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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-10-01 · Heft 9 (1.10.1891) · p. Seite 207

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 9 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 207 (sequence 15)
Language
German
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207 aufkommen zu lassen, als ob es die Erwählung zum Träger der Offenbarung seinem Verdienste und seiner Würdigkeit beizumessen habe; vielmehr sollte diese Erwählung als ein Gnadenakt, aus dem freien Willen Gottes hervorgegangen, angesehen werde», und in der Ofsenbarnngsgeschichte ist an die Auserwältheit aus allen Völkern ausdrücklich die Bedingung geknüpft: „Wenn ihr meiner Stimme gehorchen werdet und meinen Bund bewahret: so sollet ihr mir sein ei» teures Eigentum aus allen Völkern" (II. 19, 5) und die Bemerkung hinzugefügt; ..denn mein ist die ganze Erde", was als Erklärung zu den Worten: „aus allen Völkern" nur bedeuten kann: Es ist meine freie Wahl da ich auch jedes andere Volk hätte wählen können. Im fünften Buche Mosis (7, 7, 8.) heißt es: „Nicht weil ihr mehr als alle Völker seiet, erkürte euch der Ewige und erwählte euch; denn ihr seid ja das geringste unter allen Völkern. Sondern weil der Ewige euch liebet und weil er den Schwur halten will, den er euren Vätern geschworen" und dieser Schwur und diese Verheißung — sie liegen in dem an Abraham gerichteten Worte: „Sei ein Segen!" „Durch deine Nachkommen sollen gesegnet werden alle Völker der Erde" (I. 22, 18). Also: „Höret ans meine Stinnne, nnd wahret meinen Bund!" „Heiliget euch, so werdet ihr heilig sein!" „Werdet ein Segen unter den Völkern der Erde!". Diese drei Worte waren von jeher nnd werden ewig sein, die Bedingungen und die Grundgedanken deiner Auserwältheit, o Israel! II. Was nun den jüdischen Nationalgott betrifft, der von unseren Feinden nnt so großer Vorliebe in's Treffen geführt wird, und der durchaus ein zürnender furchtbarer R a ch e g o t t sein soll im Gegensätze zu dem Gotte der Liebe, der erst mit dem Entstehen des Christentums in das Bewußtsein der Völker eingeführt worden wäre: so liegt dieser Anschauung zunächst ein großer Jrrthum — nennen wir es so — zu Gninde. Da ist vor allem die berühmte Stelle im Dekalog (II. 20, 5.), welche die göttliche Ungerechtigkeit bezeugen soll, daß er „die S'ch u l d der Väter ahnden wolle an Kindern, am dritten und vierten Ge schlechte", wobei aber verschwiegen wird, daß es im folgenden Verse heißt, „daß er aber Gnade üben wolle poch im tausendsten Geschlechte", bei denen die mich lieben und meine Gebote beobachten, so daß selbst bei der gedachten engherzigen Auffassung die erbarniende Liebe Gottes noch immer weit größer erscheint, als seine strafende Gerechtigkeit Nun aber heißt es in der angefeindeten Stelle ausdrücklich: „bei d e n e n d i e mich hassen", d. h. wenn die Nachkommen i» den Sünden der Vorfahren verharren, wodurch zugleich eine psychologische, oft genug durch die Erfahrung bestätigte Wahrheit angedentet wird, daß die Kinder gewöhnlich in die Fußtapfen der Eltern trete». Die Stelle enthielte also auch die bedeutsame Warnung an die Eltern: Hütet euch vor der Sünde; denn durch sie versündigt ihr euch auch an euren Nachkommen, die euere Schuld mitzubüßen haben. Genau das Gegenteil jener verkehrten Deutung ist auch ansgedrückt in der Stelle (5. Mos. 24, 16) „Väter sollen nicht sterben für Kinder, und Kinder sollen nicht sterben für Väter; Jeder soll für seine Sünde sterben." Dem aufmerksamen Leser der heiligen Schrift braucht es nicht gesagt zu werden, daß er die Verkündigung der reinsten versöhnensten Liebe, der höchsten Gnade und Barniherzigkeit in zahllosen Stellen antrifft. Es sei nur noch auf die wunderbar schöne nnd erhabene Stelle im zweiten Buche Moses (33 u. 34) Hin-

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