Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 ganze Weltall ein Geist voll Weisheit und Güte'hindurchleuchtet, eine schöpferische Macht, von der alle Kraft des Lebens ausgeht, die die Unendlichkeit durchströint, wo ist er so rein so klar, so einfach ausgedrückt und doch so erhaben aufgefaßt als im Judentume? das Sittengesetz, das Besonnenheit, Gerechtigkeit, Selbstwürde, Nächstenliebe, Fleiß, Pflichttreue, Erbarmen, Demut, Genügsamkeit, Friedsamkeit, Familieniniligkeit, Veredlung des Herzens und des Lebens, des Denkens und Wirkens uns lehrt, wo wird es so ernstlich geboten, so Nachdrücklich eingeschärft, so wirksam gelehrt als in unserer Religion, die es in wahrhaft fehlloser Vollkommenheit uns vor die Seele führt? Und endlich wo lesen wir noch Mahnungen, die alle Feindschaft bannen, allen Zwiespalt tilgen, allen Haß entwurzeln wollen, Verheißungen, die den ewigen Völkerfrieden, die Verbrüderung aller Menschen, die allgemeine Beglückung durch Eintracht und Erkenntnis herbeizuführen bestinimt sind, als in den Büchern unserer Propheten, als in den Liedern unserer Psalmisten, als in den Werken und Schriften der altjndischen Weisen? Und das Alles ist nicht fremdes Geistesgut, das wir uns erst angeeignet, das wir erst im Laufe der Zeit uns erworben haben, das ist Besitz, den wir aus undenklicher Vergangenheit ererbt und mitgebracht haben, das ist echtes, ursprüngliches, unverfälschtes Judentum. In diesen Tagen, von denen der Prophet Zacharias sagt: daß alle Völker zusammenkommen werden, um ihr Verbrüderungsfest zu feiern, über die ganze Erde ein Zelt des Friedens aufzuschlagen, in welchem alle sich vereint sehen, sich als Glieder einer Familie betrachten werden, da sollen wir es erkennen, daß es der Geist des Judentums ist, der allein berufen und erkoren ist, solches zu vollführe», da sollen wir eintreten in das alte Zionsheiligtum, das ein Bethaus ist für alle Völker, weil darin die Lehren verkündet werden, die der ganzen Menschheit angehören, wenn sie einst die Lichthöhe ihrer sittlichen Vollendung erstiegen haben wird. Laßt uns Hinblicken auf jenen Fürsten, auf seine Macht, seine Größe, seine Herrschaft, seinen Reichtum, seine Weisheit, auf das Ansehen seines Namens, auf den Klang seines Ruhmes auf seinen vielgerühmten Namen, auf alle die Pracht und Herrlichkeit die ihn, ein erkorenes Glückskind, umgab. Ein Gott auf Erden wurde es ihm dennoch nicht schwer, in Ehrfurcht zu huldigen dem Gotte im Himmel und Dank und Anbetung darzubringen dem Vater aller Gnade. So sehen wir die echte Frömmigkeit, die freie Frömmigkeit, wie einen funkelnden Edelstein ihren Glanz verbreiten in dem Heiligtume des einen Gottes. Ja, unsere Vorfahren standen uns in sittlicher Erkenntnis nicht nach, sie wußten, was wir wissen, ihre Religion war ebenso lauter, wie die, welche wir als die rechte erkennen und das erste Gebet, das in dem Tempel zu Jerusalem erklang, enthält schon alle die Wahrheiten, die unsere Propheten uns gelehrt, an denen wir uns heute noch erheben. Wissenschaft, sagen wir, sei die Seele der Religion und siehe da, an der Spitze des Tempels strahlte die Schrift der Lehre, standen die Tafeln des Bundes, waren Gesetze ausgezeichnet, welche den Geist beschäftigen, den Gedanken wecken, das Wissen verbreiten. Friedliche und liebevolle Gesinnung gegen alle Menschen, sagen wir weiter, müsse von einer Religion ausgehen, der wir unser Herz öffnen und siehe da, der König legt im Hause Gottes die Herrscherkrone nieder und wendet sich zu dem Volke und hat nur Gefühle des Dankes und Worte des Segens auf den Lippe». Und nicht blos für Israel allein weiht er diese Stätte der Andacht und der Erhebung vor Gott: „Auch der Fremde, der Heide, der nicht dem Geschlechte Israels entstammt, er soll, wenn er das Heiligtum