Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1891)
- Date
- 1891-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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253 anstatt „Komaz" o, anstatt „Zereh" ä, anstatt „Chirik" i, u. s. w. anszusprechen, das war schon ein bedeutender Fortschritt, eine große Erleichterung für die Kinder, um das Hebräischlesen zu erlernen. Doch die Anssprache des Alphabetes, nämlich statt „Bet" b, statt „Gimmel" g, oder gar, Ales und Ajin als Lautzeichen zu modifiziren, das wagte er gewiß noch nicht, da wurden ihn schon die damaligen Nabbiner und selbst das Volk als Ketzer erklärt und verdammt haben. So spricht er selbst in der ersten Anmerkung seines „Mesilas Halimud": „Ich finde es für notwendig hier anzumerken, daß die gewöhnliche Art unserer Elementarlehrer die zarte Jugend Hebräisch buchstabiren zu lernen, ganz wiedersinnig und beschwerlich ist, indem sie die Kinder gleich Anfangs bloß mit den uralten jüdischen Namen der Vokale, aber nicht mit ihren Lauten bekannt machen, daher es dem Kinde ganz undeutlich sein muß wieso: Komaz Bet-bo und Chaulom Bet-bau heißen soll, u. s. w. füglicher und leichter ist es, wenn man das Kind Anfangs blos mit dem einfachen Laut der Vokale bekannt macht. Man sagt ihm nämlich das Zeichen (*) heißt o, das Zeichen (••) heißt e u. s. w. dadurch wird es das leicht fassen können, wenn es das Alphabet buchstabiren lernt. Auch hat die Erfahrung gezeigt, daß nach dieser Methode Kinder binnen fünf Monaten fertig Hebräisch Lesen können", iNatürlich vor einem Jahrhundert, wo man mehrere Stunden des Tages dem hebräische,» Unterrichte zugewendet hat.) Später wagte man es auch, die Buchstaben nach Lauten auszusprechen, anstatt „Bet" b, anstatt „Dalet" d, anszusprechen und das Kind faßte leicht auf, überhaupt nach der Lautirmethode, daß b (-) ba heißt u. s. w. So wurde der hebräische Leseunterricht immer niehr verbessert. Das 19. Jahrhundert der Erfindungen hat auch auf dem Gebiete des hebräischen Leseunterrichtes Neues gebracht. Es entstand eine Fibelflut, wir zählen jetzt über achtzig Arten von hebräischen Fibeln,- unter denen die Fibel des seligen Religiouslehrers Redlich, und des bekannten jüdischen Schrifstellers Fuchs, hier in Wien, zu den besten gehöre», und noch bleibt Vieles in der Fibelliteratur zn wünschen übrig. So wäre auch eine gut illustrirte hebräische Fiebel wünschenswert, um dardurch den mechanische» hebräische» Leseunterricht mehr zu beleben und den kleinen Kindern den Unterricht durch Anschauung interessanter zu gestalten. Kommt Zeit, kommt Nath! Aas verlorene Paradies von Nabbiner Dr. N. Brüll, s. A. „Das verlorene Paradies." Das wäre so die rechte Bezeichnung, die passende Ueberschrift für den ersten der Toraabschnitte, der Name und Titel, der den Inhalt desselben auf das klarste andeuten und das am besten und treffendsten zum Ausdruck bringen würde, was wir der so lehrreichen Erzählung, die in demselben uns vorgetragen wird, zu entnehmen haben. Das verlorene Paradies! Eine längst versunkene Welt, die tief in der Nacht der Vergangenheit begraben ist, sehen wir bei diesen Worten gleichsam ans ihren Trümmern sich erheben, ein Bild aus den Urzeiten der Menschheit, aus denen nur dunkle Sagen zu uns herüberklingen, ist es, das da vor unseren Blicken sich entrollt. Alle die bedeutungsvollen Ereignisse im Menschen- und