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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 9 (1.10.1891) · p. Seite 212

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 9 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 212 (sequence 20)
Language
German
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212 Die Stadtverordneten in Main; haben einstimmig den Betrag von 4250 Mark zur Vornahme von Rejtaurirungsarbeiten auf dem alten israelitischen Friedhof bewilligt. — Herr Freiherr v. Scharffenberg aus Kalkofen im Kreise Eschwege, Majoratsherr und preußischer Husaren-Rittmeister der Reserve, spendete kürzlich zum Synagogenbau in Wannfried den Betrag von 900 M. — In Groß-Gerau wurde am 26 Juni der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt. — Ani 21. Juni fand in Darmstadt die erste Generalversammlung des „israel. Lehrervereins des Großh. Hessen" statt. — Herr Earl Paasch, der Verfasser der sensationellen Broschüre „Eine deutsch-jüdische Gesandtschaft" ist unter der Anklage der Beleidigung des auswärtigen Amts in Leipzig in Haft genommen worden. — Gelegentlich einer Versammlung der hessischen Geistlichen in Marburg fand eine Besprechung derselben über den Antisemitismus und die Stellung der Geistlichen zu dieser Frage statt. Das Gesammtbild läßt sich aus der stattgefundenen lebhaften Diskussion dahin zusammenfassen, daß alle anwesenden Geistlichen ohne Ausnahme ihre Mißbilligung über das Umsichgreifen des die christliche Nächstenliebe höhnenden Antisemitismus aussprachen und dafür eintraten, durch Wort und Schrift gegen weitere Verbreitung thätig sein zu wollen, denn die hessischen Pfarrer seien durchweg keine Antisemiten. — In der Halle'schen „Saalezeitung" begegnen wir folgendem Inserat: Aus Berlin kommend, empfehle ich mich den hiesigen Damen — soweit sie nicht der jüdischen Religion angehören — zur Anfertigung eleganter Danieiikvstüme unter Garantie für guten Sitz. Fr. L. Horn, Anhalterstr. 9a. I. — Bezüglich der Mischehen zwischen Christen und Juden in Preußen giebt die Zeitschrift des Statistischen Bureaus in Berlin für 1890 folgende Zahlen an: Es heirateten 101 evangelische, 45 katholische und 4 sonstige christliche Männer jüdische Frauen, 157 jüdische Männer 131 evang., 24 katholische, 2 sonstige christliche Frauen. Bei 2503 Eheschließungen waren beide Teile jüdisch. — Das deutsche Central-Comitö für die Russischen Juden in Kerlin sendet uns Folgendes zum Abdruck: Zur Ergänzung früherer Mitteilungen können wir heute berichten, daß die Aufgaben des hier bestehenden Deutschen Central-Comitas für die russischen Juden inzwischen ihrer Erfüllung näher gebracht worden sind. Das Comita hat an der ostpreußischen Grenze nämlich in Memel, Tilsit, Insterburg, Eydkuhnen, Lyck und Königsberg sechs, an der oberschlesischeu Grenze fünf Grenz- Komitt'-s in Ratibor, Myslowitz, Kattowitz, Lubliuitz und Laurahütte errichtet. Ausgabe der Grenz-Koinitas ist es, diejenigen Auswanderer, welche zur Auswanderung gedrängt und hilfsbedürftig sind, aus der Zahl der die Grenze überschreitenden auszuwählen, sie mit Fahrkarten bis zum Hafenorte und, soweit erforderlich, mit Schiffskarten bis an ihr Endziel, sodann aber auch mit einigen Reisemitteln und Mnndvorrath bis zum Hafenorte zu versehen. Hierdurch wird ermöglicht, daß die Auswanderer nur kurze Zeit in Deutschland zu verweilen brauchen. Selbstverständlich ist aber auch dafür gesorgt, daß die Auswanderer unterwegs an denjenigen Orten, an welchen sie sich einige Zeit aufhalten müssen, mit Erfrischungen versehen werden. Gleichzeitig ist das Deutsche Central Komitö eifrig bemüht gewesen, den Auswanderern eine neue Heimat zu bereiten. Natürlich ist die Frage, in welchem Lande die Flüchtlinge uuterzubringen sein werden, eine so schwierige, daß ausgedehnte Erkundigungen und langwierige Verhandlungen vorangehen müssen, bevor die entscheidenden Entschlüsse gefaßt werden können. Bei der Beförderung der Auswanderer war die Thätigkeit der in den Deutschen Hafenstädten errichteten Hilfkomitös von großer und wesentlicher Bedeutung; in der That ist es hauptsächlich der eifrigen Arbeit aller der in Ham-

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