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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 255

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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255 Abend des ersten Tages sich da zur Erde herniederneigte, da war auch für alle Menschheit der Abend erschienen, der nun die Nacht des Todes ans Erden uns ankündigt und keinen Morgen neuen Lebens uns hicnieden verheißt und gestürzt war der Mensch ans dem Himmel ungetrübter Glückseligkeit, vertrieben aus seinem irdischen Paradiese, verschlossen wurden ihm die Pforten des ewigen Lichtes und nicht wieder sollen sie sich ihm öffnen als bis er dem Tode das Seine gegeben und der Staub zurückgekehrt zum Staube dem er gehört. So wandeln wir alle, mit der Wolke der Todesfurcht, mit dem Stachel des Weltschmerzes, mit der Trauer um das verlorene Paradies auf den Bahnen des Lebens dahin. Ist das aber nicht recht böse, unbarmherzig, ungerecht und grausam von dem Schöpfer, daß er solche Qual über uns verhängt, solchen Fluch uns .aufgelegt hat, daß er den Menschen in das Paradies hineinführt, um ihn so bald aus demselben zu verjagen, ihm das Leben giebt, um ihm es dann wieder zu nehmen. Ja wenn sich das so verhalten würde, wenn es in dem Ratschlüsse Gottes gleich so beabsichtigt gewesen wäre, daß wir nur leben um dann zu sterben, den süßen Trank ans dem Kelche der Erdenwonne genießen, um dann auch seine bittere Hefe zu leeren, da hätten wir gewiß Recht, dem Schöpfer einen Vorwurf zu machen und es würde uns bei aller Unzufriedenheit mit einem solchen Lose unseres Daseins wenigstens die Befriedigungverbleiben, daß der Welten- Herr auf nufere Anklagen nichts erwiedern kann und wir, wenn auch zermalmt von den gewaltigen Mächten der Vernichtung, wenigstens eines geistigen Sieges uns erfreuen? Allein ist denn das auch so, wie wir es da ausgesprochen haben, ist der Mensch wirklich gerechter als Gott, steht der Erdensohn reiner da als der Schöpfer, der ihn zum Leben envcckt hat. Lesen wir einmal die älteste Urkunde über die Erschaffung der Welt, die ja gleich auf den ersten Blättern der heiligen Schrift verzeichnet ist, wo ist da vom Tode, von des Menschen Vernichtung und Untergang die Rede? Und wenn wir da vom Anfang bis zum Ende und wiederum zurück vom Ende bis zum Anfang nachsuchen, wir werden da nichts derartiges entdecken und auffinden können. Der Tod gehört nicht zu den Schöpfnngswerken des Herrn, der Tod ist nicht von Gott gewollt, geschaffen, beabsichtigt und herbeigeführt, der Schöpfer des Todes, das war nur der Mensch allein. Wie ist das zngegangen? Nur Gott der Ewige konnte bei der Erschaffung der Welt den Tod übersehen, denn der Tod gehört nicht zu seiner Schöpfung und in das Reich seiner ewigen Liebe und Herrlichkeit. Wir Menschen können aber den Tod nicht übersehen, denn er gehört gar zu viel in unser Leben hinein, und wenn wir uns die Augen verschließen und ihn nicht ansehen wollten, einmal bekommen wir ihn doch zu sehen, da stellt er sich riesengroß vor uns hin und wir müssen ihm folgen, ob nun unsere Lebenszeit schon voll geworden oder nicht. Es ist daher recht lehrreich, zu erfahren, wie der Tod, dieser finstere Feind des Menschengeschlechtes zur Welt gekommen, wir müssen das wissen, warum wir sterben und es ist gut, daß die heilige Schrift uns die uralte Kunde hiervon überliefert und aufbewahrt hat. Sterben, sagt sie uns, >var eigentlich dem ersten Menschen fremd, er war zum ewigen Leben bestimmt aber er war nicht zufrieden damit. Warum nicht zufrieden? Nun weil er noch immer nur ein Mensch war, er wäre gerne Gott geworden, daß eine höhere Macht über ihm stehe, die ihm etwas erlaubt oder verbietet, daß er die Lehre nrid Weisung, an die er sich zu halten hat, erst von Gott empfangen und nicht ganz seinem eigenen Wollen und Belieben

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