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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 264

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 264 (sequence 24)
Language
German
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dessen Empfehlung er sich am 8. Februar 1804 4m den Fürsten von Nassau wandte. Er scheute sich nicht, den Judenleibzoll als aut Denkmal der Barbarei und Intoleranz zu bezeichnen und wies auch darauf hin, daß nur der freie ungehemmte Verkehr den Handel belebe. Herr I)r. Silberstein hat in seiner sehr lehrreichen Darstellung auch die Eingabe Breidenbachs vom 9. Februar 1805 an den Fürsten von Nassau-Usingen mitgeteilt, welche bewirkte, daß er zu einer Audienz bei dem Fürsten zugelassen wurde, sowie seine Eingabe vom 25. Mai 1805, unter welchem Datum er auch ein Schreiben an den Reichsminister Marschall v. Bieberstein richtete. Am 1. September 1806 wurden denn auch die Zollstätten beseitigt, die die schmachvolle Aufschrift Judenleibzoll trugen. Am 28. Februar 1829 starb Breidenbach, einer; der ersten, edelsten und eifrigsten Vorkämpfer für die Emanzipation der Juden.' Wir reihen an diesen Bericht über die wertvolle Schrift des Herrn vr. Silberstein eine^Notiz aus einem äußerst seltenen in unserem Besitze befindlichen Buche „Anekooten von guten Juden. Mit einein Anhänge von jüdischen Weisheits-Lehren" (Berlin 1805, gedrnMWld verlegt bei Gebrüder Gädicke) S. 127: Die Aufhebung des Juden-Leibzolls im Kurfürstentum Baden: Immer war und blieb es dem verstorbenen edlen Israel Jacob schmerzhaft, daß ein Jude bloß darum, weil er Jude ist einen Leibzoll geben solle, eine Abgabe, die nicht blvs im Allgemeinen hart und beleidigend, sondern auch für manchen armen Mann äußerst drückend ist. Durch Hülfe seiner Verbindungen als kurfürstlich Badenser Hof- und Kammeragent war er so glücklich, es zu erreichen, daß der weise und gütige Kurfürst von Baden aus Menschenfreundlichkeit sowohl als aus Liebe und Achtung für Israel, den Jndenleibzoll in seinen sämtlichen Ländern aufhob. Israel der Vater und Israel Jacobsohn, sein Sohn, freuten sich über die Gewährung ihrer Bitte so herzlich, daß sie dem verehrnngswürdigen Kurfürsten ein Geschenk von laufend Gulden Rcichsgcld zum Besten irgend einer von ihm zu bestimmenden Armenanstalt überreichen ließen, die nächste Bestimmung des Geschenkes aber gänzlich dem Willen des Kurfürsten anheimstellten. Dieser vortreffliche Mann nahm denn auch das Geschenk mit Dank an, bestimmte 500 Gulden davon zu einem dortigen Siecheil- und Krankenhause, das soeben errichtet werden sollte, die anderen 500 Gulden aber schenkte er dem badenschen Judenhospitale zur zweckmäßigen Verwendung. Wie edel und zweckmäßig handelten hierbei die beiden, der Geber sowohl als der hohe Empfänger. — Der bekannte geistvolle Schriftsteller Herr I. Singer tu Paris (52 Boulevard de Clichy). beabsichtigt eine „Allgemeine Encyklopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums" unter Mitwirkung hervorragender Gelehrten herauszugeben.. Wir begrüßen dieses Unternehmen mit Freude und wünschen demselben den besten Erfolg. Möge das groß angelegte, sehr zeitgemäße Unternehmen die nötige geistige und materielle Unterstützung finden. Inhalt: Börne und Böckel. Ein Dialog von W. Frank. — Zur Geschichte des jüdischen Schulwesens mit besonderer Berücksichtigung des Leseunterrichtes. Bortrag, gehalten im Kreise der isr.Religionslehrer in Wien, von Rabbiner L. Wollner. — Das verlorene Paradies von Rabbiner Dr. N. Brüll s. A. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber I)r. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei iF. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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