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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-11-01 · Heft 11 (1.11.1891) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 11 (1.11.1891)
Date
1891-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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243 B ö rne: Ihre Logik läßt Sie schmählich im Stiche. Könnten die Juden nicht auch so sprechen: Habsucht, Neid, Dummheit, Eitelkeit, Bosheit, Unduldsamkeit und die anderen ungenannten Laster haften an den Christen. Es giebt wohl einige, die davon frei sind, das sind aber edle jüdische Seelen und nicht als Christen anzusehen. Auch unter uns giebt es Taugenichtse, allein solche Ruchlose verdienen den Namen Jude gar nicht, sie sind Christen. Nun wenn das nicht toll ist, so sperrt Euere Narrenhäuser weit auf und laßt ihre Bewohner heranstreten, daß sie Lehrer, Prediger, Richter, Schriftsteller und Reichstagsabgeordnete werden. Böckel: Das konfuse Geschwätz dieses Juden verdient auch nicht die geringste Beachtung. Nur meinen Worten müßt ihr glauben, deiln ich spreche die lautere Wahrheit, er aber lügt wie gedruckt. Börne: Im Gegenteil. Ich bekomme Schwindel vom Zuhören. Mein schwacher Kopf vermag von Ihrem Gerede wenig zu fassen. Böckel: In frühere» Zeiten durften sich die Juden keiner Pferde zum Reiten bedienen; wollten sie einen Degen tragen, so mußte es auf der rechten Seite geschehen; wollte ein reicher Jude mit Vieren fahren, so sollten die Pferde hintereinander gespannt werden. Bei Lebzeiten des Vaters durfte der Sohn, noch weniger der Enkel heiraten; am Sonntag mußte eine Zahl Juden in die christliche Kirche gehen, um dort die Predigt anzuhören, wobei es unter schwerer Strafe verboten war, während der Predigt einzuschlafen. Börne: Nur ein Wort. Dieses vortreffliche Mittel, in den Kirchen, die schädliche Wirkung der Predigten zu verhindern, sollte die medizinische Polizei ailch für Christen anwenden. Böckel: Sein attisches Salz ist Frechheit. Ich fahre, ohne dem Einwande meines Gegners auch nur int Geringsten Beachtung zu zollen, in meiner Rede fort. Karl der Große hatte verordnet, daß der Vornehmste in jeder Judengemeinde dreimal im Jahre an den Kirchenthüren eine Maulschelle erhalten sollte. Ferner mußteil die Juden einen besonderen Leichenzoll erlegen. Börne: Der Leichenzoll ist eine den Griechen nachgeahmte Sitte — auch Charon erhielt ein Fährgeld; doch mit dem Unterschiede, daß bei den Griechen das Geld den toten, bei den Christen den lebendigen Schatzmeistern in den Mund gesteckt wurde. Böckel: Von einem Juden kann mail nur Ungezogenheit erwarten. Merket auf! Getaufte Juden konnten eines vorher begangenen Verbrechens wegen — was sich mit meinen Ansichten durchaus nicht verträgt — nicht gerichtlich belangt werden. Das war Unrecht, denn die Taufe spült die Schlechtigkeit nicht hinweg. Börne: Nun gereut mich das Geld, das ich für meinen Taufschein ausgegeben, durchaus nicht mehr. Böckel: Die Gültigkeit eines Jnjurienprozesses fand schon dann statt, wenn ein Christ einen anderen „Jude" hieß. Dahin muß es auch heute wieder kommen. Börne: Unter solchen Umständen war wenigstens dieses Gesetz ein weises. So zu denken gereicht dein allerchristlichsten Antisemitengeneral zur großen Ehre. Böckel: Noch stehen die Juden unter den Gesetzen des Staates, leider sind sie bis heute noch nicht vogelfrei geworden. Tröstet Euch, das wird bald geschehen. — Ihr werdet mir gewiß beipflichten, wenn ich behaupte, daß aus 21*

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