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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 254

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 Völkerleben, von denen in den heiligen Büchern unserer Lehre uns berichtet wird, damit sie zur Mahnung und Warnung dienen den koniinenden Geschlechtern, haben im Laufe der Zeiten in den mannigfachsten Gestaltungen sich wiederholt: das Paradies hat die Menschheit einmal verloren und es nie wieder gefunden. Daher erscheint uns das Alles so fremd und unverständlich, so unerklärlich und räthselhaft, was von dem Paradiesesleben der ersten Menschen und dem Ende desselben uns erzählt wird. Wie kennen diese Menschen nicht, wir kennen dieses Leben nicht, es ist alles, was an diese Zeiten uns erinnert für uns in den Nebel der Sage gehüllt, aus dem erst allmülig der klare Morgen geschichtlicher Erkenntnis hervorbricht. Allein, was wir da in das Reich der Sage verweisen, das ist doch nicht Alles so ganz erdacht und erdichtet, so willkürlich erfunden und aus der Luft gegriffen, wie wir mit unserer Denkträgheit oft anzunehmen geneigt sind, es liegt viel Sinn und Wahrheit in diesen uralten Ueberlieferungen, die im Bewußtsein der Menschheit sich erhalten haben, die die Grundlage der Geschichte bilden und oft mit dem geheimsten Ahnen und innersten Empfinden unserer Seele in einem so wunderbaren Einklänge stehen, als hätten wir selbst das Gleiche erlebt und gesehen, als wären es unsere eigenen Erinnerungen, die in ihnen sich wiederspiegeln. „Das verlorene Paradies"! Ist nicht in dem Laufe eines jeden Menschenlebens ein Kapitel vorhanden, dem diese Worte zur bezeichnenden Ueberichrift dienen könnten? Hören wir es nicht so oft, sagen wir es nicht wohl selbst auch gar häufig, daß die früheren Zeiten auch die besseren Zeiten gewesen seien? Meinen wir es nicht auch so, daß wir in den Tagen der Kindheit und Jugend viel glücklicher und zufriedener gewesen wären als in der späteren Lebenszeit?' Und in der That ist es ja auch so, indem ja jeder Tag, um den wir älter werden, unwiederbringlich verloren ist und dem Tode uns mehr entgegenführt. Es liegt in jedem Menschen etwas von dem Gefühl der Trauer um ein verlorenes Paradies, Weltschmerz pflegt man jene wehmütige Stimmung zu nennen, in der unsere Seele mit dem Bewußtsein sich abquält, daß diese Erdenwelt das nicht ist, was sie einst war und auch immer sein sollte. Ja die schöne Paradiesesherrlichkeit, von der die ersten Menschen sich umgeben sahen, die ihnen die Erde zu einem so lieblichen Aufenthalte gemacht, zu einem Garte» der Wonne, in welchem sie selbst als die schönsten Blumen prangten, aufblühten wie die Lilie» in des Lenzes goldenem Lichte, die himmlische Pracht und Glückseligkeit, die in so verschwenderischer Fülle über den Gefilden ihres Daseins ausgegvsse» lag, die ihnen das Herz erfüllte mit dem lieblichsten Entzücken und als eine Krone aus des Schöpfers Hand auf ihrem Haupte strahlte, wie war sie so bald entschwunden, wie hatten sie so kurz gewährt, so rasch sich verloren, als wäre das Alles nur ein holdes Traumbild gewesen, das bei dem ersten Erwachen verblaßt und erloschen ist, ein sonniger Schimmer, den der düstere Nebel begrübt. Nicht über Nacht hatte sie gedauert, diese Herrlichkeit, die dem ersten Menschen auf dieser Erde verliehen gewesen! Das Leben sollte er für alle Ewigkeit besitzen und mit dem Leben des Herzens Lust und des Daseins Wonne, die Gaben der Erde und die Segnungen des Himmels. Alles, was das Auge erfreut und das Herz erquickt und die Seele erhebt, aber noch war ein Tag nicht vergangen, da tvare» schon der Tod und der Fluch und die Last der Arbeit und der Mühsal, der Kampf mit dem wiederwärtigen Geschicke zum bleibenden Uebel, zum kläglicheil Erbe aller Menschheit geworden. Wie der

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