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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 10 (1.10.1891) · p. Seite 220

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 10 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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220 „Gott ist mein Heil", das ist die Lehre des Versöhnuiigstages, an dem wir erkennen, daß wir durch die ernstliche Bekehrung und durch die willige Ergebung in den Willen des Allerhöchsten uns die Wege des ewigen Heiles bahnen. Neujahr und Versöhnungstag, Anfang und Ende der hochheiligen Bußzeit, in der wir unserem Gotte uns annähern, sic wollen auch Wegweiser auf unsere Lebensbahn uns werden und uns lehren, daß unser ganzes Dasein vom Anfang bis zum Ende von der Gnade Gottes geleitet ist und einer göttgeweihten Bestimmung dienen soll. Mit dem neuen Jahr beginnt für uns ein neues Leben, es führt in eine neue Zukunft uns hinaus, die uns noch dunkel und verborgen ist. Wo finden wir das Licht, das ihre Pfade uns erhellt. Ist es unsere Hoffnung, die uns täuscht? unsere Weisheit, die uns irreführt? oder gar der starre Eigendünkel unseres Herzens, dem wir blindlings nachgehen? Der Weg der Frevler geht immer nur in die Finsternis hinein, sie wissen gar nicht, wie sie sich selbst den Sturz bereiten und das Heil ihrer Seele untergraben. Wir haben nur ein Licht, das uns den düsteren Erdenpfad erhellt und auch in der Nacht der Leiden nicht erlischt. Es ist das Licht Gottes in unserer Seele, das Licht des Glaubens, das die Sonne des Friedens, die Sterne der Hoffnung in unserem Herzen niemals untergehen läßt und in allen Prüfungen des Lebens die ewige Liebe Gottes uns zu erkennen gibt. Und daß diese allwaltende göttliche Liebe auch über den Tod uns erhebt, über das Grab uns den Weg zum ewigen Leben leitet, das zeigt uns der letzte in der Reihe der heiligen Tage, der Tag der Versöhnung vor dem Herrn. Wir sind an ihm für die Erde abgestorben, abgestorben für ihre Freuden und Genüsse und wir leben ein Leben des Geistes, in welchem wir über die Vergänglichkeit uns erhoben fühlen und unsere Seele in das Reich des Ewigen hiueintragen. Geschwunden ist aller Kampf, die Begierden schweigen und ein heiliger Friede ist in unser Herz eingezogen und wir sind versöhnt, versöhnt mit unserem Gotte und mit uns selbst. Das ist das Bild des Todes im Lichte der Religion. Wir sterben und wir leben, wir sterben für die Erde und wir leben vor Gott. Das Leben war ein Kampf, der Tod ist der Friede, das Leben >var ein Leichenzug, ein Gang zum Grabe, der Tod ist die Gottesnähe, der Weg zum Lichte, das Leben bringt die Sünde, die uns mit Gott entzweit, der Tod die Ergebung, die uns mit Gott versöhnt. Darum können wir getrost auch dem Tode entgegengehen. „Und wenn ich auch im Thale der Todesschatteu wandte, ich fürchte nichts, denn du bist mit mir, der Glaube ist der Stab meines Trostes, das Gottvertrauen die unerschütterliche Stütze meines Heiles." Und so wollen wir denn auch nicht mit düsterer Sorge und Bangigkeit den kommenden Zeiten entgegensehen, sondern mit dem Ernst des Gottesbewußtseins, mit der Weihe des Glaubens uns ausrüsten und mit dem Rufe „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wen sollte ich fürchten, der Herr ist die Stütze meines Lebens, warum sollte ich zagen," den Gang in die neue Zukunft antreten, deren Pforten sich uns erschließen. Bleiben wir treu unserer erhabenen Bestininiung, treu der Lehre der Wahrheit, dem Gebote des Rechtes und der Tugend, treu unserem Gotte, dessen Namen wir heiligen und verherrlichen und seine väterliche Gnade wird auch der Ewige uns bewahren und in seiner Liebe uns hüten, uns schirmen, uns nicht verlassen, nicht im Leben und nicht im Tode!

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