Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 9 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorsitzenden der Gewerbekanimer von den Herren Landräten der Provinz Ostpreußen in Bezug auf die leerstehenden Arbeiterwohnnngen gemacht worden sind. Es wurde hiernach ermittelt, daß im Jahre 1890 in den einzelnen Kreisen der Provinz folgende Zahl von Arbeiterwohnungen leer standen: Kreis Allenstein 138, Braunsberg 119, Pr. Cylau 365, Fischhansen 76, Friedland 287, Gerdanen 141, Heiligenbeil 54, Heilsberg? Pr. Holland 222, Königsberg (Land) 23, Labiau 96, Memel 42, Mohrungen 173, Neidenbnrg 412, Ortelsbnrg?, Osterode 127, Rastenburg 248, Rössel 75, Wehlau, 314, Angerburg 327, Darkehmen 359, Goldap 92, Gumbinnen 171, Heydekrug 68, Insterburg 348, Johann'isburg 93, Lötzeu 195, Lyck 208, Niederung 154, Oletzko 270, Pillkalleu 208, Nagnit 152, Sensburg 224, Stallupönen 204, Tilsit 48. Gesamtzahl der lehrstehenden Arbeiterwohnungen 6015. Abgesehen davon, daß in vorstehender Zusammenstellung Angaben aus den Kreisen Heilsberg und Orlelsburg fehle», läßt sich annehmen, daß auch in den übrigen Kreisen die Zahl der leerstehenden Wohnungen zur Zeit größer, als angegeben ist, teils weil die gemachten Angaben nicht überall vollständig erstattet sein werden, teils weil bei dem tetzteil Umzugstermin wiederum ein nicht unbedeutender Abzug von Arbeiterfamilien stattgefnnden hat. Ferner geht ans den gemachten Angaben hervor, daß in ben letzten fünf Jahren 36 375 Personen aus der Provinz ansgewandert sind." „Zum baltischen Centralverein gehören die Kreise Anktani, Demmin, Ueckermünde, Uiedom-Wollin, Franzbnrg, Greifswald, Grimmen, Rügen und Stralsund, Die Arbeiterverhältnisse in diesen Kreisen werden von dem „Jahresbericht" des Centralvereins als recht traurige geschildert. Auf den Gütern fehlen nicht nur Knechte, Hausmädchen und Hofgänger, sondern es zeigt sich auch Mangel an Taglöhnern, sodaß häufig Katenwohnungen an freie Arbeiter vermietet werden, um dieselben nicht leer stehen lassen zu müssen. Für das Sommerhalbjahr werden männliche und weibliche Arbeiter in großer Anzahl ails Preußen und Posen herangezogen, teils um bei dem vermehrten Hackfruchtban, als besonders dafür geschickt, verwandt zu werden, teils um die überhaupt fehlenden Arbeitskräfte auch im Gesindedienst zu ersetzen. — Die Landlente machen sich gegenseitig ohne Bedenken Konkurrenz und entziehen sich durch Mehrgebote die für den Sommer oder für die Ernte angenommenen Arbeiter." Ferner sei erwähnt, daß nach Mentzels u. Lengerke's Land-u. Forst-Kalender 1891, II. Theil, viele Preußische Domänen pachtfrei werden und zwar pro 1892 im Ganzen 40 Domänen von 50—900 Hectar, im Jahr 1893 im Ganzen 46 Domänen von 30 — 1300 Hectar Fläscheninhalt in den verschiedensten Regierungsbezirken. Wenn man die Klagen über Auswanderung von Arbeitern, überhaupt über Arbeitermangel hört so sollte man glauben, es müßte unter den obwaltenden Verhältnissen hoch willkommen sein, wenn es die Patrone der russischen Israeliten fertig bringen könnten die Colonie nach Deutschland zu leiten, beziehungsweise als Gesammtpächter oder als Käufer aufzutreten, und unter gleichzeitigen rationellen wasserwirthschastlichen Einrichtungen einen genossenschaftlichen Betrieb durch die Colonisten zu organisiren, der dauernd bessere und sichere Erträge erwarten läßt. Getviß wäre ein solches Vorgehen mit imlsterhaften Betrieben, deren Durchführbarkeit noch immer bezweifelt wird, obgleich die Klagen über häufig wiederkehrende, bald durch Hochwasser, bald durch Wassermangel und Dürre verursachte Elementarschäden nie verstummen, von bestem Einflüsse ans unseren gesammten Landwirthschaftsbetrieb. Gute Beispiele bleiben aber nie unbeachtet, und der Verfasser hat