Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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tragen. Einst wurde Bileam, der heidnische Prophet, der Israel fluchen wollte nnb es segnen mußte, gefragt wodurch man Israel verderben könnte. Er antwartete: Besuchet dessen Jugendschulen. Wenn ihr dort die Stimmen von Kindern höret, welche in der Sprache und in den Lehren des Judentums unterrichtet, zur Glaubenstreue und Glaubensstärke erzogen werden, so ist es unbesiegbar und keine Macht auf Erden kann es zu Grunde richten. Wenn es aber in den Jugendschulen Israels stille ist, die religiöse Erziehung und der religiöse Unterricht des Heranwachsenden Geschlechtes lau, verdrießlich und mürrisch behandelt wird, dann kann Esau, sein Feind, die gewaltthätige Hand erheben und ihm vernichtende Schläge versetzen. Israels Schutz besteht nicht in Gewehren, Geschützen und Geschossen, sondern ist seiner Jugend anvertrant. Nicht hochgewachsene Männer mit schimmernden Helme» und blinkende» Waffen sind die Garde des Judentums, sondern die Kinder, welche heranwachsen und bestimmt sind den Glauben der Väter tapfer, mutig, treu und ausdauernd zu erhalten, zu bewachen und zu beschützen. Der Segen des Patriarchen Jsak ist, trotz der Zerstreuung Israels, nicht erloschen. Er währt und wirkt fort! Me Audenpl Linderung in Iranken v. I. 1699. Archivalische Studie von Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg. Der 30jührige brüdertrennende und länderverheerende Glaubenskrieg, der als Frühlingssturm überleitet von der Mittelzeit zur Neuzeit, so unsägliches Elend und so gräuliche Verwüstung er über die deutschen Lande verbreitete, für die deutsche Judenheit war dieses Austoben der Volksleidenschaften und diese Ableitung des Glaubensfauatisrnns von wohlthätigen Folgen. Denn während die feindlichen Brüder in unversöhnlichem Glaubenszwist mit Feuer und Schwert gegeneinander wüteten, stand das Judentum als unbeteiligter Dritter abseits und machte sich zu eigen die Losung seines Propheten: „Geh', mein Volk, ziehe dich zurück in's innere Gemach und schließ die Thüre hinter dir, verbirg dich eine Weile, bis vorüber geht der Sturm." So kommt es, daß die entfesselten Stürme des 30jährigen Krieges voriibergezoge» sind an der Abgeschiedenheit der Judengassen, ohne größeres und nachhaltiges Unheil anzurichten, und daß wir von einer Judenverfolgung im größeren Umfange im ganzen Verlaufe der Kriegswirren in Deutschland nichts hören?) Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, nachdem der aufgezehrte Fanatismus und die erschöpften Leidenschaften neue Nahrung erhalten und neue Kraft gesammelt, kam es zu größeren Anfeindungen und Verfolgungen, die mit der Ausweisung der Juden aus Wien und dem Erzherzogtum Oesterreich im Jahre 1670 endeten. An der Wende des 17. Jahrhunderts aber, nachdem Wülfer und Wagenseil, Beide in Frauken, die „Feuergeschosse des Satans" gegen die Juden geschleudert hatten, kam es int Frankenlaude zu einem wüsten Pöbelexeeß, von dem die Verfasser größerer Geschichtswerke bisher keine Notiz genommen, trotzdem es sich um eine nicht blos lokale Bewegung handelt. Ueber dieses bisher in seinen nähern Umständen unbekannte Faktum soll hier auf Grund des Aktenmaterials Bericht erstattet werden.-) >) S. Graetz: Geschichte X S. 39 ff. 5) Kgl. Kreisarchiv-Bainberg: hist, uatul. Nv. 375 und Bamb.Verordnungen 1.