Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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238 indem er an den Bibliotheken zn München, Hamburg, Leyden, Paris nnd London dem Studium besonders bis dahin unbekannter, jüdischer Manuscripte hingegeben war. Hat er seinen Lieblingsgedanken „eine Geschichte der jüdischen Litterätur" zu schreiben auch nicht ansgeführt, so hat er doch wertvolle Beitrüge zu einer solchen geliefert, die stets Beachtung nnd Würdigung finden werden. Er hielt sich auch längere Zeit in Frankfurt a. M. auf und hat er sein geschütztes Werk „Zur Kenntnis der neuhebräischen religiösen Poesie" daselbst im August 1842 vollendet. Von. seinen vielen Schriften heben wir nur seine „Ehrensäulen und Denksteine zn einem künftigen Pantheon hebräischer Dichter nnd Dichtungen" und seine „Rabbinische Blumenlese" und „zur rabbiuischen Spruchkunde" hervor, die ihm ein ehrendes Gedenken in weiteren Kreisen sichern. Die Liebe zu den Dichtungen Jbn Gabriols und Jehnda Halevis hat er durch seine werthvollen Arbeiten geweckt und gefördert. Er stand in litterarisch freundschaftlichem Verkehre auch mit Heinrich Ewald. Dukes blieb den Idealen seiner Jugend unentwegt treu und verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens, sorglos und zufrieden in Wien, da teilnehmende Freunde und Verwandte ihn aller materiellen Sorgen überhoben. Sein Nachlaß, unter dem sich auch ein Bändchen hebräischer Gedichte aus seiner Jugendzeit befindet, wird von kundiger Hand gesichtet, zur Veröffentlichung gelangen. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes bleiben! — Herr Prof. Dr. Joses Frank in Uikolsburg wurde in die achte Rangklasse, also in den Rang eines Bezirksrichters, befördert. Er ist der erste jüdische Professor, dem diese Rangeserhöhung zu Theil wird, und erregt dieselbe um so größere Befriedigung, als Herr Professor Frank auch als Fachschriftsteller einen geachteten Namen besitzt. — In der Juli-Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Academie der Wissenschaften in Wien legte der Secretür zwei zur Theorie der biquadratischen Reste verfaßte Abhandlung von Herr Dr. War Mandl vor. Dr. Mandl ist einer der bedeutendsten Specialisten auf niathemathischem Gebiete und konnte es leider als Jude trotz seiner hohen wissenschaftlichen Begabung, von welcher er in vielen , Fachwerken rühmliches Zeugnis ablegte, zu keiner Stellung bringen und weilt gegenwärtig in Berlin, wo dessen großes Talent allgemeine Anerkennung findet. — In Losonc; wurde Herr Dr. Salomo» Spira früher in Kula zum Oberrabbiner gewählt und in Eokay Herr W. Kah. — In Grvß-Kikinda feierte am 16. August, das Ehepaar Salomon und Selene Sohn aus Mokrin sei» 65jähriges Hochzeitsjubiläum. Der Mann ist 88, die Frau 86 Jahre all, beide erfreuen sich noch seltener Rüstigkeit und Geistesfrische. Seit ihrer Verheirathung leben sie ununterbrochen in Mokrin und haben daselbst unter Lebensgefahr die schwere Zeit des Jnsurrectiouskriegs 1848/49 durchgemacht. Der Jubilar war durch 40 Jahre Vorsteher der Cultusgemeiude in Mokrin. Frau Helene Kohn hatte noch im vergangenen Winter dem Balle des Frauenvereins, dessen Präsidentin sie ist, beigewohnt, Das „eiserne Paar" erfreut sich der stattlichen Anzahl von 61 Enkeln und 27. Urenkeln. — Mau berichtet uns: In die Lipätvarer Strafanstalt wurde jüngst ein wegen Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilter Zigeuner gebracht, dessen Gesichtszüge einen ausgeprägt semitischen Typus aufwiesen. Er heißt Istok Anlal Klappstock und ist denn auch trotz seines Zigeunerthums Jude. Seine Vergangenheit ist nicht eben uninteressant. Er lebte in seiner Jugend mit seinen jüdischen Angehörigen in Schlesien. Als 17jühriger Jüngling verliebte er sich in ein mit einer Zigeunertrnppe ziehendes Mädchen nnd schloß sich selbst dieser Truppe an. — Herr Adolf Lazarus, Oberkantor von Hannover, wurde mit Stimmeneinheüigkeit zum Oberkantor an dem großen Tempel