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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 10 (1.10.1891) · p. Seite 233

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 10 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 233 (sequence 17)
Language
German
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— Wll - setzte Bibel in den Händen der Schüler vom sittlichen Standpunkte aus unbedingt verwerflich ist, so entsteht notwendig die Frage: Wodurch soll den Schülern die Kenntnis der ethischen und sozialen Gesetze der heiligen Schrift vermittelt werden? Zunächst jedenfalls durch den biblischen Geschichtsunterricht, welcher durch geeignete Bibelverse belebt wird, sodann iw reiferen Alter der Kinder durch die systematische Religionslehre, deren Grundsätze ebenfalls durch geeignete Bibelverse ergänzt werden. Jedoch all' dies genügt noch nicht! Hauptsache ist, daß den Schülern Gelegenheit geboten wird, die wichtigsten Stellen der heiligen Schrift, insbesondere der fünf Bücher Mosis im Zusammenhänge, und nicht nur in abgerissenen Sätzen kennen zu lernen. Zn diesem Zwecke bedürfen wir einer gekürzten Bibel in deutscher Uebersetzung, einer Bibel, die alle unpassenden Stellen aus dein Originale unberücksichtigt läßt und sich lediglich darauf beschränkt, die dem kindlichen Geiste zusagenden Stücke der heiligen Schrift in musterhafter Uebersetzung wiederzugeben. Wir find in der glücklichen Lage, ein derartiges Buch in der vortrefflichen „Kleinen Schul- und Hansbibel" von Auerbach zu besitzen, die es wohl verdiente, daß sie in sämtlichen jüdischen Schulen zur Einführung gelangte. Könnte letzteres ermöglicht werden, so wäre dadurch sehr viel gewonnen. Einerseits würde den Kindern ein vorzügliches Schulbuch in die Hand gegeben, in welchem sie auch während der Thorahvorlesung beim Gottesdienste die betreffende Stelle ruhig Nachlesen könnten, ohne daß Eltern und Lehrer irgend welchen sittlichen Schaden zu befürchten hätten, da alle anstößigen Stellen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit ferngehalten sind; andererseits aber, und das ist nicht minder wichtig, würde das liebgewordene Buch die Kinder auch in das spätere Leben begleiten und ihnen hier ein wertvoller Freund bleiben, zu dem sie in ihren Mußestunden immer wieder gerne zurückkehren. Den Gebrauch der Auerbach'schen Bibel im Unterricht denke ich mir etwa folgendermaßen: Die Lektüre derselben beginnt mit dem elften Lebensjahre des Kindes und reiht sich unmittebar an die systematische Religionslehre. Zu den in der letzteren durchgenommenen Abschnitten — mir schwebt dabei für die Volksschulen das Religionsbuch von Herxheimer vor — werden ergänzend die passenden Stellen der Auerbach'schen Bibel im. Z us a m m enhang gelesen; insbesondere ist das fünfte Buch Mosis zu wiederholten Malen, mit Erläuterungen seitens des Lehrers, im Unterricht vorzutragen. Die prophetischen Stücke werden ebenfalls insoweit berücksichtigt, als die einzelnen Abschnitte des Religionsbuches zu ihrer Lektüre Veranlassung geben, so daß das Kind im Verlaufe von drei Schuljahren sich eine Bibelkenntnis angeeignet, die es mit dem Geiste des Judentums aufs innigste vertraut macht und mit aufrichtiger Begeisterung und hingebender Liebe für den ethischen Gehalt unserer Religion erfüllt. Ich wenigstens bin fest davon überzeugt, daß ein Kind, von 12—14 Jahren, das die Gesetze der heiligen Schrift über das Verhalten gegen die Fremdlinge, ferner die Armengesetze, die Rechtspflege, das Prinzip der Gleichheit aller vor dem Gesetze, die Vorschriften in Betreff des Jubeljahres u. s. w., die alle in schroffem Gegensätze zu den Gesetzen Zer übrigen Völker jener Zeit stehen, ja zum Teil heute noch nicht erreicht, 'geschweige denn übertroffen sind, ich bin überzeugt sage ich, daß ein Kind, das alle diese Gesetze in seiner Muttersprache, in der es denkt und spricht und die darum am tiefsten auf sein Gemüt wirkt, auch nur ein eillziges Mal aufmerksam gelesen hat, mit heiliger Begeisterung erfüllt 20

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