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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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einer Fibel war im Altertume und auch im Mittelalter noch keine Spur vorhanden (Vergl. Ab. de Nab. Natan 6.). Solche kleine Täfelchen hatten die Schüler, woraus sie die Buchstabe» lernten, später mit einem Griffel (et) abschrieben, zu Wörtern bildete». Die bereits lesende Schüler hatten Memorir-Tabellen und Rollen (Megila), worauf biblische Stellen verzeichnet warendie eingeübt wurden (S. Gittin 60, Jona 37). Die damaligen Kinderlehrer knüpften schon an das Alphabet Sitten und Religionslehren an. So wird erzählt (Sab. 104): Ein Lehrer trug vor: Alef Bet bedeutet: Aluf Binoh, lerne vernünftig sein; Gimel Dalet bedeutet: Gemanl Dalim, sei dem Armen gemogen, sei wohlthütig, n. s. w. Wie aber Lehrer und Schüler beim hebräischen Leseunterricht sich abmüheten, und wie schwer es überhckupt den armen Kindern fiel, das Lesen zu lernen, selbst nachdem die Punktation erfunden war, ist daraus zu ermessen, daß man sowohl das Alfabet, als die Vokale in ganzen Wörtern benannte als: alef bes ginnnel, dalet, wie auch die Vokale: komaz, zere, chaulom, fchnruk und so weiter.) Der Lehrer trug den Kindern vor: komaz bes-ba; chirik, Gimel - gi n. s. f. Wie sollte das Kind das begreifen können, da der Gleichlant fehlte. Lehrer und Schüler, marterten sich ab, bis das nach und nach eingepnmpt wurde. Es kostete viel Zeit und viel Mühe, beide wurden in vollem Maße angewendet, und sie erlernten es doch; das Gedächtnis wurde dadurch gestählt, und das Erlernte haftete »in so besser. Und diese Methode hat sich forterhalten bis ans die neueste Zeit, noch Schreiber dieser Zeilen wurde so unterrichtet und gedenkt noch der Püffe und Stöße die er dabei erhalten hat. Bahnbrechend ans dem Gebiete des hebräischen Leseunterrichte s war Juda Leb den Seb (geboren zu Krakau 1764, gestorben in Wien 1811). Er lieferte eine Menge gediegener hebräischer Werke und herrlicher Gedichte. Sein „Talmud loschan Jbri", sein Hebr. deutsches und Deutsch hebr. Wörterbuch sind noch heute berühmt. Ans seiner Vorrede zu seinem letztgenannten Werke, entnehmen wir einige biographische Daten, die er uns mittheilt. Bis dreizehn Jahren genoß er Unterricht im Talmud bei seinem Vater, der ihm Hauslehrer hielt. Um diese Zeit, nämlich zu dreizehn Jahren mußte er schon in den Ehestand treten, so war es damals in Polen Sitte. Drei Jahre blieb er im Hanse seines Schwiegervaters, der ihn und seine Gattin verpflegte. Um diese Zeit verlor sein Vater durch eine Feuersbrnnst Hab und Gut, das verursachte, daß sein Schwiegervater unfreundlich und mürrisch gegen ihn wurde, der den Zufluß seines Vaters verloren hat. Da verließ Ben-Seb Weib und Hans und wunderte planlos fort, bis er nach Berlin kam in die Meteropole der Wissenschaft. Moses Mendelssohn traf er nicht mehr am Leben, er war ein Jahr früher gestorben. Dort fand er Gelegenheit seinen Wissensdrang zu befriedigen. Zn 21 Jahren veröffentlichte er daselbst das Buch „Emunot w' Deot" niit Cominentar und Anmerkungen und begab sich »ach Breslau, woselbst er zehn Jahre verweilte.' Daselbst verfaßte er seinen, „Talmud Loschon Jbri" und übertrug ans dem Aramäischem ins Hebräische das Buch „Ben Siro", versah es mit einem Cominentar und mit deutscher Übersetzung. Während dieser Zeit hat er wohl einigemal seine Frau besucht, aber sie war ihm entfremdet, und Zwistigkeiten führten endlich eine Scheidung herbei. Dann übersiedelte er nach Wien, da fand er Ruhe; denn sprach er, jetzt wohne ich unter einem Volke, das wohlthätigen Herzens ist. Hier richtete sich sein Auge ans die Verbesserung des hebräischen Leseunterrichtes und er verfaßte die erste hebräische Fiebel, genannt: „Mesilas Halimud". Er war der erste, der es gewagt hat, die Anssprache der Vokale in Laute zu verwandeln

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