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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 haben David zum Verfasser, denn lese nicht „koln", sie sind zii Ende, sondern „kol eln", alle diese und nachfolgenden Psalmen sind von David. Diese Lesevariation bezieht sich nicht nur ans die Vokale, hier werden Buchstaben eingeschobe», aus einem Worte zwei gebildet, somit kann das „al tikro" weder für das Alter ,noch für die Jugend der Punktation als Beweis dienen, Horen wir noch die Äußerung des Maimuui in seinem Buche (More Nebochim 3. Th. 43. Absch.): Bar Kafra lehrte, was will der Text bedeuten: („Wejossed theje lecho al Asanecho"). Einen Spitzflock sollst du neben deinen Waffen haben (5. M. 23, 14.), lies nicht „Asanecho", sondern „Osnecho", dein Ohr, wenn der Mensch etwas Unanständiges hört, soll er den Spitzfinger in das Ohr legen. Darum sind auch, wie Rabbi Elieser bemerkt, alle Finger spitzförmig. Darauf ruft Maimonides aus: Welch' ein sonderbarer Gedanke, wenn man thöricht genug wäre zu glauben, daß dieses eine ivahre Auslegung des Texte», daß dieses der wahre Sinn des Gebotes sei. Der Spitzflock nämlich soll den Finger, die Waffe das Ohr andeuten. Ich glaube nicht, daß derjenige, der bei gesunder Vernunft ist, so etwas denken wird. Aber es war eine Art rethorischer Schönheit; der Redner will die gute Lehre einprägen, daß das Unflätige nicht nur der Mund nicht ansspechen sondern, daß es das Ohr nicht einmal znhören darf, darum wendet er diesen Text gleichnisweise darauf an, und diese Bewandtnis hat es auch mit allen übrigen „al tikro", lese nicht so, sondern so, welche in der Textanslegung der Rabbiner Vorkommen. Wenn nun festgestellt ist, daß die Vokalzeichen im Altertume noch nicht vorhanden waren, sondern erst eine spätere Erfindung sind, und früher die hebräische Sprache nur aus Mitlauten bestand, wie hat man den Kindern das Lese» beigebracht? Wie sollten die Kinder wissen, wie man die drei Buchstaben D, W, P, welche „Wort" bedeuten, eigentlich lesen soll, ob: Dowor, Dauwer, Daber, Diber und Dewer, die doch dem Inhalte und der Bedeutung nach sehr verschieden sind? Ja, der Erwachsene, Geübte und Kundige, der bereits in den Geist der Sprache eingedrungen, dem wird der Inhalt, der Zusammenhang als leuchtende Fackel dienen, der wird schon die richtige Leseart herausfiuden, ob die vier Buchstaben w. j. sch. b. gelesen werden wajaschew, „verscheuchen" wajischb, „gefangen nehmen" wajeschew, „sich besetzen", oder wajoschow, „zurückkehren." Alle diese Wörter haben gleiche Buchstaben und sind doch so verschieden in ihrer Wurzel wie in ihrer Bedeutung. Wie bereits bemerkt, der kundige Hebräer wird die richtige Leseart aus dem Zusammeuhaug eerkennen, aber wie brachte man dem Kinde ohne Punktatiou, welche die Stelle der Selbstlaute vertritt, die richtige Leseart bei? Da bleibt nur eine Antwort, nachdem das Kind das Alphabet erlernt hatte, lvurden ihm die Wörter und Sätze von einein kundigen Lehrer so lange vorgesagt, bis der Schüler sie korrekt nachgelesen hat. Die.meiste Zeit wurde dem Lesen zugewendet, das ging so Jahre lang fort, und Übung macht den Meister. Später als die Zeit andere Ümstände und Verhältnisse herbeigeführt hatte, die Lehrgegenstände sich mehrten, das Judentum von der Außen» >velt mehr in Anspruch geuoinmen wurde, dem hebräischen Unterricht weniger Zeit zugemessen werden konnte, da mußte man auf Mittel trachten, den Leseunterricht zu erleichtern und man erfand die Vokale Wann, wo und von wem sie erfunden worden, das läßt sich nicht mehr genau bestimmen, es fehlen uns die Quellen dazu; doch wollen wir auch in dieser Beziehung unsere Vermutungen darlegen.

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