Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1891)
- Date
- 1891-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- 263 - ' liehen Befehl geschlossen worden. — Aus St. Petersburg ist jüngst ein jüdischer Buchhalter ausgewiesen worden, der die Schlacht bei Plenum als Soldat initgekämpft und das Ehrenzeichen erhalten hatte. Vor seiner Ausweisung mußte er einen Revers auf Ehrenwort unterschreiben, daß er im Falle eines Krieges sich wieder zur Armee stellen werde. Weferate und Willeitungen. Bon Herrn Leopold Eisler, Rabbiner in Eiwanowitz ist erschienen: Zur rabbinischen Sprach- und Alterthumskuiide IV. Teil (Wien, Lippe 1890). Der fleißige und gelehrte Verfasser, durch seine lvertvollen Arbeiten auf dem Gebiete der talmudischen Sprachforschung rühmlichst bekannt, liefert in dieser trefflichen Arbeit zunächst eine Reihe beachtenswerter Korrekturen zum Texte der Tosefta (S. 1—126). Es folgen dann lehrreiche Beiträge zur Textkritik der Aruch (S. 127—134), Miscellaneen (S. 135—148) und Nachträge zu den frühereil Teilen nebst einem diesbezüglichen Schreiben von Jacob Reifmann. Wir zlveifeln nicht, daß diese tüchtige Leistung des Verfassers in Fachkreisen die verdiente Würdigung finden ivird und wolle» auf dieselbe hier nur empfehlend hingewiesen haben. — Wolf Kreidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland. Mit besonderer Rücksicht auf Nassau, zumeist nach archivalischen Urkunden dargestellt von vr. M. Silberstein. Stadt- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden (Wiesbaden, Christian Limbarth 1891). Wolf Breidenbach gehört zu den Männer», die unausgesetzt auf die Verbesserung der Verhältnisse ihrer Glaubensbrüder ihren Sinn richteten und gebührt ihm neben Israel Iarobsohn das Verdienst, die Aufhebung des entwürdigenden Judenleibzolls in zahlreichen Staaten Deutschlands erreicht zu haben. Breidenbach wurde 1751 in dem gleichnamigen Dorfe bei Kassel geboren und kam als Jüngling nach Frankfurt am Main. Er war ein Freund Heidenheims und neben der materiellen Unterstützung, die er der Herausgabe seines Machsor (Gebetbuch für die jüdischen Festtage) zuteil werden ließ, hat er auch poetische Stücke aus dein Hebräischen in's Deutsche übertragen. Durch das Schachspiel geivann er die Gönnerschaft eines hochgestellten Mannes, der ihm die Besorgung von Geschäften übertrug und ihm zur Führung eines Bankgeschäftes verbunden mit Juivelenhandel bedeutende Summen vorstreckte. Breidenbach nahm seinen Wohnsitz in Gffenbach und erwarb sich das Wohlwollen des Fürsten Jsenburg- Birstein, der ihn zum fürstlichen Hof- und Kammeragenten ernannte. Auf Betreiben Breideubachs richtete Fürst Karl am 23 April 1803 ein Schreiben an die Räte der Regierung, in welchem er die Aufhebung des Judenleibzolls auordnete, was im September 1803 geschah. Am 15. Oktober hoben der Fürst von Solms- Rödelheim und am 7. Dezember der Fürst von Homburg gleichfalls auf Breidenbachs Ansuchen diese entwürdigende Abgabe auf. Breidenbach ging dann eigens nach Regensburg um seinen persönlichen Einfluß auf dem Reichstage einzusetzen und forderte die Juden auf, einen Fonds zusammenzubringen, der dazu bestimmt sein sollte, die völlige Aufhebung des Judenleibzolles herbeizuführen, „welcher den Würdigen und Vornehmen schmäht und herabwürdigt, den Reichen Plagt, den Arinen drückt, den Dürftigen quält und peinigt." Breidenbach suchte für seine Sache den Erzkanzler Fürst Primas Karl von Dalberg zu gewinnen, mittelst