Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 256 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969782-2969793--3371-2973276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

256 nachgehen könne, das empfand er als eine Beschränkung seiner Freiheit. Er wollte sein eigener Herr und Führer werden, er der Gott auf Erden, der da alles zu ordnen und zu bestimmen habe. Was Recht und was Unrecht, was Gut und was Böse ist, das wollte er nicht erst aus der Lehre des Herrn ergründen, aus der Weisheit Gottes erforschen. Den Baum der Erkenntnis hat doch Gott auch auf die Erde gepflanzt, warum soll der Mensch nicht die Früchte von demselben pflücken und sich erquicken an solchem köstlichen Genüsse? Gott will das nicht, daß der Mensch in die Geheimnisse der Weltordnung einzudriugen suche, daß er dem Urgrund und dem Endzweck der Dinge uachforsche und selbst zwischen dem Guten und Bösen unterscheiden lerne? O! das geschieht nur aus Neid, aus Furcht, daß der Mensch selbst seinem Gotte gleichwerden, daß die göttliche Lehre und Weisheit vielleicht gar einst beschämt dastehen könnte vor dem tieferen Wissen, das der Mensch aus seiner- Vernunft hervorgebracht und aus seiner Erfahrung. Und der Mensch, der gegen seinen Gott sich auflehuen will, macht das Tier zu seinem Bundesgenossen, zum Tiere geht er hin, daß es sein Lehrer werde, sein Ratgeber und Wegweiser. Die Tiere meint er, die seien ja gar nicht so dumm, wie wir sie hnistellen wollen, die sind oft viel gescheiter als der Mensch. Da ist noch der schöpferische Geist, der das Weltreich beseelt, in seiner unverdorbenen Ursprünglichkeit anzutreffen. Aa über das Letzere dürfen wir uns eigentlich nicht wundern, das ist kein Märchen, das ist lebenswahre Geschichte, die wir ja selbst mitgemacht habe» und vielleicht jetzt noch nicht zu ihrem Ende gelangt ist. Der Unterschied zwischen dazumal und heutzutage ist nur der, daß es damals die Schlange war zu der der Mensch in die Schule gieng und daß wir uns heute bei unseren angeblichen Urahnen, den Affe», darnach erkundigen, wie es eigentlich mit unserem Menschenwesen steht. Der Mensch geht zum Tiere lernen dagegen wäre ja eigentlich nichts einzuweuden. Das Vieh auf der Erde und die Vögel im Himmel sind ja theilweise auch dazu da, daß wir durch die Betrachtung ihrer Eigenschaften, die ihnen durch des Schöpfers Güte verliehen sind, selbst zunehnieu an Weisheit und Erkentnis. Aber daß der Mensch herabsteige zur Tierwelt, sich selbst gleichstelle dem Tiere, das nur dem blinden Triebe folgt, den Gesetzen, die unabänderlich ihm vorgeschrieben sind und dennoch ein Gott sein will, den Geist ableugnet, weil er ihn nicht mit den Händen anfassen kann, Gott ableugnet, weil er ihn mit seinem fleischlichen Auge nicht sieht und in dem Niederen, Tierischen Irdischen zugleich auch das Göttliche erblickt, dabei soll es und darf es nicht bleiben Nun giebt es nur einen Beweis für die Nichtigkeit alles Irdischen und das ist der Tod. Sterben müssen wir alle, damit wir auch das Leben richtig verstehen lernen, damit wir es erkennen, daß der Mensch nicht für die Dauer der Erde angehört, daß er nicht der allmächtige Gott auf Erden ist sondern eine höhere Macht über ihm waltet und ein höheres Gottesgesetz ihm allein die wahre Bestimmung seines Daseins erklärt. Allerdings stirbt auch das Tier, aber der Mensch weiß, daß er stirbt, und hat er das Wissen, das ihn vom Tiere unterscheidet, dann soll er cs auch erkennen, daß er nicht dasselbe ist wie das Tier, daß ein Geist in ihm lebt, der über Tod und Vernichtung erhaben ist und mit dem ewigen Gotte ihn einst vereinet. Die Erzählung von dem verlorenen Paradiese haben wir vernommen. Das Paradies ist nicht verloren, der Glaube hat es uns gerettet und die verschlossenen Pforten des ewigen Lebens. sie werden sich einst uns öffnen, so wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.