Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 237 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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237 ist die Liebe!" neue Illustration erfahren. Das Drama blieb ungeschrieben. — In der Stadtverordneten-Sitzung zu Düsseldorf machte der Vorsitzende die Mittheilung, daß der verstorbene Banquier Herr Scheuer der Stadt 12000 M. zu wohthätigen Zwecken vermacht hat. — Der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in Derlin hat in dem nahegelegenen Pankow ein Grundstück erworben. Dasselbe soll den Lehrlingen als Heim dienen; dieselben sollen dort Quartier, Kost und Religionsunterricht erhalten. Als Hausvater und Religionslehrer wurde Herr Lehrer Wiblinsli angestellt. Der Bau bezw. Umbau des Hauses hat Herr Maurermeister Frankl» der das jüdische Taubstummeninstitut in dem Vororte Weißensee errichtete, übernommen. — In Lurcmburg wird nächstens ein großartiges Versorgungshaus, dessen Bau über eine halbe Million Franken gekostet und das von einem Angehörigen der Familie Peßratore anfangs dieses Jahrhunderts gestiftet wurde, eröffnet. Der 8- 18 der Statuten besagt: „Die Aufnahme in die Anstalt ist von dem religiösen Bekenntnisse unabhängig. Jedem Bewohner steht es frei, den Zuspruch eines Geistlichen seiner Confessio» entgegenzunehmen oder auch sich der Ausübung des Cnltus zu enthalte». Jedes Zureden und jede für Andersgläubige verletzende Aeußerung ist unsersagt." — Am 9. August feierte der in Dresden wohnende Dichter Hieronymus Lorin, geboren zu Nicolsburg, seinen siebzigsten Geburtstag. — Der erste Staatsanwalt zu Kleve erläßt folgende Bekanntmachung: Am Montag, den 29. Juni l. I. — dem Festtag Peter und Paul — ist zu Kanten der fünsjährige Knabe Johann Aegmann, der noch bis 'gegen 9x/a Uhr Vormittags in der Nähe seiner elterlichen Wohnung mitten in der Stadt mit anderen, gleichalterigen Kindern gespielt hatte, gegen Mittag vermißt und Abends gegen 61/s Uhr in einer nahegelegenen Scheune ermordet aufgefunden worden. Bisher hat über die Ausführung der That und die Täterschaft nichts eriilittelt werden können. Mit Zustimmung des Herrn Regierungspräsidenten zu Düsseldorf wird nunmehr für die Entdeckung der Thüterschaft eine Belohnung bis zur Summe von eintauseudzweihundert Mark ausgesetzt. Unter Bezugnahme hierauf ersuche ich Jedermann, der eine zur Sache dienende Auskunft zu geben vermag, dringend, solche umgehend und unmittelbar mir zugehen lassen zu wollen. — Bei dem 600 jährigen Jubiläum der Stadt Grande»; wurde auch in den beiden Synagogen daselbst Festpredigten gehalten. — Ein Alter von 102 Jahren erreichte die jüngst in Felleringen (Elsaß) verstorbene Frau Mark- — Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 leben in Derlin 79286 jüdische Seelen. — Die kühne That eines jüdischen Soldaten, des Gefreiten Israel, machte in Königstein (Sachsen) viel von sich reden. Auf der Festung gerietst eine Kaserne auf bisher noch unaufgeklärte Weise in Brand. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß man sich darauf beschränken mußte, die Familie des Oberstlieutenanls v. Egidy und des Stabsarztes Bech zu retten. Hierbei verunglückte der Gefreite Israel schwer, der mit eigener Lebensgefahr ein Kind des Stabsarztes den Flammen entriß. Während des Brandes war der Felsen in so dichten Nebel gehüllt, daß man selbst in dem am Fuße liegenden Städtchen Königstein das Feuer nicht bemerkte. — Am 3. August starb in Wien Herr Leopold Dukes, einer der tüchtigsten Mitarbeiter an dem Aufbau der jüdischen Wissenschaft der Neuzeit. Er wurde in Pressburg am 25 Januar 1810 geboren und war ein Schüler des berühmten Rabbiners Moses Sofer. Sein Erstlingswerk, mit dem er sich in die jüdische Litteratnr einführte, war eine Uebersetzung von Raschis Commentar zum Pentateuche. Er lvar unverheiratet und führte ein Wanderleben im Dienste der jüdischen Wissenschaft