Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Civilgesetzbuchentwurfe für das Deutsche Reich nicht fehle». Allein die Materie wird als zn schwierig für eine einheitliche Gesetzgebung betrachtet und blieb deßhalb leider unbeachtet. Die deutsche Landwirthschafsgesellschaft fühlt diesen Mangel und hat deßhalb einen Sonderausschuß für „Wasserrecht" berufen, welcher sich zur Zeit mit der Lösung der Wasserfrage beschäftigt. Was dabei herauskommt, wird die Zeit lehren. Nach dieser wohl für manchen Leser unerquicklichen Excnrsion auf dem Gebiete unserer durch und durch verfehlte» Wasserwirthschaft wollen wir tvieder zurückkehre» zu unsere» vielleicht rath- und thallosen Colonisten im „Gelobten Lande" wo Milch und Honig fließen soll, n»d auch fließen kan» »nd fließen muß, wen» es den wohlwollenden und vielvermvgenden Patronen der hartbedrängten Israeliten gelingt, einen geregelten Wasserhaushalt als Vorbedingung einer gesegneten Wasserwirthschaft ins Dasein zn rufen. Unzweifelhaft brachten die Israeliten bei ihrem Anszuge ans Aegypten den Sinn für wasseiwirthschastliche Anlagen mit nach Palästina. (Vergl. die Biblischen Altertümer von Pfr. Ad. Kinzler, Calw, in Stuttgart 1884. 2. Abschnitt. Die Arbeit der Israeliten. 1. Die L a n d w i r t h s chaf t. §. 95 Die Entwicklnn g des Landba nes.) Jnsolange diese Bestrebungen nachhielten war gewiß Glück »nd Wohlstand im Lande Mit Ueberhandnahme der politischen Wirre» war aber der wirthschaftliche Verfall unvermeidlich und tvas menschliche Intelligenz und menschlicher Fleiß im Laufe der Zeit geschaffen haben, gieng allmählig zn Grund, so daß das heutige Palästina kaum noch Spuren seiner ehemaligen Fruchtbarkeit erkennen läßt. Die Bedingungen einer glücklichen Wiederbelebung des Landes sind aber unzweifelhaft vorhanden, das beweist uns die oben citirte hochinteressante Schrift von Professor Dr. Oskar Fraas. Dieselbe enthält namentlich de» Nachweis von der großen Empfänglichkeit und Dankbarkeit des dortigen Bodens für die Bewässerung und von dem vorhandenen Wasserreichtume des Jordanflußes, welcher dem tobten Meere innerhalb 24 Stunden 6 Millionen Tonnen in 1000 Liters Wasser, d. h per Sekunde 70 Cubikmeler zuführt. Außerdem fließen viele Gewässer ans Palästina dem Mittelländischen Meere zu nnd läßt sich recht wohl annehmen, daß alle Voraussetzungen vorhanden sind, um der Colonie eine auf rationelle Wasserwirthschaft basierte glückliche Zukunft zu garantiren Ohne eine durch das gesummte Colonialgebiet verzweigte rationelle Wasserwirthschaft, welcher ein ebenso rationeller Wasserhaushalt vorausgehen inuß, würde man nie auf einen grünen Zweig kommen. Noch ein Wink mag erwähnungswerth sein. Man dulde keine Zerstückelung des erworbenenen Grund und Bodens. Derselbe muß Genossenschaf t s e i g e u t h u in, also nnvertheilt bleiben und ebenso genossenschaftlich bewirthschaftet lind verwaltet werden. Nur unter dieser Voraussetzung werden die wasserwirthschaftlichen Anlagen erhalte» bleiben. Gerne hätte der Verfasser statt der Niederlassung in Palästina einen anderen Plan empfohlen, und verweist zn diesem Zwecke auf die nachfolgenden, der Deutschen Landwirthschaftlichen Presse No. 56. v. 15. Juli d. I. entnommenen Notizen. „Wie stark die Auswanderung von Arbeitern in der Provinz Ostpreußen in den letzen Jahren um sich gegriffen hat, ergiebt sich aus einer leider nicht, vollständigen Zusammenstellung der Angaben, welche infolge einer Anfrage des