Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 dern nimm warmen Anteil an allen ihren Interessen, fördere das Gute, verhindere das Schädliche und Verderbliche, befestige vor allem den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde. Du bist ein Jugendlehrer der Religion! Sei es, durchdrungen von dem Bewußtsein, daß deiner Treue und deiner Hingebung die religiöse Znkunft des Judentums anvertrant ist. Hute dich der pedantische Tyrann deiner Schüler zu sein, ihnen Furcht und Angst vor den Religionsstnnden einzuslößen, beherzige die weise talmudische Regel: Mit der rechten Hand abwehren, mit der linken anzieheu, Strenge und Milde mit einander zu paaren. Du bist ein Jude! Sei es mit glühendem Herzen, niit erleuchtetem Geiste, mit deinem ganzen Vermögen. Erinnere dich deiner großen historischen Vergangenheit, gedenke der verheißungsvollen Zukunft, die des Judentums harrt, sprich freudig und befriedigt: Ebed Adonai anöchi, ein Diener des Ewigen und Alleinigen bin ich, bleibe ick) und werde es immerfort sein. Dann bist du eine treue Mutter, ein treuer Sohn deiner Gemeinde, ein treuer Führer der Jugend, ein treuer Mensch, ein guter, edler, gottgefälliger Mensch! II Der Segen des Patriarchen Jsak. Rede, gehalten am 19. November 1892, (Sabbat Tdledöt.) Der heute verlesene Thora-Abschnitt enthält den Segen, de» der Patriarch Jsak seinem Sohne Jakob erteilte. Er lautet: „Gott gebe dir vom Thau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde, eine Fülle von Getreide und Most." Vor Jahrtausenden gesprochen, vermag er heute noch unsere Gegner zu verwirren und zu beschämen. Sie verbreiten nämlich, daß die Inden ein Handel treibendes Volk sind, welches die mühevolle Arbeit scheut und nach der Erhaschung eines leichten Gewinnes strebt. Nun denn. Der Segen Jsaks bezieht sich auf Feld und Weinberg und hat nur Bedeutung für ein Volk, das hinter der Pflugschar einher geht und die Rebe pflanzt. Es freut sich der Landmann, wenn der Thau die Pflanzen erquickt und der Boden fruchtbar ist, und er fühlt sich glücklich, wenn die Kräfte der Natur seine Arbeit begünstigen und fördern. Und Palästina war ein reich gesegnetes Land, das rauschende Flüsse und sprudelnde Quellen besaß, Korn und Wein in Fülle hervorbrachte, in welchem inan nicht über ärmliche Nahrung klagte, dessen Tiefen Eisen und Kupfer in sich bargen, so daß ein römischer feindlich gesinnter Schriftsteller das treffliche Klima, die kräftigen Bewohner desselben preist. Das Judentum bedurfte auch zu seiner Entwickelung und Erstarkung eines solchen Landes; denn es will seine Bekenner frei, kräftig, glücklich ans dieser Erde und benutzt nicht das Todtenreich und die Gräberwelt, uni den Menschen Schrecken und Grauen einzuflößen und sie zu Sclaven der Furcht und Angst zu machen. Israel bestellt nicht mehr das Feld wie seine Vorfahren in ihrer nationalen Heimat. Gezwungen von den Völkern, treibt es zumeist Handel, widmet es seine Kräfte dem Weltverkehr. Hat nun etwa der Segen des Patriarchen seinen Wert und seine Bedeutung gänzlich verloren? Nein! Der uralte Segen dauert fort in einer andern idealen Weise, nach der sinnreichen Auslegung der jüdischen Weisen. Israel, rufen sie ans, dein Himmelsthau ist die Bibel. Sie erfrischt, erquickt, belebt, stärkt dich; wenn du sie aufschlügst, so tönen dir Verheißungen entgegen, welche lvie der Himmelsthau auf die matten Pflanzen wirken, da hörst du die Worte: Selbst in dem Lande ihrer Feinde verachte ich sie nicht und verl*