begeisterte mit seiner Bearbeitung der ganzen Umgegend und Organisirung der Banden derartig, daß ein Bauer einen heiligen Schwur ablegte, er würde dem Juden Josel Levi in Burgellern Kopf und Gurgel abschneiden' Die bedrohten Juden von Burgellern ihrerseits erbaten sich von der fürstbischöflichen Regierung 20 Reiter zu ihrem Schutze und gaben ihre Wertsachen zu christlichen Freunden im benachbarten Städtchen Scheßlitz in Verwahrung. Zwei Nächte hintereinander lauerten die truppweise rings um das Dorf postirten Banden auf eine Fuhre Geld, die, wie vom Bürgermeister ausgesprengt wurde, Josel Levi über Scheßlitz bekommen sollte. Endlich am dritten Abend, als die berußten Gesichter um 10 Uhr vor deni Dorfe aufmarschirten, wurden sie vom Bürgermeister, der die Bewohner seines Dorfes bereits geweckt und alamirt hatte» erwartet und mit den Worten empfangen: „Ihr Bluthunde, warum verbleibt Ihr so lange aus? wenn sie diese Nacht vorübergehen ließen, würden die Juden ihr Hab und Gut in >;ilvinn bringen und der Vogel würde ihnen aus Händen fliegen." Aber der Räuberbande fehlte der Mut zum Vorwärts, weil die Sage ging, daß der Leibbauer des Juden Josel Levi zur Vertheidigung desselben vier Büchsen auf dem Tische liegen habe. Endlich feuerte einer von der Brücke aus einen Schuß aus das Haus des Juden und dieser Schuß war das Signal zum allgemeinen Losbrechen. Die Belagerer setzten sich von allen Seiten in Bewegung, der Jude David schrie auf der Straße „Feurio", in der Dunkelheit der Nacht wurde bald da bald dort gepfiffen, die Kirchglocke läutete Sturm, unter dem Rufe: „Ihr Christen raus!" brach man durch Thüren und Fenster in das Haus des Josel Levi, während derselbe mit einem Säckchen Geld unterm Arm flüchtete, und plünderte und machte zur Beute bei ihm wie bei den andern Juden des Ortes alles, >vas nicht niet- und nagelfest war. (Fortsetzung folgt.) Deutsch und Jüdisch von Rechtsanwalt Emil Lehman n. Fortsetzung. Und zwar, offen heraus, dunkel und unbekannt ebensowohl denen, deren geschichtliche Vorbildung näheres Eindringen in jüdische Dinge voraussetzen lassen sollte — der Mehrzahl bev christlichen Geistlichen als auch denen, um deren eigenstes Wesen es sich handelt — der Mehrzahl, oder doch einer ungemein großen Zahl der Juden selbst, unter ihnen auch den Gebildeten.

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