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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1893-01-01 · Heft 1 (1.1.1893) · p. Seite 2

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 1 (1.1.1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 einer Lebensgefährtin für seinen Sohn. Mag Gott ihn, wie den Patriarchen, mit allem gesegnet haben, mag er noch so reich und angesehen sein, die Zukunft seines Kindes hängt nicht von ihm ab, und nimmermehr vermag er zu berechnen, wie sie sich gestalten werde. Wie unsere Erzählung lehrt, war Elieser des Vertrauens würdig, das in ihn gesetzt wurde. Er spricht, wie bekannt, daß das Mädchen, welches nicht bloß ihm Wasser reichen, sondern sich bereit erklären wird, auch dessen Kamele zu tränken, die rechte und richtige Gattin für den Sohn seines Gebieters nach der Bestimmung Gottes sein würde. Warum? Weil cs sich durch ein gutes Herz und einen klugen Sinn auszeichnen würde. Ein gutes Herz! das wußte er, ist ein herrlicher Schmuck eines edlen Weibes! Das gute Herz erzeugt Milde, Hingebung, Friedfertigkeit, Bescheidenheit, Treue gegen Gatten und Kinder, schützt es vor Starrsinn, Zanksucht, Rechthaberei. Der kluge Sinn sichert die Ordnung des Hauses, die richtige Einteilung von Raum, Zeit und Hülfsmitteln, wahrt die Ehre, die Würde und das Ansehen der Familie. „Die Weisheit des Weibes erbaut das Haus," lautet das Urteil des biblischen Spruchdichters. „Sicher kann das Herz des Mannes einer solchen Gattin vertrauen," daß sie nicht prunksüchtig vergeude, was er mühevoll erwerbe. Nun geht Elieser daran, um die Hand Rebbekka's für den Sohn seines Herrn zu werben, und leitet seine Rede mit drei hebräischen Worten ein, welche seinen herrlichen Charakter mit all dessen Vorzügen offenbaren. Sie lauten: „Ebed Abraham auüclu.“ „der Knecht Abrahams bin ich." Er sagt nicht: ich bin der Knecht Abrahams, und stellt nicht sein Ich voran, sondern an das Ende. Denn abgesehen davon, daß es unbescheiden >väre mit „Ich" zu beginnen, hat er im Hause seines Gebieters gelernt, daß es nur Gott ziemt sein ewiges, unveränderliches Ich in der Rede voran zu setzen, nicht aber einem Menschen. Gott spricht: „Ich bin Adonai," „ich bin Adonai dein Gott," ich bin Adonai euer Gott," „ich bin Ich," „ich bin der Erste und ich bin der letzte;" während Jakob ausruft: An Gottesstatt bin ich etwa, ebenso sein Sohn Josef, nicht aber: Bin ich etwa an Gottesstatt? Elieser, redlich, einfach und bescheiden, nennt sich: „Ebed," Knecht, fügt aber sofort hinzu: „Abraham", das heißt, ich bin der Knecht eines ausgezeichneten, angesehenen, begüterten, allgemein verehrten Mannes; er, dieser Abraham, würdigt mich seines Vertrauens, baut auf meine Treue und auf mein Urteil. So reichen diese drei Worte: „Ebe<l Abraham anhohi“ hin, um Elieser zu charakterisiren und ihm unsere Zuneigung zu gewinnen. Wohlan denn! Diesen kurzen Satz Elieser's wollen wir für unser eigenes Leben, für das was wir sind und sollen, uns einprägen. Mit andern Worten: Sei was du bist, sei es ganz, voll, thatkrüftig, bewußt und mit Herzenslust. Du bist eine Mutter! Sei es mit ganzem Herzen, mit voller Hingebung, mit strenger Pflichterfüllung! Erziehe deine Kinder im Geiste des Judentums. Es gibt eine zweifache Thora: die eine auf Pergament, die andere im mütterlichen Herzen geschrieben. Diese ist auch eine höhere göttliche Offenbarung heilig, ehrwürdig, wirkungsvoll, wenn sie die Mutter dem Kinde einschärft. Du bist ein Mi tglied d er Gemeinde! Sei es mit vollem Bewußtsein, mit deineil besten Kräften. Begnüge dich nicht blos, die Geineindesteuer zu entrichten, aber die Leitung der Gemeinde durch ihre Vorsteher und ihre religiösen Führer zu kritisiren und dich für einen Salomo zu halten, son-

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