Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 251

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969782-2969793--3366-2973271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

251 Zunz in seinem Werke: znr Geschichte und Lituratur, (Berlin 1855, S. 107,) bringt ein interessantes Kapitel über Punktatoren (Nakdonim) die sich mit den Vokalpunkten beschäftiget haben, wovon ich einiges anführeu will. Samuel der Nakdan, Verfasser eines Nikud. Moses der Nakdan ans London, Verfasser der Regeln über Pnnktation und Accente, die handschriftlich vorhanden sind, Abraham ben Lewi hat einen Pentatench vokalisirt. Jsak ben Salonion Nakdan im Jahre 1281 hat einen die Propheten und Hagiographen enthaltenten Codex vokalisirt. Jsak ben Menachem Nakdan hat einen Florentiner Pentateuch im Jahre 1291 m it Vokalen versehen. Es hat auch Punktatoren gegeben, welche die Vokalisation über die Buchstaben setzten. Ans dem Allen ist aber noch nicht erwiese», daß die Punktatoren zugleich die Erfinder der Vokalzeichen waren. Ihr Verdienst war nur daß sie mit denselben die Schriften versahen, was gewiß eine schwere und verdienstvolle Arbeit war. Als wahrscheinlich ist anzunehmen, daß die Massoreten nach dem Abschluß des Talmuds, nach dem 6. Jahrhundert, die eigentlichen Erfinder der Vokalzeichen waren. Schon in der frühesten Erziehung der Kinder war jede Handlung der väterlichen Religion zugewandt. Sollte der Knabe die heilige Schrift zu lernen anfangeii, wurde er gewaschen und reinlich gekleidet, von einem Lehrer, der ihn unter den Mantel nahm, nach der Schule begleitet und zu dem Schullehrer hingeführt. Hier bekam er mit Honig und Milch eingerührte Kuchen, Obst und ander°e Leckerbissen; sodann wurde ihm auf einer Tafel von Pergament oder Holz das hebräische Alphabet, vorwärts und rückwärts, vorgezeigt und vorgesagt, und die mit Honig besmchenen Buchstaben von dem Knaben abgeleckt, worauf er wieder zu seiner Mutter zurückgebracht wurde. Der Tag, an welchem er in der Schrift zu lernen begann, wurde als ein Festtag mit einem Gastmahl gefeiert. (Es ist kaum ein halbes Jahrhundert vorüber und Schreiber dieser Zeilen hat noch solchen Kinderfesten beigewohnt). Man begann mit dem Leviticus, (S. Rab. 3. M. c. 7) demselben Buche, das dem Knaben, als er den bürgerlichen Namen erhalten, in der Wiege unter den Kopf gelegt worden war. An einigen Orten geschah die erste Uebung in der Thora am Wochenseste mit Tagesanbruch. Man dekte die Kinder sorgfältig zu, um sie auf dem Wege nach der Schule vor dem Anblick unreiner und störender Dinge zu bewahren. Nach dem der Knabe dem Lehrer auf den Schoß gesetzt worden, ließ man ihn die Worte nachsprechen. „Das Gesetz hat uns geboten Moses, das Gesetz sei mein Geschäft." Auf bern Honigkuchen, den Einige nur von den Händen einer Jungfrau bereiten ließen, standen die Worte (Jesaia 50, 4. 5): „Gott, der Herr, hat mir eine Zunge für Lehrlinge gegeben, daß ich den Müden zu stärken wisse mit dem Worte; er erweckt ja am Morgen, erweckt mir das Ohr wie Lehrlinge zu horchen; Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet, und ich sträube mich nicht, weiche nicht." Auf der Schale eines gekochten Eies standen die Worte (Ezechiel 3, 3): „Er sprach zu mir: Menschensohn, nähre deinen Bauch und deinen Leib fülle mit dieser Rolle, die ich dir gebe. Ich aß, und sie war in meinem Munde wie Honig so süß." Beide Bibelstellen mußte der Knabe dem Lehrer Wort für Wort nachsprechen, worauf er Kuchen und Ei zu essen bekam. Man versprach sich von dieser Speise, daß sie dem Kinde Fassungskraft verleihe (Zunz G. und L. S. 167.) Aus andern Quellen entnehmen wir noch andere Hilfsmittel, den Leseunterricht zu erzielen. Man bediente sich einer Tafel (Luach), worauf das Alphabet und später auch die Vokalzeichen sichtbar waren; von einem a. b. c. - Buch oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.