Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1891)
- Date
- 1891-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 3× ep/1005321
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249 weil sie ursprünglich unpunktirt war, und die Punktation erst eine spätere Erfindung ist (S.. Ber Haganlo das.). Für die Ansicht, daß die Vokalpunktation eine erst nachtalmudische Erfindung und Einsührnng ist, möge folgende Stelle aus dem Talmud (B. Batra 21.) maßgebend sein. Rabbi Dina aus Nehardea behauptet: Man stelle nur einen solchen Kinderlehrer an, der sich deutlich und gründlich auszudrücken versteht und auch bestrebt ist, rein und richtig das Lesen den Kindern beizubringe», wäre er auch weniger gelehrt; denn ein angewöhnter Sprachfehler ist schwer abzubringen. Bei dieser Gelegenheit erzählt er folgende Geschichte, welche jenem Zeitpunkte augehört als Joab, der Feldherr Davids, das ganze männliche Geschlecht in Edom ausrottete. Als er darauf dem David Bericht erstattete, fragte dieser: Was bewog dich so zu handeln, warum hast du nur das männliche und nicht auch das weibliche Geschlecht getötet? darauf erwiederte Joab: Es heißt ja in der Schrift (5 M. 25. 10.):" Du sollst das Männliche (Sochor) Amaleks vernichten, das setzt voraus das weibliche Geschlecht zu schonen. Wir lesen aber „Secher", das Angedenken, sprach David vorwurfsvoll. Darauf antwortete Joab. Mich lehrte mein Lehrer „Sochor" lesen. Dieses kleine Geschichtchen, und wenn es auch nur eine Legende ist, belehrt uns, daß sich der Talmud eine unpunktirte Bibel zur Zeit Davids gedacht haben muß, und daß es zur Zeit des Talmuds Lehrer gab, welche sich so manche Fehler beim Leseunterrichte zu Schulden kommen ließen, und gewiß darum, weil es noch keine punktirte Bücher gab, weil die Punktation noch nicht erfunden war. Das gewöhnliche Beispiel, ivelches die Verfechter des Alters der Vokalpunktation anfnhren, ist folgendes. Zur Bibelstelle (Jes. 54, 13 „kol Bonajich limude Adonai",) „Alle deine Kinder werden Lehrlinge Gottes, und groß wird der Friede deiner Kinder sein", bemerkt Rabbi Elieser (Berach. 64): („Al tikro") lese nicht „Bonajich". Deine Kinder, sondern „Baunajich" deine Erbauer, Fortpflanzer, welche das heilige Gesetz lehren und verbreiten und dadurch die Menschen erbauen, das sind („Talmide Chachomim") die Weisen und Gelehrten, diese verbreiten den Frieden". Aus solchen Correcturen wäre das Alter der Vokalpunktation zu entnehmen; denn wäre diese noch nicht vorhanden gewesen, wozu diese Correctnr, denn ohne Punktation kann man ja eben so gut „Baunajich", als „Bonajich" lesen, und solche „al tikro", lese nicht so sondern so. kommen im Talmud häufig vor. Aber das ist ein schwacher Stützpunkt und beweist gar nichts. Man muß ganz in dem Geist dieser Methode des Schlagworts „al tikro" eindringen, um zu erfahren, daß es eine bloße willkührliche Textänderung ist, ivelches entweder als bloßes Merkmal zur leichten Einprägnng und Errinnerung eines mündlich vorgetrageneir Gegenstandes oder zu irgennd einer allegorischen Anspielung, selten aber zur natürlichen Texterkläruug diente- Irgend eine sittlich moralische Sentenz, damit sie in« Gedächtnis besser hafte und eindringlich wirke, wurde an eine Bibelstelle angelehnt, und wenn der Text nicht recht passen wollte, so wurde er durch „al tikro", nicht lese so, sondern so, gefügig gemacht. Das war so eine Lehrmethode jener Zeit um die Pnnktation kümmerte mau sich gar nicht. Eben weil noch keine solche vorhanden war, hatten die Rabbiner leichteres Spiel. Diese Ansicht wird noch durch folgende Stelle im Talmud (Berach. 117) bestätigt. Die Rabbiner wollten alle Psalmen, um deren Wichtigkeit hervorzuheben, damit sie beim Volke mehr Eingang finden, dem König David zuschreiben, daß er nämlich der Verfasser aller Psalmen sei. Run heißt es aber am Ende des 72. Psalm: („Kolu Tefilass David beu Jischai"), die Gebete Davids sind hier zu Ende. Da lehrte Rabbi Mvir, alle Lobgesänge, welche das Buch der Psalmen enthält,