Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1891)
- Date
- 1891-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 gemeinsam in Schulen erhalten sotten (Jeruschalmi Kethnbot am Ende). Daselbst wird berichtet, daß es in Jerusalem 460 Bethäuser gab, und jedes Bethaus hatte („Bet Sefer Lemikro,") eine Kinderschule, wo Lesen und Bibel, und („Bet Sefer Lemischne") eine Schule, wo Mischuah und Talmud gelehrt wurde. Eine Erneuerung und Erweiterung erhielt die Verordnung durch den Hohenpriester, Josua ben Ganila, der gegen 70 nach j Zeitr. Schulen an atten von Juden bewohnten Ortschaften errichten ließ. Der Bericht darüber lautet: Es möge dieses Mannes nur zum Guten gedacht werden. Josua Sohn Gainla, hieß er, lebte er nicht, die Thora wäre in Israel vergessen Ivorden. Erst unterrichtet der Vater sein Kind, da geschah es, daß die verwaisten Kinder ganz ohne Unterricht anfwuchsen. Man traf die Anordnung, daß in Jerusalem Kinderlehrer angestellt wurden. Das genügte aber noch immer nicht, da nur die unterrichtete wurden, die nach Jerusalem kommen konnten, während die zurückgebliebenen Kinder, die der Armen, ohne jeglichen Unterricht blieben. Man stellte darauf Kinderlehrer in jedem Bezirke an, auch dies genügte nicht. Da ordnete der Hohepriester, Josua ben Gamla an, daß Lehrer in jeder Stadt eingesetzt wurden (B. Batra 2l.) „Die Gottesfurcht ist der Anfang alles Wissens," lautet ein Bibelspruch (Spr. 4. 7.) oder mit andern Worten, die Gottesfurcht muß dem Wissen voraus gehen, die sittlich, religiöse Erziehung ist die Grundlage der wissenschaftlichen Bildung. Wir können eben so gut behaupten: „Der Leseunterricht ist d er Aufang alles Wissens." Zuerst muß der Schüler, die Schriftsprache, durch welche er sich ausbilden will, richtig lesen lernen Ob jetzt in alter Zeit die Eltern selbst ihre Kinder unterrichtet haben, ob schon Schulen bestanden, wirft sich uns die Frage auf: Wie hat man den Kindern in der hebräischen Sprache, die nur ans Mitlauten besteht» den Leseunterricht beigebracht? die Antwort würde lauten: durch die Punktation, welche die Selbstlaute vertritt, >vie es auch jetzt geschieht. Nun folgt aber eine zweite Frage: Ist denn die Punktation so alt, wie das hebräische Alphabet, oder ist sie nicht erst eine spätere Erfindung? Darüber herrschen verschiedene Ansichten; es ist das ein alter Streit, der heute noch nicht entschieden ist. Elias Levita, Martin Luther, Ludwig Capellus und Andere halten die Punktation für eine spätere Erfindung. Die beiden Buxdorfe mit einem gleich starken Gefolge behaupten wieder, daß die Punktation zu den göttlichen Schöpfungen des grauesten Altertums gehöre. Auffallend ist es, daß der Talmud, der sonst jeden Haarstrich in der heiligen Urkunde zählt, wiegt und bespricht, keine Veranlassung fand, die Vokalpunkte zu erwähnen. Warum? Weil ihre Nichtexistenz in damaliger Zeit es verhindern mußte. Wären die Vokale vorhanden gewesen, welche Streitigkeiten hätten sie im Talmud veranlaßt. Dr. Johann Severin Vater in seiner hebräischen Sprachlehre, (Leipzig 1814,) bringt Seite 37 eine Abhandlung über das Alter der hebr. Vokalzeichen und benierkt ganz richtig folgendes: „Die Juden haben in ihren Synagogen durchaus unpnnktirte Thorarollen, und da sie sich immer an die ursprünglichen Gebräuche anzuschließen suchten, so ist diese gesetzliche Einrichtung Beweis von einer festen Tradition, daß die Bibel ursprünglich unpunktirt gewesen." Auffallend ist, daß Maimuni in seinem großen Werke, „Jad Hachasakah" (Hilchot Sefer Thora, 10. Abschnitt,) zwanzig Fälle anfzählt, die eine Thorarolle zur öffentlichen Vorlesung als unstatthaft erklären, und eine punktirte Thora, nicht dazu rechnet. Hingegen in „Jore Dea" (Abschnitt 274, 7) heißt es ausdrücklich: eine punktirte Thvrarolle ist unbrauchbar, und Rabbi Moses ben Nachman (Ramban) gibt als Ursache an,