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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 242

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 habe ihre Zahlungen eingestellt. Ist ein Jude Arzt oder Advokat, dann wird er im Staatskalender bezeichnet: Arzt jüdischer Nation, Advokat jüdischer Nation. Stiehlt ein Jude und man fragt nach dem Diebe, so heißt es: ein Jude war's. Zeichnet sich ein Jude durch Art und Bildung aus, dann sagen die Spötter: der bleibt doch ein Jude, und die Gutgesinnten sprechen: er mache seiner Nation große Ehre. — Stirbt ein Jude, wird er geboren oder getraut, dann hat das Frankfurter Wochenblättchen eigene gedruckte Jndengassen für jene Aus- und Einziehenden, und schwarze dicke Mauern von Tinte trennen die jüdischen Wiegen, Särge von den christlichen. Wer nun, gleich mir, diese Narrheit schon zwanzig Jahre betrachtet hätte, der würde sich auch daran gewöhnt haben, zürnend oder lächelnd, tadelnd oder bemitleidend, wie ich, ansznrnfen: Der ewige Jude. Ich bin mir des Zeitrechnungsfehlers in dem Dialoge, dem ich die Ueberschrift: Börne und Böckel verliehen, wohl bewußt, da Ludwig Börne bereits vor vielen Jahren gestorben ist, ivährend Dr. Böckel hierzulande lebt, und sein Unwesen treibt. Und nun das Zwiegespräch. Versetzen wir uns in irgend ein Hessisches Dorf. Bethörte Bauern sind in Menge vorhanden, auch an einigen überstudierten oder verkommenen Sprößlingen des geistigen Proletariats fehlt es nicht. I» Ermangelung eines Saals nehmen die beiden Redner aus zwei gegenüberstehenden Leiterwagen Stellung. Nun kann das Wortgefecht beginnen- Dr. Böckel, welcher seinen Haß gegen Juden und Judentum aus dem obengenannten Holst'schen Buche genommen, dessen einziges und letztes Exemplar er wahrscheinlich bei seinen archivalischen Studien in Marburg vorgefunden, will gerade das Wort ergreifen, als der ans seinem Grabe für einige Stunden wieder auferstandene Ludwig Börne den salbungsvoll beginnenden Antisenntengeneral überschreit, mit den Worten: „Wißt ihr, was Judenhaß ist? Ich will es Euch sagen. Der Judenhaß ist einer der pontinischen Sümpfe, welche das schöne Frühlingsland unserer Freiheit verpesten." „Schweig Jude!" rief es aus hundert Kehlen und Ludwig Börne verstummte. Nun ergriff Böckel-Holst abermals das Wort. Böckel: Ich teile die Welt in zwei Teile und nenne den einen Judentum, den anderen Nichtjndentum. Letzteres ist mir das fette Land, woraus Blumen und Kräuter sprießen, Vögel singen, Quellen murmeln und harmlose Schäfer schuldlose Tage leben. Das Judentum aber erscheint mir als ein wildes Meer, wo Haifische ranbeil und heuchlerische Krokodile betrügen, es ist eine Kloake voll Schmutzes. Börne: Ihre Rede, Herr Dr. ist eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und nur sich selbst vertvundet und vergiftet. Ihrer Einleitung ist nichts zu entnehmen, als daß Haß, Neid, Geiz — und wenn Sie diese Laster anch nicht einzeln aufzählen — Habsucht, Bosheit, Betrug, Rohheit, Gottlosigkeit und alle übrigen Untugenden bei den Juden wohnen. Freilich — so sollen Sie anderwärts eingestauden haben — gäbe es auch einige edle Juden, doch diese, fügten Sie damals gleich hinzu, sind nicht als Inden, sondern gleichsam als Christen zu betrachten, Böckel: Es ist zwar nicht zu leugnen, daß alle jene Gebrechen des Geistes und des Herzens auch unter den Christen zu finden sind; aber solche verworfene Menschen sind nur als Inden zu betrachten.

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