Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 213 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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213 bürg, Stettin und Bremen thätigen Männer zu danken, daß die Auswanderung glatt und ohne Störung verläuft. Mit besonderer Genugthuung ist zu erwähnen, daß die östreichische Wohlthätigkeit die hiesigen Einrichtungen für nachahmenswert erachtet und demgemäß sich dem deutschen Hilfswerk angeschlossen hat. — Ueber die Sterblichkeit der Menschen auf der Erde berichtet ein englisches Blatt: Dieselbebeträgt jährlich 33.333,333. Jeden Tag sterben 91325 jede Stunde 3805, in jeder Minute 63 Menschen. Im Durchschnitt überlebt der Mensch nicht das 33. Jahr. Der vierte Teil stirbt vor dem 8. Jahre Die Hälfte unter Vollendung des 17. Jahres. Von 10000 Menschen erreiche nur einer das 100. Lebensjahr. — In Vilsen wurde Herr Dr. PosnnnM bisher in Keichenberg zum Rabbiner erwählt. — Am 29. Juni starb nach langem Leiden, welches er sich durch einen unglücklichen Fall zugezogen hatte, Herr Rabbiner Dr. Abraham S. Feuerstein in Steinbruch im 52. Lebensjahre. — Die Feier des 70. Geburtstages des Herrn Dr. Adolf IellineK, Prediger der israelitischen Cultusgemeinde in Wien wurde am 27. Juli unter Teilnahme der weitesten Kreise des In- und Auslandes begangen. Es langten 240 Telegramme und 433 Briefe und Gratulationskarten an. Der Mendelssohn-Verein in Frankfurt, der an dem Jnbeltage eine Sitzung abhielt, beglückwünschte sein Ehrenmitglied ans telegraphischem Wege und wurde in seinem Organe, diesen Blättern, den Gefühlen der Verehrung für den Jubilar Ausdruck gegeben. — Der Erzbischof von Kalorsa, Kaynald, ist am 5. Juni gestorben. Als der Antisemitismus in Ungarn drohend sein Haupt erhob, und in den Komitaten jenseits der Donau und im'Oberlande bereits Blut geflossen war, richtete er einen flammenden Hirtenbrief an seine Gläubigen, in welchem die goldenen Worten geschrieben standen: „Der Antisemitismus — nennen wir doch das Kind beim rechten Namen — verdient überall, wo er wüthet und die Feindseligkeit gegen die Juden schürt oder gar in blutigen Exzessen losbricht, die Verdammung eines jeden vernünftigen Geistlichen, der da weiß, daß wir die Diener jener Religion sind, welche das göttliche Symbol der Liebe zu den Menschen vorausträgt und selbst zum Zwecke der Verfolgung oder Bestrafung des entschieden Bösen weit eher die Barmherzigkeit Gottes, als die Mittel des Hasses zu Hilfe ruft. Es ist daher eifrig und fromm Alles zu bekämpfen, die Bewegung gegen die Juden wie deu sogenannten theoretischen Antisemitismus, von dem man im Voraus nicht absehen kann, welche Formen er schließlich annehmen werde. Das Eine wissen wir: woher jede solche Bewegung stammt und wie sie im Anfang aussieht, aber wie weit sie gehen wird, wohin sie gelangt, welche Gestalt sie in der Empörung des Volkes und in der Aufwühlung der menschlichen Leidenschaften annehmen wird, das vermag Niemand vorherzusagen. Im Namen der christlichen Menschenliebe muß daher zum Schutze der verfolgten Juden das Symbol unseres Glaubens, das Kreuz, erhoben werden." — Der Reformirte Bischof Gabriel Pap in Komorn, der in einem warm gehaltenen Aufruf für Unterstützung der russischen Juden eintrat hat von Seiten jüdischer Corporationen und Rabbiner an ihn gerichtete Dankschreiben unter Anderem mit deu Worten beantwortet: Wer seine Pflicht erfüllt verdient keinen Dank. Ich erfüllte blos meine Pflicht als Mensch und Priester, als ich im Interesse unserer unschuldig verfolgten ihrer Habe beraubten israelitischen Mitbrüder meine schwache Stimme erhob. — Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien wählte den Baron Arthur von Suttner zum Präsidenten. Der Verein zählt bereits 1100 Mitglieder. — Aus Wattersdorf in Ungarn wird berichtet: Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe wurden von unbekannten Thätern 48 Grabsteine aus de» Grabhügeln gerissen