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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-01-01 · Heft 1 (1.1.1893) · p. Seite 6

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 1 (1.1.1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Es war unter der Regierung des Fürstbischofs nnd Kurfürsten (von Mainz)Lo thar Franz von Schönborn (1693 — 1729), eines sonst gerechten und liberalisirenden Fürsten. Zwar ließ auch er im Geiste der Zeit Beschränkung auf Beschränkung hänfen in handelsrechtlicher Beziehung, aber er hatte doch soviel Sinn für das Gerechte und Geziemende nnd war so erleuchtet, daß er von der allgemeinen Verordnung, nach welcher Jedermann Nachts auf den Gassen nur mit erleuchteter Laterne erscheinen durfte, die Juden für den Freitag Abend befreite?) Ja, er verstieg sich sogar zu der Weisung an die Beamten seines Landes, daß sie die Juden in Straf- und Executionsfällen nicht, wie das üblich gewesen zu sein scheint, in Schweinestülle sperren, „da sie ja gleichwohlen auch Menschen seien."') Es war also unter der Regierung dieses so humanen Landesvaters, da tauchte plötzlich ohne unmittelbare Veranlassung sozialer oder religiöser Natur Mitte Mai 1699 irgendwo im Baiuberger Lande das Gerücht auf, es sei kaiserlicher und kurfürstlicher Befehl gekommen, die Juden anszuplündern und binnen drei Tagen ans dem Lande zu jagen. Allem Anscheine nach war das Gerücht, das sich wie ein Lauffeuer von Ort zu Ort und von Dorf zu Dorf verbreitete, von auswärts in's Land getragen worden durch verkommene nnd heimatlose Subjekte, die den Abdruck eines gefälschte» kaiserlichen Patents unter das Volk verteilten, um bei den entstehenden Wirren im Trüben fischen zu können. Eines Tages n>ar ein fremder Maler Joh. Merck, der sich für einen Studenten ansgab, in der Synagoge von Mühlhausen erschienen, um daselbst Alles anszuspioniren, und notirte sich sämtliche Jndenhäuser des Ortes. Darauf griff er auf der Landstraße einen Lisberger Juden an, setzte ihm den Degen auf die Brust und zwang ihn zur Heigabe seines Rockes. Darauf forderte er die Jugend der Umgegend auf, mit ihm zur Jndenplündernng nach Mühlhausen zu ziehen; es würde ihnen nichts dafür geschehen; sollte der Amtmann Einen von ihnen gefänglich einziehen, so brauche er blos einige Zeilen nach Bamberg an die Studenten zu schreiben, dann würden alsbald bei 500 Studenten gegen das Schloß rücken; sollte das nicht genügen, so würde er um Sueeurs nach Würzburg schreiben, dann würden die Gefangenen bald wieder freigegeben werden. Darauf setzte sich eine Rotte von halbwüchsigen Burschen, die sich unterwegs die Gesichter schwärzten, gegen Mühlhausen in Bewegung. Als sie auf der Brücke vor dem Dorfe angerückt waren, kamen ihnen drei Wächter entgegen und fragten sie, was sie denn eigentlich vorhätten. Darauf der Bescheid: es ist Befehl ergangen, daß wir die Juden ausplündern; die Dorfbewohner mochten sich ja nicht widersetzen, sie würden sonst alle zu Schanden gehauen und geschlagen werden. Worauf die Mühlhäuser sagten: „wenn dein also, so wollten sie nichts dagegen sagen, sondern nur gebeten haben, im Dorfe kein Feuer anzulegen." Und mit diesen Worten verzogen sich die treuen Wächter auf die Seite und drückte» das wachende Auge des Gesetzes fest zu, während der Schwarm unbehindert in's Dorf einzog und bei des „Kirchen Mojchel's Behausung" den Anfang machte mit Stürmen und Plündern. Der fremde Maler und angebliche Student leitete dann die Plünderung in Frensdorf, setzte von da die Agitationsreise fort nach B u r g e b r a ch, wo er endlich von dem dortigen Vogt verhaftet wurde. Das Gerücht von dem obrigkeitlichen Befehl zur Judenausplünderung und Judenaustreibung fand überall im ganzen Fürstbistum Bamberg ein gläubiges Ohr und ein dankbares Publikum und nur wenige Beamte getrauten sich, nach 3) Jäck: Jahrbücher S. 386. 4) Verordnung vom 2-L November 1719.

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